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Wie ein TV-Macher aus Esslingen die Cricket-Welt erobert

Der Esslinger Roger Feiner gilt in der Schweiz als Sport-TV-Pionier. Heute begeistert er mit eigenen Cricket-Turnieren Millionen von Indern.

Roger Feiner hat aus dem europäischen Cricket innert sieben Jahren ein Millionen-Business gemacht.

Foto: Simon Grässle

Wie ein TV-Macher aus Esslingen die Cricket-Welt erobert

Zweitpopulärste Sportart der Welt

Mit dem Aufbau von Teleclub und Mysports hat Roger Feiner das Sport-TV-Geschäft in der Schweiz revolutioniert. Doch Fussball und Eishockey waren gestern. Heute organisiert er von Maur aus bis zu 1800 Cricket-Spiele jährlich – für ein Millionenpublikum auf der ganzen Welt.

Am 6. Oktober 2017 erscheint im «Tages-Anzeiger» ein kleiner Artikel, keine 1500 Zeichen lang. Unter dem Titel «Mysports verliert Schlüsselfigur» steht da, dass Roger Feiner, der den Eishockey-TV-Kanal aufgebaut hat, seine Kündigung eingereicht habe – nur vier Wochen nach Sendestart.

Es ist für fast sechs Jahre die letzte mediale Notiz, die sich in der schweizerischen Mediendatenbank SMD vom Juristen findet. Zuvor war sein Name in schöner Regelmässigkeit in der Öffentlichkeit gefallen. Als Chef der Sportsparte von Teleclub und später Mysports galt er im Sportgeschäft als wichtiger Player.

Im August 2023 folgen plötzlich ein paar wenige Zeilen in der Maurmer Dorfzeitung. Roger Feiner habe erfolgreich eine europäische Cricket Champions League lanciert, deren Premiere 145 Millionen Zuschauer am TV beigewohnt hätten. Nun habe er den Hauptsitz in die Gemeinde verlegt.

Danach folgt medial erneut – nichts. Bis heute. Und man fragt sich zwangsläufig: Was ist da passiert?

Um das herauszufinden, fahren wir an die Aeschstrasse 1 in der Forch. Hier, in einem Bürokomplex mitten im aufgeräumten Wohnquartier, ist die European Cricket League eingemietet.

Die Aeschstrasse in Maur.
An der Aeschstrasse 1 (links) hat sich einer der wichtigsten Player im weltweiten Cricket-Sport eingemietet.

Bei der ersten Kontaktaufnahme am Telefon hatte Feiner eine «spezielle Geschichte» angekündigt. Nun empfängt uns der 60-Jährige im Sitzungszimmer im ersten Stock, um zu liefern.

Er sagt: «Ich hatte wieder einmal das Privileg, dass mir etwas vor die Füsse gefallen ist, bei dem ich etwas Neues aufbauen konnte.» Und strahlt dabei spürbar Elan und Freude aus.

Ein wegweisender Abend in St. Moritz

Es sind Gefühle, die ihm vor gut acht Jahren abhandengekommen sind. Als er Mysports im Oktober 2017 wegen internen Unstimmigkeiten verlässt, will er sich zum ersten Mal in seiner Karriere eine berufliche Auszeit nehmen.

Zum Ende des Jahrs fragt ihn ein Freund, ob er ihm eine Live-TV-Produktion für ein Legendenturnier auf dem St. Moritzersee orchestrieren möge. Die Sportart? Cricket. Die Spieler? Ausschliesslich aus Staaten des Commonwealth.

Roger Feiner gilt als eine der zentralen Figuren in der Entwicklung der Schweizer Sport-TV-Landschaft. In den 1990er-Jahren leitete der studierte Jurist für die SRG SSR Sport Division die Rechte- und Marketing-Abteilung (u.a. Formel 1, Olympische Spiele, Ski, Fussball, Eishockey). Über die Jahrtausendwende war er als Direktor Broadcasting bei der FIFA unter anderem für die Übertragung und Vermarktung der TV-Rechte zur WM in Südkorea und Japan zuständig.

Ab 2005 gründete er beim Pay-TV-Sender Teleclub (heute Blue Sport) in Volketswil den Sport-Programmteil mit Live-Übertragungen der Super League im Fussball und der National League im Eishockey auf. Ein Meilenstein, der das Geschäftsmodell der beiden grössten Publikumssportarten nachhaltig veränderte.

