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Talentmanager aus Hinwil

Er zeigt den Stars von morgen den Weg

Ein grosser Fussballer war Balz Rau nie – beim FC Zürich hat er trotzdem eine ganz wichtige Rolle inne.

Der Hinwiler Balz Rau im langen Gang des «Home of FCZ».

Foto: Simon Grässle

Er zeigt den Stars von morgen den Weg

Talentmanager aus Hinwil

Ein grosser Fussballer war Balz Rau nie – beim FC Zürich hat er trotzdem eine ganz wichtige Rolle inne.

«Ja, absolut.» Der Hinwiler Balz Rau muss keine Sekunde studieren, ob er heute seinen Traumjob ausübt. Der ausgebildete Lehrer leitet seit mittlerweile fast eineinhalb Jahren das Talentmanagement beim FC Zürich – und begleitet in dieser Funktion die Nachwuchsspieler auf dem Weg in den Profifussball.

Es ist noch ruhig an diesem Vormittag im «Home of FCZ», dem Trainingszentrum in Zürich-Schwamendingen. Rau führt durch den auffälligen Holzbau und gibt einen kurzen Einblick in die verschiedenen Räume. Zugleich modern und funktionell wirken sie – und verströmen eine schlichte, aber warme Atmosphäre. An den Wänden sind die ganzen Erfolge des Vereins sichtbar.

Vereinzelt streifen Mitarbeitende mit einem freundlichen Gruss vorbei. Am Ende des langen und breiten Gangs stärken sich die Spieler des U21-Teams beim Frühstück für das anstehende Training.

Es ist ein anderes Bild des FCZ, das sich beim Besuch zeigt. Er, der zuletzt in der breiten Öffentlichkeit unentwegt für Schlagzeilen sorgte. Sportliche sind es selten. Vielmehr dominieren die Nebenschauplätze. Oft mittendrin: die polarisierenden Führungskräfte des Stadtklubs.

Balz Rau wirkt da mit seinem Wesen wie ein Gegenentwurf. Und er ist auch eine der Konstanten beim FCZ, bei dem seit der Ankunft von Sportchef Milos Malenovic das Personalkarussell schneller denn je dreht.

Schon fast elf Jahre setzt Rau sich im Hintergrund für den Klub ein. Zuerst als Trainer, dann als Leiter des Nachwuchsprogramms Footeco und nun seit März des letzten Jahrs als Talentmanager. Er spürt das Vertrauen des Präsidentenehepaars Canepa wie Malenovic und sagt zur Entwicklung. «Es ist beeindruckend, wie akribisch und detailbesessen seit dem Wechsel in der sportlichen Führung über den Fussball gesprochen wird.»

Alles andere als ein Modejob

Doch was steckt eigentlich hinter der Funktionsbezeichnung Talentmanager? Es ist ein Beschrieb, der nach einem Modejob klingt. Und vor allem ein Beruf, den es noch gar nicht so lange gibt.

Christoph Spycher, der jetzige Chef und Miteigentümer der Berner Young Boys, ist einer der Ersten, der diese Funktion Mitte der 2010er Jahre bekleidet. Und so zu einer Art Pionier wird. Der langjährige Profi wechselte damals so quasi von der Spielergarderobe ins Büro.

Rau spielte zwar als Fussballer nur in der 3. Liga – und hat trotzdem einen gut und anders gefüllten Rucksack. Er ist in einer Lehrerfamilie aufgewachsen und unterrichtete selbst über viele Jahre auf Sekundarstufe in Wetzikon.

Der Hinwiler Talentmanager Balz Rau im "Home of FCZ".
Eine Konstante beim FC Zürich: Balz Rau ist bereits seit 2014 für den Verein in den verschiedensten Funktionen tätig.

Der Oberländer ist damit prädestiniert für diese Aufgabe. Als sich die Gelegenheit ergab, voll auf die Karte Fussball zu setzen, zögerte er nicht. Und dass Rau wie ein Profispieler einen befristeten Arbeitsvertrag bis 2027 hat, ist für ihn unerheblich.

Als Talentmanager ist er die Schnittstelle und Ansprechperson zwischen Sportchef, Trainern, Eltern, den jungen Spielern und den verschiedenen Ausbildungsstätten. «Es geht laufend darum, die Entwicklung der Talente sicherzustellen und sie zu unterstützen», sagt Rau.

Eindrücke in ausländischem Verein

Es hat sich also einiges getan in diesem Bereich. Und der Schweizerische Fussballverband bietet mittlerweile sogar eine Ausbildung an. Rau gehört zu den ersten Absolventen überhaupt.

Ein wichtiger Bestandteil des Lehrgangs war der Besuch eines Klub im Ausland. Der 40-Jährige reiste deshalb zum AZ Alkmaar in die Niederlande, um dort Eindrücke zu sammeln. Den Tipp erhielt er von Sascha Milicevic, dem Ausbildungschef des FC Zürich.

Mit ihm und Claudio Calvi, dem Technischen Leiter, teilt Rau auch das Büro. Eine weitere wichtige Ansprechperson ist Armin Alesevic, der ihn im Joballtag unterstützt. Er beschreibt seine Kollegen «als gute Menschen». Das sei die Basis für die Zusammenarbeit, weil die Arbeitstage intensiv und lange sind.

Der Sonntag gehört den Kindern

An sechs von sieben Tagen ist er für den Verein unterwegs. Für andere Hobbys bleibt da nur wenig Zeit. Rau betont: «Es ist eine Ehre, für den FCZ arbeiten zu dürfen.»

Einzig am Sonntag ist der Oberländer nicht auf Sportgeländen anzutreffen. Er nutzt dann die Zeit für seine beiden Kinder. Mit ihnen verbringt er regelmässig die Wochenenden seit der Trennung von seiner Partnerin. Es war auch der Zeitpunkt, wo er in seine Heimatgemeinde zurückkehrte – an den Ort, wo alles einst begann.

Beim FC Hinwil durchlief Rau von klein auf alle Juniorenstufen. Als aktiver Fussballer spielte er für Hinwil und Wetzikon 2. Er engagierte sich aber auch parallel als Nachwuchstrainer im FCH. Seine Tage sind dadurch schon früh reichlich durchgetaktet.

Zum FC Zürich findet er über einen anderen Hinwiler – Heinz Russheim, den langjährigen Nachwuchschef der Stadtzürcher. Rau steigt auf Stufe U13 ein und coacht dort unter anderen auch Oberländer Talente wie Andi Hoti oder Selmin Hodza, die es später zum Profi schaffen.

Diese und andere Beispiele sieht Rau denn auch als Lohn für seine Arbeit. «Es macht uns unheimlich stolz, wenn unsere Spieler am Ende im grossen Stadion spielen», sagt er.

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