Das sollten Sie übers Eidgenössische Turnfest wissen
Wie viele Oberländer Vereine reisen eigentlich ans Eidgenössische Turnfest? Und worum geht es in Lausanne überhaupt? Eine Übersicht.
Etwas weniger Teilnehmer – auch aus dem Oberland
Nein, ein Fest der absoluten Superlative ist es nicht, das Eidgenössische Turnfest in Lausanne, das am 12. Juni beginnt, also in rund drei Wochen. Denn Superlativ heisst: Mehr geht nicht. Es ging aber schon mal mehr. Jedenfalls, was die Teilnehmerzahl anbelangt. Vor sechs Jahren in Aarau vermeldeten die Organisatoren 69’000 Startende. Nun gehen die Organisatoren in Lausanne von rund 65’000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus 1372 Vereinen aus. Den Rückgang erklären sie sich mit logistischen Herausforderungen bei Gruppenreisen – und schlicht auch damit, dass Lausanne «weiter von den Schweizer Turnzentren entfernt» liege. Tatsächlich vermelden die Organisatoren eine Rekordbeteiligung aus den Westschweizer Kantonen. Aus dem Zürcher Oberland derweil reisen weniger Vereine an den Genfersee als vor sechs Jahren nach Aarau. Damals waren es 53, nun sind es 43.
Das Herzstück sind die Vereinswettkämpfe
Sie gelten als Highlights für die Breitensportler: die Vereinswettkämpfe. Sie finden vornehmlich am zweiten Turnfestwochenende statt in drei verschiedenen Stärkeklassen. Wobei mit «Stärke» hier weniger die Qualität als vielmehr die Quantität gemeint ist. Die Klassen unterscheiden sich nicht durch das Leistungsniveau, sondern durch die Anzahl der Turnenden: Im dreiteiligen Vereinswettkampf der 1. Stärkeklasse bei den Aktiven – er gilt als Königsdisziplin – müssen es über 36 im Durchschnitt pro Wettkampfteil sein, also über 108 Turnerinnen und Turner insgesamt. Vor sechs Jahren waren zehn Oberländer Vereine in der Königsklasse am Start – und der TV Rüti war mit dem 16. Schlussrang unter 113 klassierten Vereinen nicht nur der beste aus dem Oberland, sondern auch aus dem ganzen Kanton. Natürlich sind die Rütner auch in Lausanne am Start – als einer von diesmal sogar elf Oberländer Vereinen.
Tradition trifft Moderne an den Einzelwettkämpfen
Bevor es für die Vereine ernst gilt, stehen am ersten Wochenende die Einzelwettkämpfe auf dem Programm. Und dieses Programm ist reich befrachtet – 149 Wettkämpfe sind es in 22 Disziplinen über beide Wochenenden verteilt. Und es ist fast wie an Olympischen Spielen: Traditionen werden gepflegt – aber auch moderne, neue Sportarten finden Aufnahme ins Wettkampfprogramm. Illustrieren lässt sich das wunderbar anhand von Beispielen aus der Region: Da wäre einerseits das Nationalturnen, eine schweizerische Eigenart, die aus Leichtathletikdisziplinen sowie aus Sportarten wie Steinheben, Steinstossen und Schwingen zusammengesetzt ist. Der Wildberger Schwinger Janos Bachmann ist als einziger Oberländer in der höchsten Stärkeklasse am Start. Auf der anderen Seite ist der Trendsport Parkour zum ersten Mal im Programm vertreten – dabei geht es vereinfacht gesagt darum, möglichst schnell und effizient und ohne Hilfsmittel Hindernisse wie Mauern, Häuser, Geländer zu überwinden. Im Oberland betreibt die in Uster entstandene Target Freerunning School diese Sportart und entsendet auch Teilnehmer nach Lausanne. Darunter mit Oskar Dietschi einen, der die nationale Spitze verkörpert und die Sportart auch an internationalen Wettkämpfen betreibt.
… und etwas Spitzensport gibt es auch noch
Das Eidgenössische Turnfest ist die grösste Breitensportveranstaltung des Landes – doch der Leistungssport fehlt auch in Lausanne nicht. Am ersten Wochenende werden in verschiedenen Disziplinen nicht nur Festsieger gekürt, sondern auch Schweizer Meister – diesmal beispielsweise auch im Kunstturnen. Aus der Region dürfte B-Kader-Athlet Moreno Kratter (Rüti) am Start sein. Und bei den Frauen ist der TV Rüti mit Martina Eisenegger, Fiona Paula Müller und Kea Walser gleich dreifach vertreten.
