«Wir müssen uns daran gewöhnen, dass es ungemütlich ist»
Neuer Sauber-Teamchef spricht
Punkte gab es für Sauber in Bahrain keine. Dafür äusserte sich Jonathan Wheatley erstmals zu seiner neuen Rolle als Teamchef bei den Hinwilern.
Seit zwei Wochen ist Jonathan Wheatley nun Teamchef des Hinwiler Sauber-Teams. Rund um den GP von Bahrain gab der Brite nun die ersten Interviews in seiner neuen Funktion. Er vermied es dabei, konkrete Vergleiche zu ziehen zwischen Sauber und seinem Ex-Team Red Bull – und auch zur aktuellen Sauber-Performance ging er nicht ins Detail. Klar wurde, dass Wheatleys Fokus nicht auf den aktuellen Resultaten liegt.
Viel zu sagen gab es zum Rennen in Bahrain, das Oscar Piastri im McLaren gewann, auch nicht. Es endete für Nico Hülkenberg und Gabriel Bortoleto ohne Punkte, womit Sauber auf den letzten WM-Rang abgerutscht ist. Hülkenberg war ursprünglich 13. geworden, wurde aber nach dem Rennen disqualifiziert, weil seine Bodenplatte zu stark abgenutzt war. Erlaubt sind 9 Millimeter Dicke, an Hülkenbergs Auto wurden 8,4 Millimeter gemessen. Gabriel Bortoleto wurde 18. und Letzter.
Jonathan Wheatley über…
… seine ersten Eindrücke von Sauber: «Ich habe das Gefühl, ich sei absolut am richtigen Ort. Meine Familie und ich sind in die Schweiz umgezogen – ein fantastisches Land, durch das ich schon gefahren bin, in dem ich aber nie geblieben bin. Ich fühle mich schon sehr, sehr zuhause bei Sauber. Es gibt eine tolle Energie im Team und viel Begeisterung darüber, dass es vorwärtsgeht mit dem Projekt. Die Leute schauen einem in die Augen und es herrscht eine Energie, von der ich profitiere. Ich habe das Gefühl, dass es eine grossartige Zeit ist, um dort zu sein.»
… seine Herangehensweise in den ersten Wochen: «Ich habe mir ein Ziel für die ersten drei Rennen gesetzt, es ist ein Triple-Header, und es ist sehr interessant zu sehen, wie ein Team bei einem Triple-Header abschneidet. Am Ende dieser Zeitspanne erhält man ein gutes Bild davon, wie ein Team funktioniert. Ich versuche, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen, sondern benutze im Moment viel Tinte und versuche, meine Notizen in eine Struktur zu bringen. Was ich sagen kann: Die Offenheit und der Lernwille im Team ermutigen mich. Es geht um Menschen. Wenn man diese kreative Energie nicht hat, kommt man nicht voran. Auf dieses Momentum wollen wir bauen.»
… was er in den 19 Jahren bei Red Bull von Teamchef Christian Horner gelernt hat: «Ich habe von jedem etwas gelernt, mit dem ich in den letzten 34 Jahren in diesem Business zusammengearbeitet habe. Ich würde mich nicht auf eine bestimmte Person konzentrieren. Ich möchte das Team zusammen mit Mattia Binotto auf meine eigene Art führen. Ich war mir immer ziemlich sicher über meine eigenen Gedanken und Ansichten. Ich habe einen Plan und werde mich immer wieder darauf beziehen. Aber es geht am Ende um die Menschen im Team. Das ist mein Fokus.»
… die Schwierigkeit, die verschiedenen Kulturen zu vereinen – ein Teamchef, der jahrzehntelang in britischen Teams gearbeitet hat, ein Schweizer Team, das einem deutschen Hersteller gehört: «Das ist ein Teil der Herausforderung und Teil des Spasses. Derzeit sehe ich keine Probleme in Bezug auf die Sprache des Teams und die Art und Weise, wie die Menschen miteinander umgehen. Ich werde Deutsch lernen – aber bitte sprecht mich in nächster Zeit noch nicht darauf an. Es geht darum, den Horizont zu erweitern in einem kleinen Team, das sich in der Übergangsphase zu einem vollwertigen Werksteam befindet. Es gibt eine Vielzahl an Projekten, die wir richtig machen müssen. Eines davon ist, die Menschen zusammenzubringen. Als Team werden wir uns daran gewöhnen müssen, dass es uns ungemütlich ist, denn es stehen Veränderungen bevor. Wir müssen einen klaren Fahrplan haben wohin wir gehen – und ich glaube, dass wir uns derzeit im Plan befinden.»
