Uster geht vorneweg – und bald gibt es die Länderspiel-Premiere
Futsal in der Region
Weltstars haben die Grundlagen ihrer Karriere im Futsal gelegt. In der Schweiz fristet der Hallenfussball dennoch ein Schattendasein. Nun will ihn der FC Uster als erster Klub aus der Region nachhaltig etablieren.
Dass er es noch immer draufhat, zeigte Usters Philipp Bünter letzte Saison. Zweimal half er beim FCU in der 2. Liga interregional als Goalie aus – und ging jeweils als Sieger vom Platz.
Es waren Ausnahmeauftritte auf dem Fussballrasen bei den Aktiven. Doch auf dem kleinen Feld ist Bünter mit 42 noch immer unterwegs – und dies als Feldspieler. Er sagt: «Ich gehe da nur noch zur Not ins Tor.»
Der Ur-Ustermer spielt während der Winterpause regelmässig Futsal. Also Hallenfussball ohne Bande, dafür mit einem kleineren, sprungreduzierten Ball. Technisch gute Fussballer sind hier im Vorteil, Tacklings werden geahndet. Wer zu viel foult, wird mit einem Penalty bestraft. «Futsal ist taktisch extrem interessant. Selbst ich kann im hohen Alter noch einiges lernen», findet Bünter.
Der Sport hat seine Wurzeln in Südamerika. Aus Europa zählen Spanien und Portugal zur Spitze. Fussballgrössen wie Pelé, Luís Figo oder Xavi sollen sich im Futsal ihr technisches Rüstzeug und ihre Behändigkeit für die spätere Weltkarriere geholt haben.
«Futsal ist das beste Instrument, um Fussballer besser zu machen», findet der ehemalige Erstliga-Spieler Fabio Santona, der im Schweizer Futsal verschiedene Funktionen innehat. Weitaus weniger Raum steht den Spielern zur Verfügung, sodass ständig schnelle Entscheidungen nötig sind.
Spitzenteams in Romandie
In der Schweiz gibt es bereits seit 2006 eine Meisterschaft. Die Entwicklung verläuft dennoch schleppend. Derzeit sind bei den Aktiven 86 Teams auf drei Ligen verteilt gemeldet. Die besten Mannschaften kommen grösstenteils aus der Romandie.
International gesehen spielt die Schweiz gar keine Rolle. Für das Nationalteam ist der Sprung an eine Endrunde weit weg. Unlängst zahlte die Weltnummer 119 in der EM-Qualifikation gegen Spanien (0:9) und Bosnien-Herzegowina (1:10) Lehrgeld.
Vor einigen Jahren versuchte der damals in Uster lebende Jörg Meinhardt den Futsal-Sport im deutschsprachigen Raum bekannter zu machen. Er gab einen Futsal-Ratgeber in Buchform heraus und sprach bei Verbänden und Klubs vor.
An den Uster Games vorgespielt
So auch in Uster. Zu mehr als einem Präsentationsspiel zwischen dem FCU und Rot Weiss Winikon im Rahmen der Uster Games von 2016 kam es aber nicht.
Mittlerweile lebt Meinhardt wieder in Berlin, wo er einst einen Futsal-Verein mitgegründet hatte. «Kaum ein Klub hat das Potenzial erkannt», erinnert sich Meinhardt an die Zeit in der Schweiz zurück. Dem Futsal-Sport hat er mittlerweile den Rücken zugewendet.
Stattdessen engagiert er sich in der Politik. Meinhardt ist in der Partei Bündnis Sahra Wagenknecht, wo er in Berlin als einer von mehreren Landesgeschäftsführern der polarisierenden deutschen Bundestagsabgeordneten fungiert.

Meinhardt freut sich aber darüber, dass beim FC Uster Futsal gespielt wird. Als einziger Verein in der Region stellt er derzeit auf Stufe 1. Liga eine Mannschaft bei den Aktiven. Dazu kommen C- und D-Juniorenteams.
«Wir wollen allen, die gerne in der Halle spielen, etwas bieten», sagt Philipp Bünter. Der 42-Jährige, im Vorstand als Leiter Aktive in der Verantwortung, ist um Nachhaltigkeit bemüht. Auf diese Saison hin verpflichtete der Verein mit Miguel Martín einen arrivierten Futsal-Coach, der schon auf höchster Ebene erfolgreich Teams betreut hatte.
So gut wie noch nie
Und ein Ertrag ist bereits sichtbar. Erstmals seit dem Start 2020 holte der FCU den Gruppensieg – und spielt Anfang März in Genf um den Aufstieg in die Second League.
Auffällig dabei: Im Team steht derzeit kein einziger Ustermer Fussballer aus dem Interregio-Kader. Bekanntester Akteur ist Denis Dzepo. Der frühere FCU-Stürmer läuft mittlerweile für Brüttisellen-Dietlikon in der 2. Liga auf.

Dafür haben mit Trainer Martín einige Spieler mit portugiesischen Wurzeln nach Uster gefunden. Ein kleiner Teil davon konzentriert sich sogar ganz aufs Futsal. Trainiert wird mindestens einmal in der Woche.
Die eingeschränkten Hallenkapazitäten sind in vielen Vereinen im Alltag ein Knackpunkt. Genauso wie der Umstand, dass die Vereine pro Futsal-Team einen Schiedsrichter stellen müssen.
Janez Janzekovic, Futsal-Verantwortlicher beim Fussballverband Region Zürich, kennt die Problemstellen. Für ihn ist der FC Uster aber ein gutes Beispiel. Nur schon deshalb, weil dieser den Nachwuchs beim Aufbau der Abteilung bewusst miteinbezieht.
Wildes Wachstum und Plausch
In der noch jungen Geschichte hatten sich immer wieder Futsal-Teams gebildet, die ebenso schnell von der Bildfläche verschwanden. Diese Mischung aus wildem Wachstum und Plausch ist auch ein Grund für die sportliche und quantitative Stagnation.
Zuversichtlich stimmt Funktionär Janzekovic der Trend im Junioren-Futsal, in dem mittlerweile aus der Region neben Uster auch Fehraltorf, Pfäffikon und Volketswil schon Teams gebildet haben.
Auch im Schweizerischen Fussballverband hat sich in den letzten Jahren einiges getan, um Futsal zu etablieren. Er investiert seit einiger Zeit in die Ausbildung. Neue Strukturen und Wettbewerbe wurden geschaffen. Gerade in der Swiss League der Frauen bewegen sich viele ehemalige Spitzenspielerinnen. «Die Frauen sind dem Futsal wesentlich zugänglicher eingestellt», findet Janzekovic.
Eine Premiere in Winterthur
Erfreulich auch: Beim erwähnten Qualifikationsspiel gegen Spanien sorgten die 1650 Fans in Bern sogar für eine Rekordkulisse.
Ganz so viele dürften am 6. März wohl nicht nach Winterthur kommen. Dann findet erstmals ein Länderspiel im Kanton Zürich statt. Für Mitorganisator Janzekovic ist es dennoch ein nächster kleiner Meilenstein in der Entwicklung.
