Darum findet Usters Captain: «Es wäre mehr dringelegen»
Nach Out im Playoff-Viertelfinal
Dass der UHC Uster im Playoff-Viertelfinal gegen NLA-Qualifikationssieger Zug scheitern würde, war absehbar. Tobias Ledergerber schaut dennoch mit gemischten Gefühlen auf die Playoffs zurück.
Wie ist die Gefühlslage nach dem Playoff-Out am Sonntag nach Verlängerung in Zug?
Tobias Ledergerber: Schwierig. Es ist hart, so auszuscheiden, daran werden wir noch einige Tage zu beissen haben. Zweimal haben wir nach Verlängerung verloren – da bleibt das Gefühl: Es wäre mehr dringelegen.
Hätten Sie vor dieser Saison für eine 1:4-Niederlage in einer Viertelfinalserie gegen Qualifikationssieger Zug unterschrieben? Schliesslich musste Uster zuletzt zweimal in Serie in die Playouts.
Wir kommen vom zwölften Platz her, da ist das schon eine deutliche Steigerung. Tatsächlich war unser Saisonziel, den ersten Playoff-Match zu gewinnen. Das haben wir im Spiel 2 erreicht. Trotzdem bleibt eine Enttäuschung. Wir hatten im Team in dieser Saison viel mehr über Ziele geredet – und am Ende war allen klar, dass wir einfach den nächsten Match gewinnen wollen.
Schon das erste Spiel ging nach Verlängerung verloren, Zug erzwang diese mit dem Ausgleich Sekunden vor Schluss. Wäre die Serie mit einem Ustermer Startsieg anders verlaufen?
Ich habe mir die Frage auch schon gestellt, auch wenn ich solche Was-wäre-wenn-Situationen nicht oft habe. Vielleicht sähe es anders aus, und wir wären noch in der Serie. Aber trotz der Niederlage hat dieses erste Spiel das Bewusstsein gestärkt: Wir können die packen. Wir sind auf Augenhöhe mit ihnen. Und es braucht kein Weltklasse-Unihockey von uns, um eine Chance zu haben.
Ausgerechnet im TV-Spiel am Samstag vor einer Woche im Buchholz bezog Uster die höchste Niederlage, es war das einzige Spiel in dieser Serie, in der die Mannschaft nie geführt hat. Fuchst Sie das?
Ja natürlich, wir waren da zwischendurch 0:5 hinten, das sah nicht gut aus. Vielleicht haben uns da viele Leute zum ersten Mal gesehen – da nervt es, wenn man ein schwächeres Spiel einzieht. Für die breite Masse war das nicht ersichtlich, aber auch da: Es waren Details, die entschieden. Wir waren nicht von A bis Z schlecht, das Schussverhältnis sprach in diesem Spiel zum Beispiel für uns.
Letztlich scheiterte Uster am Ausländerblock von Zug. Ist gegen die Skandinavier kein Kraut gewachsen?
Zug hat vier oder fünf Weltklasse-Spieler. Die nimmt man nicht so einfach aus dem Spiel. Sie sind eiskalt, das hat am Schluss den Unterschied gemacht. Ich würde nicht von unschlagbar reden. Aber es muss schon einiges zusammenstimmen, damit man über eine ganze Serie eine Chance hat.
Die Saison war für Uster ein Auf und Ab: Der Start war mit sechs Siegen in Serie perfekt, zwischenzeitlich war man Leader – und am Ende dauerte es doch bis zur zweitletzten Runde mit der Playoff-Qualifikation. Hat Uster sein Potenzial ausgeschöpft?
Zu 100 Prozent wohl nicht, sonst wären wir jetzt noch in der Viertelfinalserie. Aber wir haben schon einen sehr grossen Schritt gemacht, was die Qualität im Spiel betrifft, das Auftreten, die Abgeklärtheit. Man merkte, dass wir ein Jahr älter sind. Ein Faktor waren sicher auch die besser besetzten Ausländerpositionen und das zusätzliche Morgentraining, das zwar freiwillig, aber doch sehr gut besucht war. Auch im Mentalen haben wir uns weiterentwickelt und verfolgen unsere Ziele noch konsequenter – sowohl im Training als auch im Spiel.
Der UHC Uster hat sich schon lange auf die Fahne geschrieben, ein Ausbildungsklub zu sein, Trainer Simon Meier sprach immer von Fortschritten, die aber lange nicht in der Tabelle sichtbar wurden. Nun war das anders. Warum?
Es ist eine Arbeit über mehrere Jahre, die nun Früchte trägt. Man muss schon sehen: In unserer Sportart sind es gerade in dieser ausgeglichenen Liga Details, die entscheiden. Ein wichtiger Punkt ist sicher, dass wir viel mehr über Ziele und Verhaltensweisen gesprochen haben. Dabei ging es nicht nur um das Saisonziel und längerfristige Ziele, sondern auch um untergeordnete. Und wir haben definiert, was erfüllt sein muss, um diese Ziele zu erreichen.
Was denn zum Beispiel?
Es geht um ganz einfache Sachen, beispielsweise: Es gibt keine Strafen, nachdem der Schiedsrichter abgepfiffen hat. Oder wir setzen mehr Anreize im Training, dass man bei Übungen Punkte sammeln kann und es am Ende ein Ranking gibt. Wir sind alle leistungsorientiert – und am Ende ist man lieber oben dabei als unten. Und wir reflektierten immer wieder darüber, ob wir auf dem richtigen Weg sind – und wo wir noch an Stellschrauben zu drehen haben.
Für Sie war es die zehnte NLA-Saison mit Uster, eine elfte folgt, Sie haben Ihren Vertrag verlängert. Was wird nächste Saison das Ziel sein?
Mein Wunsch wäre, dass wir uns als Playoff-Team etablieren Das ist aber kein einfacher Weg, sondern erfordert gute Resultate über Jahre. Wir haben Nationalspieler aus den eigenen Reihen hervorgebracht. Darauf gilt es aufzubauen und den nächsten Schritt zu machen. Das geschieht aber nicht über Nacht. Es ist wie bei einer Firma: Einen Ruf baut man nicht innerhalb von ein paar Monaten auf.