Eine Medaille hat er schon – und die Chance auf eine zweite
Der Fällander Ian Raubal schreibt an der EM mit dem Schweizer Team Geschichte. Und wird auch am Barren ein Wörtchen um die Podestplätze mitreden können.
Besser hätte seine EM-Premiere kaum verlaufen können. Mit dem Schweizer Team hat Ian Raubal in Leipzig im Teamwettbewerb die Silbermedaille gewonnen. Am Barren qualifizierte sich der Fällander zudem für den Final der besten acht Turner. Der 23-Jährige setzte als Zweiter ein Ausrufezeichen – einzig der Türke Ferhat Arican war noch besser.
Und so kann es irgendwie nicht erstaunen, dass Raubal auch mit einigen Stunden Abstand und einer wohl kurzen Nacht mit wenig Schlaf aus dem EM-Ort meldet: «Ich kann es noch nicht glauben. Es braucht wohl ein oder zwei Tage mehr, um das komplett zu verarbeiten.»
Einen Platz in den Top 8 hatte der Turnverband dem Männerteam zum Ziel gesetzt. Wobei Raubal schon im EM-Vorfeld davon gesprochen hatte, dass es auch weiter nach oben gehen könne. Das ist es nun – und wie.
Mit dieser Silbermedaille schreiben Raubal, Luca und Matteo Giubellini, Noe Seifert und Florian Langenegger Schweizer Turngeschichte. Besser waren die Schweizer noch nie klassiert. 2016 hatten sie EM-Bronze gewonnen. David Huser, Chef Spitzensport, sparte darum nicht mit Lob und sagte: «Es ist sensationell.» Und Raubal findet: «Es ist ein Traum, der in Erfüllung geht. Das ist nun etwas, das ich fürs Leben habe.»
Ian Raubal war wie geplant an drei Geräten im Einsatz. Am Reck, den Ringen und am Barren. Während sein 32. Platz am Reck als Streichresultat nicht in die Teamwertung kam, war er an den anderen zwei Geräten jeweils bester Schweizer. An den Ringen verpasste er auf Rang 22 den Gerätefinal, dagegen kämpft Raubal am Samstag nach seinem 2. Platz in der Qualifikation am Barren um die Medaillen.
«Überglücklich» ist der 23-Jährige mit seinen Leistungen. Völlig aus dem Nichts kommen Raubals starke Auftritte in Deutschland indes nicht. Der einzige im Ausland trainierende Schweizer Turner, der seit knapp drei Jahren an der US-amerikanischen Pennsylvania State University studiert und für deren Turnteam startet, hat zuletzt einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht.
Alle nahe beieinander
Ein entscheidender Punkt: Die rund zehn bis zwölf Wettkämpfe, die Raubal in jeder Saison der College-Liga absolvierte, haben ihn reifen lassen. Zuvor vermochte er häufig seine Trainingsleistungen nicht zu bestätigen, wenn es zählte. «Ich bin mehr der Wettkampftyp geworden als früher», sagt Raubal. Im Gerätefinal am Samstag kann er das in Leipzig ein weiteres Mal unter Beweis stellen.
Es dürfte eine enge Entscheidung geben. Sieben der acht Finalteilnehmer lagen in der Qualifikation innerhalb eines Zehntelpunktes. Das hat auch mit den neuen Wertungsvorschriften mit nur noch acht statt zehn Elementen zu tun. «Dadurch ist alles etwas näher beieinander.»
Raubal wird höchstwahrscheinlich dieselbe Übung wie in der Qualifikation turnen. Mit dem Ziel, seine Ausführungsnote zu verbessern. Und wenn ihm das gelingt? «Dann kann alles passieren.»
