So fuhr Sauber das beste Resultat seit drei Jahren heraus
Sauber-Pilot Nico Hülkenberg wurde in Barcelona Fünfter – das ist für das Hinwiler Team gleich in mehrfacher Hinsicht positiv.
Was für ein Lebenszeichen des Hinwiler Sauber-Teams: In Barcelona fuhr Nico Hülkenberg als Sechster über die Ziellinie – und weil Max Verstappen direkt vor ihm noch mit zehn Sekunden bestraft wurde, rückte der Deutsche auf den fünften Rang vor. So weit vorne klassiert war ein Sauber zuletzt vor drei Jahren in Imola – Valtteri Bottas war damals ebenfalls Fünfter, als das Sauber-Team noch Alfa Romeo hiess.
«Das ist eine tolle Leistung des ganzen Teams», sagte Teamchef Jonathan Wheatley. «Unser Update funktionierte gut, Nico hat Zähne gezeigt. Es war ein tolles Wochenende.»
Aus eigener Kraft in die Punkte
Balsam also für die zuletzt so oft gebeutelten Sauber-Fans. Und was sie noch viel zuversichtlicher stimmen dürfte: In die Punkte fuhr Hülkenberg aus eigener Kraft – auch wenn er davon profitierte, dass Andrea Kimi Antonelli seinen Mercedes abstellen musste und eben Verstappen sich in der Schlussphase des Rennens einen Aussetzer leistete, für den er bestraft wurde.
Auf Top-Ten-Kurs war Hülkenberg schon früh. Er machte in der ersten Runde vier Plätze gut und überholte den auf Rang 10 liegenden Fernando Alonso im Aston Martin gleich zu Beginn der zweiten Runde. Als einer der ersten fuhr er dann an die Box, was ihn in der Endabrechnung weiter nach vorn spülte. An achter Stelle lag er, als das Safety-Car auf die Strecke fuhr, nachdem Antonelli seinen Mercedes abstellen musste.
Und dann war auch Hamilton fällig
Hülkenberg holte sich frische Reifen und schlug beim Restart zu: Erst zog er an Isack Hadjar im Racing Bull vorbei – und drei Runden vor Schluss auch noch an Lewis Hamiltons Ferrari. Sechster wäre er damit gewesen, und so schon jener Pilot, der am meisten Plätze gutgemacht hatte. Am Ende war er um zehn Ränge besser klassiert als losgefahren. «Das ist eindrücklich», zollte auch Sieger und WM-Leader Oscar Piastri im Interview Respekt.
Nicht ganz so gut lief es für Gabriel Bortoleto. Der Brasilianer wurde 12. und verpasste die Top Ten um vier Sekunden. Am Samstag hatte sich Bortoleto ebenfalls als 12. den besten Sauber-Startplatz bisher in dieser Saison herausgefahren, im Rennen konnte er indes nicht mit Hülkenberg mithalten.
Mit der Wut im Bauch
Dieser hatte eine bessere Startposition mit einer unsauberen Runde vergeben – was letztlich vielleicht auch ein Vorteil war: «Ich ärgerte mich sehr über mich selber und habe deshalb am Sonntag mit der Wut im Bauch einiges bewegen können.» So holte Hülkenberg das Maximum heraus – vor ihm waren am Ende nur Sieger Piastri, dessen McLaren-Teamkollege Lando Norris, Charles Leclerc im Ferrari und der Mercedes von George Russell klassiert.

«Fünfter werde ich hier ohne Safety-Car wohl nicht», sagte Hülkenberg, «vielleicht wäre es der achte oder neunte Platz geworden.» Zehn Punkte gab es für diesen fünften Rang. Damit zog Sauber in der WM an Alpine und an Aston Martin vorbei und verbesserte sich vom letzten auf den achten Rang.
Das unerwartet gute Resultat markierte das perfekte Ende eines ohnehin verheissungsvollen Wochenendes in Barcelona für Sauber: Die Hinwiler reisten mit einem neuen Unterboden und veränderten Seitenkästen an und erhofften sich von diesem Update mehr Abtrieb und ein besseres Handling des C45-Ferrari für die Fahrer.

Tatsächlich bewies Bortoleto mit seinem 12. Startplatz, dass Sauber konkurrenzfähiger ist als bisher. Und am Sonntag zeigte Hülkenberg ab der ersten Runde, wozu er fähig ist, wenn er sich im Auto wohl fühlt. «Ich hatte seit der ersten Runde am Freitag ein gutes Gefühl. Ich kann mich besser aufs Auto verlassen, es ist nicht mehr so störrisch und fühlt sich auf der Hinterachse viel stabiler an.»
Zuversichtlicher Teamchef: «Unsere Tools funktionieren»
Zuversichtlich dürfte das Team auch noch etwas anderes stimmen: Ein weiteres grosses Update ist in der Pipeline, es wird spätestens nach der Sommerpause ans Auto kommen. Teammanager Inaki Rueda sagte gegenüber «motorsport-total.com», die Entwicklung dieses Updates sei beendet, man müsse nur noch die Teile produzieren. Und laut Rueda wurde der Herstellungsprozess beschleunigt – das war früher ein Manko, das Valtteri Bottas mehrfach bemängelte.
Das heisst: Während noch Teile für 2025 produziert werden, arbeitet man im Windkanal bereits vollumfänglich auf 2026 hin – dann wird Sauber zum Audi-Werksteam. «Wir haben 2025 nicht abgeschrieben», sagt Teamchef Wheatley. «Und wir wissen nun: Unsere Tools funktionieren.» Das dürfte man auch beim deutschen Hersteller mit Genugtuung zur Kenntnis nehmen.
