Das geplante Chaos hielt sich nicht an den Plan
In Monaco hätte eine Regeländerung für Formel-1-Teams wie Sauber eigentlich eine Chance bieten können. Doch das Chaos blieb aus.
Chaos! Normalerweise muss das Hinwiler Sauber-Team auf unvorhersehbare Rennverläufe hoffen, um eine Chance auf WM-Punkte zu haben. In Monaco sollte es heuer eigentlich geplantes Chaos geben: Weil das traditionsreiche Rennen im Fürstentum in den vergangenen Jahren des Öfteren doch ziemlich langweilig verlief – nirgendwo sonst ist Überholen so schwierig – wurde ein neue Regel eingeführt: Statt wie üblich einem Pflichtboxenstopp gab es in Monaco zwei. Und das obwohl der Reifenverschleiss auf dieser Strecke eigentlich so gering ist, dass die Fahrer die 78 Runden eigentlich auch ohne einen einzigen Stopp absolvieren könnten.
Vor dem Rennen schossen deshalb die Spekulationen ins Kraut. Von Stopps direkt hintereinander in den ersten beiden Runden bis zur selben Variante in den letzten beiden Runden war alles mit dabei. Auch bei Sauber dürfte man unzählige denkbare und undenkbare Szenarien überlegt haben.
Die Ausgangslage war nicht schlecht
Normalerweise sagt man, das Qualifying sei in Monaco fast wichtiger als das Rennen. Die Sauber-Piloten holten sich die Startplätze 13 (Nico Hülkenberg) und 16 (Gabriel Bortoleto), wobei Hülkenberg den zweiten Teil des Qualifyings zwar aus eigener Kraft erreichte, dann aber davon profitierte, dass gleich beide Mercedes-Piloten ausschieden (Andrea Kimi Antonelli nach einem Unfall und George Russell mit technischen Problemen). Für den Deutschen war das eine Ausgangslage, die bei normalem Rennverlauf in Monaco eben nicht gerade viel Hoffnung erweckt. Aber so? Mit dem geplanten Chaos?
Tatsächlich war die Hektik im Vorfeld des Rennens letzlich grösser als jene im Rennverlauf selber. Zwar gab es tatsächlich schon in der ersten Runde die ersten Stopps, während einer virtuellen Safetycar-Phase, die der Sauber-Brasilianer Bortoleto ausgelöst hatte, weil er im Duell gegen Antonelli im Mercedes in die Leitplanke fuhr.
Bortoletos Fauxpas
Bortoleto konnte weiterfahren und schien erst ein Nutzniesser seines eigenen Zwischenfalls zu werden, da er hinter dem Feld Zeit gutmachen konnte. Doch dann wurde er eingebremst. Weil mit Racing Bulls, Williams und Mercedes gleich drei Teams auf die Taktik zurückgriffen, dass der eine Fahrer den Rest des Feldes zugunsten seines Teamkollegen einbremst, um diesem einen Boxenstopp ohne Positionsverlust zu ermöglichen war das Rennen der beiden Sauber-Piloten früh zerstört. Auf dieselbe Taktik konnten sie nicht zurückgreifen – weil sie sich nie in den Top Ten bewegten. Am Ende wurde Bortoleto 14. und Hülkenberg fuhr als 16. und Drittletzter über die Ziellinie.
Einzige gute Nachricht für Sauber: Auch Alpine holte keine Punkte. Die Hinwiler bleiben damit zwar WM-Letzter, aber weiterhin nur mit einem Zähler Rückstand.
Für noch mehr Chaos – und noch höhere Punktechancen für Sauber – hätte wohl nur Regen gesorgt. Dann kann es in Monaco ganz extrem werden. Langjährige Sauber-Fans dürften sich bei den Stichworten Monaco und Regen an 1996 erinnern. Da waren nur sieben Autos klassiert – und nur drei erreichten das Ziel. Darunter Johnny Herbert im Sauber als Dritter und sein Teamkollege Heinz-Harald Frentzen, der das Auto in der zweitletzten Runde abstellen musste, als Vierter.
Auch vorne keine Positionswechsel
Auch auf den Ausgang des Rennens an der Spitze hatte die Regelung mit den zwei Pflichtboxenstopps keinen Einfluss. Denn die ersten drei fuhren so ins Ziel wie sie losgefahren waren: Lando Norris im McLaren siegte vor Ferrari-Pilot Charles Leclerc. WM-Leader Oscar Piastri im zweiten McLaren wurde Dritter, Weltmeister Max Verstappen im Red Bull Vierter.
Sicher ist nach diesem Monaco-GP also bloss, dass auch mehr Pflichtboxenstopps nicht für mehr Spannung und Action sorgen. Sondern einfach für mehr Bremsklötze auf der Strecke.