Uster zu naiv im Abwehrverhalten
Den Profis unterlegen
Der FC Uster ist mit einer 3:4-Heimniederlage gegen Schaffhausen 2 in die Interregio-Rückrunde gestartet. Der Trainer attestiert seinem Team dennoch Fortschritte.
Manchmal trügen die nackten Zahlen. Da kassiert der FC Uster im ersten Spiel nach der langen Winterpause schon bis zur Pause vier Gegentore und unterliegt den bis dato im drittletzten Rang klassierten Reserven des FC Schaffhausen 3:4.
Und dann ist FCU-Trainer Etienne Scholz trotz des Fehlstarts ziemlich guter Dinge. Wie kommts?
Ein verblüffender Gegner
Viel hat dies mit dem Gegner zu tun, der nurmehr dem Namen nach derselbe ist wie noch in der Vorrunde und dessen Tabellenplatz in keiner Weise die Stärke des aktuellen Teams widerspiegelt.
In Schaffhausen geschehen derzeit nämlich nicht nur im Fanionteam bemerkenswerte Dinge. Während der Challenge-League-Klub in finanziellen Nöten steckt und mit abenteuerlichen Geschichten über angebliche Investoren von sich reden macht, verblüfft die zweite Mannschaft mit auf diesem Niveau kaum je gesehenen Ambitionen. Sie wird neustens von einem im Tessin beheimateten russischen Millionär mit einer kolportierten Viertelmillion Franken jährlich finanziert, wird professionell geführt und trainiert täglich zweimal.
Und weil ein normaler Amateur diesen Weg aus nachvollziehbaren Gründen nicht mitgehen kann, hat die Mannschaft in der Winterpause dank vieler Zuzüge von mindestens Erstliga-erprobten Akteuren ein gänzlich neues Gesicht erhalten. «Die haben wirklich Qualität, die werden bestimmt nicht absteigen», prophezeit denn auch Scholz.
«Vom Tempo her eine Erstliga-Partie»
Nichtsdestotrotz war die Niederlage Usters wenig zwingend und deshalb ärgerlich. Besonders der erste Gegentreffer, der schon nach wenigen Minuten fiel, fuchste den Coach. Nicht wegen des von den Gästen abgefangenen Schnittstellenpasses, «schliesslich wollen wir ja den Gegner genau damit in Verlegenheit bringen». Sondern aufgrund des anschliessenden Abwehrverhaltens von gleich zwei Verteidigern, die beim unnötigen Versuch, Druck auf den Ball zu machen, ins Leere liefen und den Schaffhausern eine Überzahlsituation ermöglichten.
Überhaupt habe sich die Mannschaft in der Startphase nicht an den Matchplan gehalten, bemängelte Scholz. Danach aber fand der FCU immer besser ins Spiel, sodass sich auf dem schnellen Kunstrasen eine rasante Begegnung entwickelte. «Vom Tempo und der Intensität her war dies eine Erstliga-Partie», fand Usters Coach.
Gäste zu abgezockt
Effizienter waren dabei aber die Schaffhauser. Sie bauten das Skore dank einem fulminanten Schuss und einem Treffer, dem ein nicht geahndetes Foul an Rückkehrer Ivan Jakovljev, auf 3:0 aus.
Und nachdem Leonit Trolli – der Neuzugang aus … Schaffhausen – ein erstes Mal für Uster erfolgreich war, reagierten die Gäste umgehend mit dem vierten Tor. Wobei diesem erneut naives Abwehrgebaren des Heimteams vorausging.
Zwar verkürzte der FCU noch vor der Pause abermals und schaffte nach einer Stunde dank einem geschenkten Penalty gar den Anschluss. Mehr lag für die Ustermer trotz nie nachlassendem Elan aber nicht mehr drin. Zu abgezockt agierten die sich allmählich zurückziehenden Schaffhauser, die auf jede erdenkliche Art und Weise Zeit von der Uhr zu nehmen vermochten.
Bis auf die beiden Fehler vor den Gegentoren könne er seinem Team keinen Vorwurf machen, resümierte Scholz. Es habe weniger jugendlich agiert als zuletzt, an Mentalität gewonnen und insgesamt vielerorts Fortschritte erzielt. Noch basiere diese Einschätzung indes nur auf einem Gefühl, schränkt der FCU-Trainer ein. «Denn die guten Ergebnisse müssen wir erst noch holen.»
Auf dass die Ustermer in der Rückrunde wie in den Jahren zuvor häufiger punkten mögen als im Herbst.
Uster - FC Schaffhausen 2 3:4 (2:4). – Tore: 5. 0:1. 25. 0:2. 31. 0:3. 40. Trolli 1:3. 45. (+1) 1:4. 45. (+3) Jakovljev 2:4. 61. Centoducato (Foulpenalty) 3:4.