Zehn Jahre lang stand er Teleclub als Sportchef vor, ehe er 2015 von Bord ging und zu UPC nach Erlenbach wechselte. Für den Telekommunikationsriesen baute er danach den Sport-Sender Mysports auf, der Teleclub die TV-Rechte an der National League ab 2017 abjagte. Im Oktober 2017 verliess er das Unternehmen.

Der heute 60-jährige passionierte Tennisspieler (einst die Nummer 30 der Schweiz) wuchs in der Stadt Zürich auf und wohnte lange in Pfaffhausen und Ebmatingen. Heute lebt er mit seiner Frau und seinen drei Töchtern in Esslingen. (mmu)

Obschon Feiner weder die Disziplin noch die Figuren kennt, sagt er zu – und staunt. Der mehrtägige Event im Februar 2018 erreicht in der ganzen Welt insgesamt 120 Millionen Zuschauer. Ohne dass es sportlich um irgendetwas ginge.

Beim abschliessenden Dinner lernt er das Who is who der Cricket-Welt kennen. Neben zig Prominenten trifft er dabei auch einen gewissen Daniel Weston. Der in Deutschland lebende Australier verdient sein Geld in der Finanzbranche und ist ein leidenschaftlicher Cricket-Spieler.

Weston hat in seiner Wahlheimat bereits auf eigene Faust «German Cricket TV» etabliert, einen Facebook-Kanal, auf dem er und zwei Kollegen Spiele der deutschen Liga mit mobilen Gopro-Kameras filmen. Der Kanal hat schon zu jenem Zeitpunkt fast eine Million Abonnenten.

Die ECL-Gründer Roger Feiner (li.) und Daniel Weston mit dem Pokal der European Cricket Championship anlässlich der ersten Austragung im Oktober 2021.
Die ECL-Gründer Roger Feiner (links) und Daniel Weston präsentieren den Pokal für den Europameister.

Im Gespräch erzählt er von seiner Vision, eine europäische Champions League zu lancieren. Dabei gelingt es ihm, sein Gegenüber zu begeistern. Feiner, der aus seiner langen Karriere weiss, wie man TV-Sport organisiert und vermarktet, erkennt das Potenzial.

Er sagt: «Cricket gilt neben Basketball als zweitpopulärste Sportart der Welt. Neben Grossbritannien, Australien und Südafrika ist es insbesondere in den bevölkerungsreichen südasiatischen Staaten Indien, Pakistan und Bangladesch extrem populär.»

Sechs Monate später gründet das Duo die European Cricket League AG (ECL) in Zug. Wobei es dank Feiners hervorragendem Netzwerk gelingt, mit Thomas Klooz und Frank Leenders zwei Schwergewichte für den Verwaltungsrat zu gewinnen.

Ersterer hatte mit seiner Firma «Team Marketing AG» in den frühen 1990er Jahren die Uefa Champions League erfunden und jahrzehntelang vermarktet. Letzterer ist Generaldirektor Marketing und Vorstandsmitglied des internationalen Basketballverbands.

Eine erfolgreiche Premiere, aber…

Dabei beginnen Feiner, der den Posten als CEO übernimmt, und sein Geschäftspartner Weston auf der grünen Wiese. Es gilt ein Logo und den Auftritt zu kreieren, Landesverbände unter Vertrag zu nehmen, Gelder und Investoren zu akquirieren, einen Spielort und TV-Vertriebskanäle zu suchen. Die Liste liesse sich noch beliebig erweitern.

Im Sommer 2019 findet tatsächlich die erste Champions League statt – «in einem professionellen Look», wie Feiner betont. Im spanischen Murcia treffen sich die Meister aus acht Ländern, um den Sieger der European Cricket League zu ermitteln.

Und wieder gelingt es, die Menschenmassen in den Cricket-verrückten Regionen an die Bildschirme zu fesseln: Das dreitägige Turnier mit 16 Partien erreicht 145 Millionen Menschen.

Der Erfolg bestätigt die Macher. Nur: «Wir hatten rund eine Million investiert und dachten, dass es jetzt richtig losgeht. Aber plötzlich merkten wir, dass niemand auf uns gewartet hat.»

Ein Cricketspieler schlägt den Ball im Rahmen der European Cricket Championship in Malaga im September 2024.
In allererster Linie ein TV-Event: Cricket-Batter anlässlich der Europameisterschaft 2024.

