«Fahr keinen Sauber»
Vernichtendes Urteil
Wie schnitt das Hinwiler Sauber-Team in den Tests ab? Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Wie schnell war Sauber an den Vorsaisontests?
Beginnen wir mit Zahlen und Fakten: Drei Tage dauerten die Testfahrten in Bahrain. Die schnellste Zeit fuhr Carlos Sainz im Williams. Am Mittwoch war Gabriel Bortoleto 12. und Nico Hülkenberg 18. (von 20); am Donnerstag belegte das Sauber-Duo in der gleichen Reihenfolge die Plätze 15 und 16 (von 18), am Freitag war Hülkenberg 14. und Bortoleto 17. von 18 Klassierten.
Vergleicht man die Bestzeiten der Teams über alle drei Tage, belegt das Sauber-Duo die Ränge 18 (Bortoleto) und 19 (Hülkenberg). Langsamer war nur Oliver Bearman im Haas.
Punkto Testumfang liegt Sauber mit 354 Runden (1915 Kilometer) an drittletzter Stelle. Ein Hydraulikproblem zwang Bortoleto am letzten Tag ungeplant in die Garage. Am fleissigsten war Mercedes (458 Runden), am wenigsten fuhr Red Bull (304).
Was sagen diese Tests über das Kräfteverhältnis aus?
Nicht sonderlich viel, denn für die Teams geht es nicht um Zeitenjagd, sondern eben darum, ihre Autos zu testen. Vergleichbar sind die reinen Zeiten deshalb eigentlich gar nicht. Man muss in Betracht ziehen, mit welchen Reifen, mit wie viel Kraftstoff und zu welcher Tageszeit die schnellen Runden gefahren wurden – und ob die Motoren zwecks Schonung nicht bis aufs Äusserste getrieben wurden.
Deshalb wissen wohl nur die Teams selber, woran sie wirklich sind. Und auch das nur bedingt. Denn für manche geht es auch darum, ihr Potenzial bis zum letzten Moment zu verbergen.
Wie beurteilen Experten das neue Sauber-Auto?
Die Beobachter der Szene sind sich einig. Viele sehen den C45 dort, wo sein Vorgängermodell war: eher am Ende des Feldes. Sehr freundlich sind die Worte nicht, die Fachjournalisten und Experten finden.
«Der wichtigste Ratschlag lautet: Fahr keinen Sauber», schreibt ein Journalist auf the-race.com. Das Auto wirke steif und unruhig zu fahren, «der Sauber sieht zwar nicht meilenweit abgeschlagen aus, aber auch nicht wie eine grosse Bedrohung im Mittelfeld».
Ein ehemaliger Designer von Formel-1-Autos schreibt in einem Artikel auf demselben Portal unter dem Titel «Das schreit nicht gerade nach Fortschritt»: «Ich hoffe für Sauber, dass ich falsch liege, aber ich sehe an diesem Auto nichts, das nach einem Schritt nach vorn aussieht.»
Und «motorsport-total.com» glaubt zu wissen: «Sauber bildet derzeit das Schlusslicht – und das mit relativ deutlichem Abstand.»
Was sagt das Team selber?
Der Technische Direktor James Key spricht in der Medienmitteilung des Teams von einem produktiven Test. Man habe alles wie geplant absolvieren können. «Wie üblich in den Tests lag der Fokus nicht auf den Rundenzeiten. Jedes Team folgt seinen eigenen Prioritäten und Checklisten. Wir werden bis zum Saisonstart warten müssen, um ein klareres Bild der Konkurrenz zu erhalten.» Man habe aber «eine ordentliche, konstante Leistung abgeliefert».
Etwas konkreter wird Nico Hülkenberg gegenüber motorsport-total.com: «Wir haben noch Arbeit vor uns, aber das war zu erwarten, wenn man bedenkt, wo das Team im vergangenen Jahr stand.» Der deutsche Routinier gibt sich aber sehr gelassen. «Nach all den Jahren, die ich nun dabei bin, vergleiche ich in den Tests keine Rundenzeiten mehr und schaue auch nicht auf die Konkurrenz.»
Spekulieren mag Hülkenberg nicht: «Unsere Ausgangsbasis war nicht überragend, wir hatten definitiv mit einigen Herausforderungen zu kämpfen. Aber zeigt mir einen Fahrer, der nach den Tests restlos zufrieden ist – ich glaube, den gibt es nicht.»