Weshalb er trotz Ausfall von Euphorie spricht
Töffpilot Randy Krummenacher
Randy Krummenacher aus dem Grüt erlebte einen resultatmässig enttäuschenden Auftakt in die Langstrecken-WM. Seiner Zuversicht tut das aber keinen Abbruch.
Die Vorzeichen waren noch nie so gut. «Wir waren alle konstant und schnell und euphorisch», sagt Randy Krummenacher. Auf dem dritten Startplatz nahm der Grütner das 24-Stunden-Rennen von Le Mans in Angriff. Besser hatte sein Rennstall Tati Team AVA6 Racing noch nie in einem Qualifying abgeschnitten.
Im Rennen ging es dann aber nicht lang, bis sich die Probleme einstellten: Als Krummenacher nach etwas mehr als einer Stunde zum ersten Boxenstopp kam, liess sich das Motorrad nicht mehr ausschalten. Und noch bevor vier Rennstunden vorbei waren, ging gar nichts mehr. Der Motor streikte, das Team musste aufgeben.
Krummenachers zweite Saison in der Langstrecken-WM begann damit so, wie die erste aufgehört hatte: mit einem Motorschaden.
«Die Motoren stehen unter extremer Belastung», sagt der Grütner. Er vermutet, dass die beiden Ausfälle eine ähnliche Ursache haben – und liefert dem Team auch gleich die Lösung dafür respektive einen Techniker, der sich um den Motor kümmert. Es handelt sich um den Motorenspezialisten, der dabei war, als Krummenacher 2019 die Supersport-WM gewann. Er wird künftig vor den Rennen die Honda-Motoren für Krummenachers Team aufbereiten. Es sind Strassenmotoren von der Stange, aus denen der Spezialist laut Krummenacher noch einiges an Leistung und an Zuverlässigkeit herausholen kann. Dass das Team auf Krummenachers Vorschlag einstieg, zeigt, was für ein Standing der Oberländer dort hat.
Überhaupt findet der Grütner, er habe sich unterdessen einen Namen gemacht im Langstreckensport. Das Wochenende in Le Mans dürfte ebenso dazu beigetragen haben – auch wenn das Team im Rennen rasch keine Rolle mehr spielte. Im Qualifying war Krummenacher einer von nur vier Fahrern, die in ihrer schnellsten Runde unter 1:35 Minuten blieben. Ganz generell war er einer der schnellsten Piloten. «Ich denke, dass ich mir etwas Respekt einfahren konnte», sagt er.

Vielleicht gelang es ihm auch, seine Chancen auf ein Engagement bei einem Werksteam zu verbessern. Denn auch wenn das Tati Team zur erweiterten Spitze gehört: Als Privatteam kämpft Krummenachers Equipe nicht um Siege und Titel, sondern um das, was hinter den fünf Werksteams normalerweise übrig bleibt. Die finanziellen und technischen Unterschiede sind bedeutend – die Privatteams müssen teils mit Material auskommen, das sich quasi jeder im Laden kaufen kann.
Mit seinen 35 Jahren hat Krummenacher im Motorradrennsport unterdessen wohl schon fast alles gesehen. Ihm behagt seine aktuelle Rolle auch deshalb sehr, weil es in einem Privatteam nicht um Firmenpolitik geht, sondern er sich dort vornehmlich auf das konzentrieren kann, was er am liebsten tut: Rennen fahren. Und ihm gefällt die Ausgangslage offensichtlich, gegen scheinbar übermächtige Gegner bestehen zu müssen. In den Kampf um die Krone des besten Privatteams greifen heuer nämlich auch zwei neue Teams ein mit sehr potenten Geldgebern im Hintergrund.
«Es wird schwierig. Aber manchmal kann man auch mit einfachen Mitteln ganz viel bewirken», sagt Krummenacher. Angestachelt ist er also. Und trotz dem Ausfall auch zuversichtlich: «Es war natürlich hart. Aber wir können viel Positives mitnehmen.» Einen weiteren Ausfall sollte sich die Equipe aber nicht leisten: Die Langstrecken-WM umfasst nur vier Rennen.