Dementsprechend schwierig gestaltet sich die Suche nach Partner und Sponsoren. Insbesondere in Europa stossen sie auf Skepsis. Feiner und Weston reisen folglich nach Indien, putzen Klinken und präsentieren ihre Konzepte. Fündig werden sie beim Fantasy-Sportanbieter «Dream11» in Mumbai.

Die Betreiber der Plattform, die da bereits mehr als 100 Millionen Abonnentinnen und Abonnenten zählt, erklären sich Ende 2019 bereit, einzusteigen. Im Gegenzug verlangen sie ein Minimum von jährlich 320 Spielen, auf die ihre User innerhalb der Applikation sogenannte In-Game-Wetten platzieren können.

«Die Erleichterung über den Deal war gross», erinnert sich Feiner. «Gleichzeitig fragten wir uns: Wie um Himmels willen sollen wir 320 Spiele produzieren?»

Die Lösung ortet das Duo in der Erweiterung unter der Dachmarke European Cricket. Mit einer Europameisterschaft der Nationen, der European Cricket Championship (ECC), und nationalen Klubturnieren im Rahmen der sogenannten European Cricket Series (ECS).

Während die Euro einmal jährlich an einem festen Standort stattfinden soll, sind Letztere laufend in den jeweiligen Ländern vorgesehen. «Damit bieten wir den europäischen Klubs, die in ihrem Land kaum öffentliche Präsenz geniessen, eine grosse TV-Bühne», erklärt Feiner.

Covid als Glücksfall

Das Jahr 2020 wird schliesslich zum Bruch-Jahr – in doppelter Hinsicht. Ein erstes nationales Turnier in Alicante kann noch gespielt werden, dann kommt es mit dem Eintreten der Covid-Pandemie zum Abbruch.

Weil die Organisation ihren Betrieb herunterfahren muss, gründet Feiner eine firmeneigene Content-Plattform: das European Cricket Network (ECN). Bestückt wird sie vorderhand mit Interviews und Highlights. Es gilt, das Projekt am Leben zu halten und Chancen zu nutzen.

Eine solche bietet sich im Frühsommer in Schweden. Das Land hat zu jenem Zeitpunkt ein relativ lockeres Massnahmenregime und bietet sich somit für ein ECS-Turnier an.

Doch das Vorhaben scheitert. Wegen kurzfristigen Restriktionsanpassungen muss der Event abgesagt werden. Das Material, die Teams, die TV-Crew: Alles ist bereits im Nachbarland Finnland, darf aber nicht über die Grenze transportiert werden.

Da öffnet unverhofft der Zufall in Form einer finnischen Massnahmenlockerung ein Fenster: Das Turnier kann jetzt in Helsinki gespielt werden – und wird zum Durchbruch.

In einer Welt, in der in Sachen Events kaum mehr etwas passiert, kann Feiner Cricket organisieren und Live-TV produzieren. Schliesslich ist das Produkt nicht auf Zuschauer angewiesen, und dank dem weitläufigen Spielfeld und dem fehlenden Körperkontakt wie dafür gemacht, um auch unter Covid-Auflagen zu spielen.

«Seit diesem Turnier spielen wir bis heute durch», sagt Roger Feiner. «Covid ist für uns zum Glücksfall geworden.»

Aus 320 Spielen werden 1800

Aus diesem Glücksfall ist in den letzten fünf Jahren ein Unternehmen mit beeindruckenden Dimensionen erwachsen. European Cricket hat heute 33 europäische Landesverbände unter Vertrag – darunter auch die Schweiz – und ist vom internationalen Cricket-Verband ICC anerkannt worden.

Zu der ursprünglichen Champions League sind eine jährliche Europameisterschaft (ECC) und eine Europameisterschaft der Frauen (ECCW) hinzugekommen. In diesem Februar wird zudem erstmals das Weston Shield-Turnier ausgetragen, bei dem Auswahlen aus verschiedenen Weltregionen gegeneinander antreten.

Für all diese sogenannten «Flagship-Events» unterhält die Organisation ein Spielfeld mit fester Infrastruktur – das Catama Oval im spanischen Malaga. Hier lassen sich nicht nur Publikumsaufmärsche von bis zu 1000 Personen managen und VIP-Gäste betreuen. Die geografische Lage ermöglicht es auch in den Jahreszeiten zu spielen, in denen es in den anderen Teilen von Europa nicht möglich ist.

