Ihr ist kein Weg zu weit
Vor den NLA-Playouts
Michelle Schär ist Captain bei den Floorball Riders – und sorgt mit ihrem Tempo für Unruhe bei den Gegnerinnen.
Elf Meisterschaftsspiele oder auch fast vier Monate. So lange dauerte die Serie an Niederlagen der NLA-Frauen von Floorball Riders Dürnten-Bubikon-Rüti.
Zum Ende der Qualifikation folgte mit dem 4:3 bei Berner Oberland die Erlösung. «Die positiven Emotionen tun gut», sagt die Siegestorschützin Michelle Schär. Sie sind gerade mit dem Blick auf die anstehenden Playouts gegen Wasa St. Gallen förderlich.
Für den Tabellenletzten ist es eine bekannte Aufgabenstellung. Seit dem Wiederaufstieg im Jahr 2020 zog er jedes Mal erst in den Entscheidungsspielen um den Ligaerhalt den Kopf aus der Schlinge.
Gute Erinnerungen haben die Oberländerinnen da auch an Wasa. Vor zwei Jahren gewannen sie die Best-of-7-Serie nach einem 0:2-Rückstand noch 4:2. Schär war da schon dabei.
Bis 17 im Turnverein
In der Zwischenzeit ist sie noch mehr zu einer Leaderin gewachsen – und führt das Team als Captain aufs Feld. Bei den Riders ist gerade die magere Ausbeute von 37 Toren in 18 Partien augenfällig.
Vieles steht und fällt da mit Schär, die als eine der wenigen Spielerinnen für Unterschiedsmomente in der Offensive sorgt.
«Michelle ist sehr sprintstark und bringt sich so immer wieder in gute Abschlusspositionen», sagt Riders-Sportchef Giovanni Marti. Für ihn ist sie eine der Besten im Physischen in der NLA.
Und Marti ist auch ein Grund, weshalb Schär überhaupt im Zürcher Oberland gelandet ist. Bei einem Erstliga-Spiel gegen Aarau fällt sie ihm auf. Zu seiner Amtsvorgängerin Sarah Altwegg sagt er: «Die musst du holen.» Bald darauf folgt der Wechsel zu den Riders.
Schärs Entwicklung ist insofern beachtlich, weil sie sich erst im Alter von 17 einem Unihockeyklub anschliesst. Sportlich betätigt sie sich bis dahin im Turnverein in ihrem Dorf.

Mittlerweile spielt Schär die vierte Saison bei den Riders. Das ist alles andere als selbstverständlich. Noch immer lebt sie in Hendschiken, einer kleinen Gemeinde im Aargau.
Ein Umzug in die nahe Umgebung des NLA-Vereins kommt für Schär nicht infrage, weil die 25-Jährige in Brugg studiert. Ihr Aufwand ist beträchtlich. Bis zu einer Stunde Anfahrtsweg hat sie nach Rüti – je nach Verkehr.
Die offene Zukunft
Ob sie diese Anstrengungen über die Saison hinaus auf sich nimmt, ist offen. Marti sagt: «Wir wollen Michelle unbedingt halten. Sie wäre ein grosser Backstein für unser Haus.»
Schär legt derweil ihren Fokus auf die am Sonntag beginnenden Playouts. Mit ihrer Zukunft beschäftigt sie sich erst hinterher. Sie sagt aber zumindest: «Mein Weg ist noch nicht fertig. Mit 25 bin ich ja in einem guten Sportlerinnenalter.»
Einen Einfluss auf ihren Entscheid dürfte auch das Auftreten der Riders in der Serie gegen Wasa haben. Schär sagt: «In diesem Verein hat es so viele engagierte Leute. Die Riders gehören vom ganzen Umfeld her in die NLA.»
Eher dagegen sprechen da die nackten Resultate. Nur fünf Punkte holten die Floorball Riders in der gesamten Qualifikation. Also genauso wenige wie in der letzten Meisterschaft. Der erhoffte Entwicklungsschritt nach einem Umbruch im Kader ist ausgeblieben.
Und doch ist da jetzt dieses ersehnte Erfolgserlebnis, welches Mumm gibt. «Es ist der perfekte Zeitpunkt», sagt Schär. Für sie ist klar: «Der Kopf wird in den Playouts entscheiden. Erneut.»