Sie greifen nach ihrem ersten gemeinsamen Titel
Oberländer Fussballerinnen
Naomi Mégroz aus Greifensee zählt schon viele Jahre bei den FCZ-Frauen zu den Leistungsträgerinnen. Noch ganz am Anfang ihrer Karriere steht ihre Teamkollegin Derin Degirmenler aus Rüti.
Es war keine alltägliche Premiere. Erstmals überhaupt stand Derin Degirmenler bei den FCZ Frauen in der Startelf einer Partie der Women’s Super League (WSL). Es ging gleich gegen den aktuellen Schweizer Meister Servette. Und das Heimspiel fand auch nicht wie in der Regel auf der weitläufigen und eher seelenlosen Heerenschürli-Anlage statt, sondern im Letzigrund.
Der Grund dafür war ein Doppelspiel-Sonntag. Gegen 3000 Fans blieben nach der Partie der Männer zur Unterstützung im Stadion. Der Grossteil davon stand in der Zürcher Südkurve. Für Degirmenler war es ein eindrückliches Erlebnis. In der Startphase kämpfte sie aber noch mit der Nervosität. «Ich musste mich echt konzentrieren», sagt die 18-jährige Rütnerin.
Mit 16 ins kalte Wasser
Beim Gespräch an ihrer Seite sitzt Naomi Mégroz. Die Greifenseerin kann sich gut in Degirmenler hineinversetzen. Sie war bei ihrer Feuertaufe auf höchster Stufe sogar 16 Jahre jung. «Das lief recht spontan ab. Hey, du bist aufgeboten», erinnert sie sich.
Heute, mit bald 27, ist sie eine der Erfahrensten im Team, und sogar Captain. Mégroz ist überzeugt davon: «Solche Stadionspiele zeigen, dass es mit dem Frauenfussball vorwärtsgeht.»
Der Match selbst gegen Servette war dann eine einseitige Angelegenheit. Der FCZ gerät früh in Rückstand – und verliert 0:4. Die 18-jährige Degirmenler machte trotzdem Eindruck. Und kommt weiter regelmässig zum Einsatz. Es ist alles andere wie selbstverständlich im Zürcher Ensemble mit Fussballerinnen aus halb Europa.
Seit der denkwürdigen Partie im Letzigrund von Anfang März sind erst ein paar wenige Wochen vergangen. Und am Samstag steigt für die FCZ Frauen – erneut im Letzigrund – mit dem Cup-Final ein Spiel von grösserer Bedeutung.
Möglich ist, dass da noch mehr Zuschauerinnen und Zuschauer kommen. Nur schon deshalb, weil der Gegner dieses Mal FC Basel heisst – und auch der harte Fan-Kern der Südkurve wieder zahlreich und lautstark auflaufen dürfte.
Der FCZ ist Rekordhalter – in der Meisterschaft und im Cup. Gerade Mégroz gehört zu den Spielerinnen, die schon mehrere Erfolge mit dem Verein feiern konnte.
Und an ihrem Anspruch hat sich nichts verändert – obwohl die Konkurrenz innerhalb der Schweiz aufgeholt hat. Weitere Pokale gewinnen und wieder Champions League gegen die ganz Grossen spielen. Besonders die Europacup-Kampagne von 2022 mit dem FC Zürich ist ihr in bleibender Erinnerung – mit Duellen gegen Arsenal, Juventus und Lyon.
Heim-EM bleibt wohl Traum
Mégroz war auch zwei Jahre beim SC Freiburg in der Bundesliga unter Vertrag – und bestritt bisher 14 Länderspiele. Zuletzt gehörte sie im Frühling 2024 bei einem Zusammenzug zum Kader. Mégroz sagt: «Ich will wieder zurück ins Nationalteam.»

Eine Nomination für die Heim-EM würde aber überraschen. Es dauert keine 100 Tage mehr bis zur Endrunde. Und ihre letzten Länderspiel-Minuten liegen fast zwei Jahre zurück. Für die anstehenden Nations-League-Partien wurde sie nicht berücksichtigt. 20 der 23 Akteurinnen des Aufgebots spielen im Ausland. Der FCZ stellt keine Nationalspielerin.
Ein Engagement im Ausland – beispielsweise in England – könnte sich auch Mégroz nochmals vorstellen. Dabei geht es ihr gar nicht um den möglichen Traum vom Profifussball. Auch während ihrer Zeit in Deutschland arbeitete sie Teilzeit in einem Café. «Ich mache gerne etwas neben dem Fussball für den Kopf», sagt Mégroz, die in einem 70-Prozent-Pensum im Büro arbeitet.
Ein Abenteuer im Ausland ist auch das Fernziel von Degirmenler. Die Rütnerin mit türkischen Wurzeln steht noch am Anfang ihrer Karriere – beruflich wie sportlich.
Auf diese Saison hin ist sie direkt aus der U19 ins WSL-Team nachgezogen worden. Degirmenler wird dieses Frühjahr ihre KV-Ausbildung abschliessen. Der Fussball soll dann noch mehr in den Vordergrund rücken. Sie beabsichtigt, ihr Arbeitspensum zu reduzieren.
Gleich ein Tor beim Debüt
Bei der Mittelfeldspielerin, die beim FCZ noch einen Vertrag bis 2027 hat, geht es in einem nächsten Schritt darum, sich als Stammkraft zu etablieren. Dass sie das Zeug dazu hat, ist unumstritten.
Bereits beim ersten Meisterschaftseinsatz im August erzielt sie gegen Rapperswil-Jona nach ihrer Einwechslung ein Tor. Eine feste Rückennummer hat sie da noch nicht. Und auch ihr Name fehlt auf dem Trikot. Degirmenler fällt aber gleich durch ihre leidenschaftliche Spielweise auf.

Den Willen streicht auch Anne Pochert neben ihren fussballerischen Qualitäten heraus. Die Interimstrainerin des Schweizer U19-Nationalteams schätzt Degirmenler als «technisch starke Spielerin mit gutem Umschaltverhalten».
Unlängst hat sie dort ihr Debüt gegeben – und überzeugt. Jetzt reist die Oberländerin gleich nach dem Final mit der U19-Auswahl weiter zu einem EM-Qualifikationsturnier nach Schottland. Idealerweise gleich als frischgebackene Cup-Siegerin.
Erste Erfahrungen, vor grosser Kulisse aufzulaufen, hat sie ja schon sammeln können. Sie könnten Degirmenler nun helfen auf dem Weg zum ersten Titel.