Frau spielt Cricket an der Frauen-Euro 2024 in Malaga.
Die Erweiterung bringt immer neue Turniere: Frauen-Europameisterschaft 2024 in Malaga.

Das ist insofern von Relevanz, als dass der Betrieb inzwischen das ganze Jahr umfasst. Dank den nationalen Turnieren der European Cricket Series in den verschiedenen Ländern, ist kaum mehr ein Tag Cricket-frei.

Bei diesen spielen die anwesenden Zuschauer so gut wie keine Rolle – nicht selten sind die Akteure sogar unter sich. Wichtig ist dagegen, dass permanent bewegte Cricket-Bilder produziert werden.

Dazu haben die Macher mit dem Segen des internationalen Verbands ein eigenes Spielformat entwickelt: Das T10-Cricket, das die Spielzeit einer Partie auf TV-taugliche 2 Stunden reduziert (siehe Box) und die Möglichkeit bietet, die Anzahl der Matches zu erhöhen.

Cricket stammt ursprünglich aus England und hat insbesondere in den Staaten des Commonwealth – von Ozeanien über Südasien bis in die Karibik – einen sehr hohen Stellenwert. In den bevölkerungsreichen ehemaligen Kolonien Indien und Pakistan gilt Cricket sogar als Nationalsport, der globale Markt umfasst deshalb rund 2,5 Milliarden Menschen.

Das Spiel selbst ähnelt im weitesten Sinne dem Baseball. Dabei treten zwei Mannschaften mit jeweils elf Spielern gegeneinander an. Das angreifende Team schickt dabei zwei Schlagmännner aufs Feld, die versuchen, den Ball mit einem Schläger zu treffen. Die verteidigende Equipe versucht dagegen den Ball zu fangen oder eines der beiden Wickets zu treffen. Diese bestehen aus drei senkrechten Stumps und zwei kleineren, vertikalen Hölzern, den Bails. Durch Laufen zwischen diesen Wickets sammeln die beiden Schlagmänner Runs. Am Ende gewinnt die Mannschaft mit den meisten Runs.

Es gibt dabei verschiedene Spielformate: Das sogenannte Test-Cricket, kann mehrere Tage dauern. ODI-Spiele (One Day Internationals) dauern rund 8 Stunden und T20-Cricket rund 4 Stunden. Das T10-Cricket, das bei den Turnieren der European Cricket League gespielt wird, ist noch kürzer: Es dauert nur knapp 2 Stunden. Grundsätzlich gilt: Je länger das Format, desto taktischer – je kürzer, desto actionreicher.

In der Schweiz fristet Cricket, ähnlich wie in den meisten europäischen Nationen, ein Nischendasein. Der Verband Cricket Switzerland ist Mitglied von Swiss Olympic, besteht aus 45 Teams und 1298 Spielerinnen und Spieler. In der höchsten Liga, der Swiss Cricket Premium League, nehmen neun Mannschaften zwischen Genf und Zürich teil. Amtierender Meister sind die Nomads Embrach. Praktisch alle Akteure haben einen angelsächsischen oder südasiatischen Hintergrund. (mmu)

Die Zielgrösse von 320 Spielen, die man einst dem Fantasy-Sportanbieter «Dream11» versprochen hat, ist längst übertroffen. «2024 haben wir über den ganzen Kontinent verteilt fast 1800 Partien ausgetragen», erklärt Feiner. «Das bedeutet, dass wir täglich etwas mehr als zehn Stunden live senden. In der Summe deckt European Cricket nunmehr die Hälfte der globalen Cricket-TV-Programme ab.»

Schwindelerregende Zahlen aus Indien

Diese Programme, die eine mobile TV-Crew aus Lettland einfängt und produziert, finden ihren Weg in mehr als die halbe Welt. Dank der TV-Verträge, die Feiner abgeschlossen hat, sind sie in fast allen Staaten in Europa, ganz Nordamerika, einem Grossteil von Südamerika, Afrika, dem Nahen Osten, Ozeanien und natürlich in der Cricket-Hochburg Indien zu sehen.

Ein ECS Cricket-Turnier in St. Gallen. Im Hintergrund die Kybun-Arena des FC. St Gallen.
Am Turnier in St. Gallen bleibt die Tribüne leer. Doch an den TV-Bildschirmen schauen Millionen zu.

«Indien ist mit seinen 1,4 Milliarden Menschen der wichtigste Cricket-Markt der Welt», betont der CEO. «70 Prozent unserer Zusehenden kommen aus diesem einen Land.»

