«Das tönt jetzt simpel, war aber extrem hart»
Hinwilerin nach Gewinn von WM-Bronze
Es ist der nächste Höhepunkt in der Karriere von Anja Weber. Die 23-jährige Oberländerin beschreibt im Interview das unvergessliche WM-Bronze-Rennen von Lillehammer (NOR) im Teamsprint.
Sie gewannen zusammen mit Nadine Fähndrich WM-Bronze im Teamsprint. Ihre Gefühle?
Anja Weber: Das ist unglaublich. Die Freude ist riesig, und wie wir unser Wunschdenken in die Realität haben umsetzen können: grossartig.
Realisieren Sie das Erreichte bereits?
Wohl kaum. Es ist alles etwas gar schnell gegangen. Ich kann es schon gar nicht einordnen. Dies ist ein unglaublicher Augenblick.
Gibt es einen Punkt, den Sie hervorheben möchten?
Ich bin stolz, mit Nadine (der WM-Dritten im Einzel-Sprint – die Red.) laufen zu dürfen.
Wie haben Sie Ihre drei harten Runden erlebt?
Meine Aufgabe war für die Startrunde wie für die Abschnitte 3 und 5 klar definiert: mitgehen, aber nicht um alles in der Welt. Ich versuchte dranzubleiben. Das tönt jetzt simpel, war aber extrem hart. Es war eine anspruchsvolle, relativ lange Runde.
Und für Sie handelte es sich um einen ständigen Balanceakt, sich nicht zu übernehmen.
Richtig. Es galt, dreimal auf einem enorm intensiven Level zu performen. Ich bin mit meiner Leistung zufrieden. Ich teilte meine Kräfte geschickt ein und konnte den Rückstand zu den anderen Nationen, die um Rang drei hinter Norwegen und den USA kämpften, einigermassen in Grenzen halten.
Nadine Fähndrich lobte im TV-Interview Ihre Leistung. Sie sagte, Sie hätten es möglich gemacht, dass diese neunte Schweizer WM-Medaille im Langlauf Realität geworden sei. Und ebenso sprach sie von einer doppelten Freude.
Ich gab wirklich alles und war nach meinem dritten Einsatz völlig ausgelaugt. Die Worte von Nadine bedeuten mir sehr viel. Aber für mich ist klar: Nadine hat diese Bronzemedaille mit ihrer exzellenten Schlussrunde möglich gemacht…
Und?
Es ist für mich als erst 23-Jährige grossartig, zu sehen und zu erleben, wie Nadine das Herz auf die Loipe bringt. Und wie sie diesen Teamspirit vorlebt.
Den Freudentag ergänzt die Medaillenfeier am Abend in Trondheim.
Darauf (das Interview wurde nach dem Rennen und der Flower-Zeremonie geführt – die Red.) freue ich mich explizit. Da zeigt sich die unglaubliche Begeisterung der Norweger in einer weiteren Dimension. Und nicht nur im Stadion und an der Strecke während der Rennen. Es ist unbeschreiblich, wenn nochmals rund 20’000 Fans den besten Langläuferinnen und Langläufern bei der Zeremonie zujubeln und sie feiern. Da mittendrin zu stehen, das wird wohl einmalig.