Die Zahlen, die er aus diesem Markt präsentiert, sind denn auch schwindelerregend. So hat der Partner «Dream11» mit seinen Wettangeboten sechs Jahre nach dem Start der ECL mehr als 234 Millionen Abonnenten. Während eines Top-Events befassen sich pro Spiel rund 10,5 Millionen Menschen damit – wofür European Cricket seinerseits in Echtzeit alle Statistikdaten liefert.

Gleichzeitig verfügt «Dream11» über einen eigenen Sport-TV-Kanal mit dem Namen «Fancode», den mehr als 110 Millionen Abonnenten nutzen. Von diesen schauen sich täglich bis zu 25 Millionen europäisches Live-Cricket an, wobei ein Grossteil dazu in der «Dream11»-App interagiert.

Zur Einordnung: Das letztjährige Viertelfinalspiel an der Fussball-EM zwischen der Schweiz und England haben hierzulande 1,77 Millionen Menschen gesehen.

Die Gefahr des organisierten Verbrechens

Das grosse Wachstum, das das Unternehmen in nur kurzer Zeit durchlebt hat, bringt selbstredend auch Herausforderungen mit sich. Eine der grössten ist die Aufrechterhaltung der Integrität: Die riesige Anzahl Spiele und der Umstand, dass es sich beim überwältigenden Grossteil der Akteure um Amateure handelt, erhöht die Gefahr von organisiertem Wettbetrug.

Um dieser zu begegnen, hat European Cricket drei ehemalige Scotland-Yard-Mitarbeiter angestellt, die quer über den Kontinent jetten. An jeder Partie kontrollieren zwei von ihnen das Geschehen vor Ort.

Darüber hinaus arbeitet die Organisation mit einer KI-basierten Software, die alle bisher gespielten Partien und das Verhalten jedes einzelnen Spielers analysiert hat. Sobald einer von seinem individuellen Muster abweicht, schlägt das Programm Alarm.

«Diese Massnahmen kosten zwar eine schöne Stange Geld», bestätigt Roger Feiner. «Doch davon hängt unsere Anerkennung durch den internationalen Cricket-Verband ab. Und die ist für uns überlebenswichtig.»

Roger Feiner erklärt an einer Tafel in seinem Büro, wie die Spielformate im Cricket funktionieren.
Roger Feiner erklärt Cricket: «Es ist zweifelsohne das grösste Projekt, das ich je realisiert habe.»

Tatsächlich liegt hier die zweite grosse Herausforderung: die Finanzierung. Die Firma mag zwar mit einem stattlichen Budget von knapp 13 Millionen Franken operieren. Doch weil sie sich in einer permanenten Wachstumsphase befindet, müssen die Einnahmen reinvestiert werden.

Es gilt etwa die aus Feiners Sicht «äusserst vielversprechende» Frauensparte auszubauen, die Verbreitung des Sports zu fördern und sich noch intensiver im Social-Media-Bereich zu engagieren.

Ausserdem fallen neben den Betriebs- und Produktions- auch beträchtliche Lohnkosten an. Heute mandatiert European Cricket mehr als 60 Personen. Zehn davon arbeiten festangestellt am Hauptsitz an der Aeschstrasse in Maur, den Feiner 2023 auch wegen der Nähe zu seinem Wohnort in Esslingen ausgewählt hat.

Indien-Ableger weibeln für Sponsoring

Doch Roger Feiner ist optimistisch. Die Sponsorensuche sei zwar insbesondere im Westen nicht einfach. Doch je länger das Produkt an den grossen Märkten der Cricket-Welt präsent sei, desto mehr steigen die Chancen, international agierende Marken zu gewinnen.

Kürzlich konnte er Verträge mit den Schweizer Traditionsunternehmen Victorinox und Rado abschliessen. Bei beiden hätten die indischen Ableger bei ihren Zentralen für ein Engagement geweibelt.

«Es ist zweifelsohne das grösste Projekt, das ich je realisiert habe», rekapituliert Roger Feiner. Und er müsse jeweils schon schmunzeln, wenn ihn, den früheren Fussball- und Eishockey-Mann, hierzulande wieder jemand ungläubig frage, ob er denn vom Cricket leben könne. Obschon: Reich sei er mit Cricket auch noch nicht geworden.

Ein Schelm, wer sich jetzt denkt, dass sich das noch ändern könnte.

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