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Eigentlich würde er lieber noch spielen

Dübendorfs langjähriger Verteidiger Fabian Hurter wechselte auf diese Saison hin hinter die Bande und ist nun Assistenzcoach. Nicht ganz freiwillig.

Der EHCD ist für ihn das dritte Zuhause – unterdessen hat Fabian Hurter vom Eis in den Trainerstab gewechselt.

Foto: Christian Merz

Eigentlich würde er lieber noch spielen

EHCD-Assistenzcoach Fabian Hurter

Dübendorfs langjähriger Verteidiger Fabian Hurter wechselte auf diese Saison hin hinter die Bande. Nicht ganz freiwillig. Aber der EHCD ist für ihn ein Zuhause.

«Gehofft hatte ich noch lange. Und ganz aufgegeben habe ich es noch immer nicht.» Fabian Hurter sitzt am Samstag vor dem Spiel gegen Seewen in der Bar des Dübendorfer Chreis. Seit dieser Saison ist der 37-Jährige Assistenztrainer im EHCD, und im Normalfall wäre er zu diesem Zeitpunkt im Kraftraum, während sich die Spieler auf dem Eis aufwärmen.

Hurter will fit bleiben, falls es ihn doch noch einmal auf dem Eis braucht – oder ganz einfach für ein Abschiedsspiel. Sofern sein Körper das dann auch zulässt. «Ich bin vielleicht nicht der Schnellste, aber die Übersicht, die Pässe, das Stellungsspiel – das kann dir niemand klauen», sagt Hurter.

So ganz freiwillig war der Wechsel vom Eis hinter die Bande nicht. In der letzten Saison stand Hurters Name nur gerade in drei Spielen auf dem Matchblatt; im Jahr zuvor brachte er es auf lediglich 13 Spiele. Probleme mit einer angerissenen Patellasehne am Knie, eine Operation und Hüftprobleme sorgten dafür, dass der routinierte Verteidiger meistens fehlte.

«Ich habe gemerkt, dass ich reduzieren muss. Wenn ich spiele, dann richtig. Auf Halbgas geht es nicht.» Und wirklich mit Vollgas ging es eben auch nicht. Die vereinzelten Einsätze in der letzten Saison waren eher «fürs Gemüt».

Entweder ganz oder gar nicht

Die Anfrage von Trainer Reto Stirnimann und Sportchef Urs Wüst, ob er den abtretenden Paul Berri als Assistenztrainer beerben wolle, kam da letzten Sommer wohl gerade im rechten Moment. Und das, obwohl er nie den Plan hegte, eine Trainerkarriere einzuschlagen. Auch wenn er sich unterdessen mit dem Gedanken beschäftigt, Kurse zu besuchen. «Für mich war die Frage eher: Mache ich überhaupt noch weiter, oder höre ich ganz auf?» Kleiner ist der Aufwand für ihn nicht geworden, «und ich bin fast immer mit dabei».

Entweder ganz oder gar nicht, so funktioniert Hurter. Und ein Leben ganz ohne den EHC Dübendorf kann er sich derzeit offenbar noch gar nicht vorstellen. Den EHCD nennt er sein drittes Zuhause – nach der Familie mit den drei Töchtern und der Arbeit als Sanitär-Servicetechniker. 179 Spiele hat er im EHCD-Dress absolviert. «Es ist alles sehr familiär hier», sagt er. Captain Dominik Hardmeier beschreibt ihn als offenen und lustigen Menschen. «Er kommt immer mit einem Lächeln ins Training und hat Freude, dass er mit uns aufs Eis kommen kann. Das war schon als Spieler so.»

Früher war der EHCD für Hurter allerdings kein Teil der Familie – sondern ein grosser Rivale. Hurter stand lange beim EHC Winterthur unter Vertrag. Mit den Winterthurern stieg er in die NLB auf und spielte danach noch zwei Jahre auf zweithöchster Stufe weiter, bis er zum ehemaligen Derbygegner Dübendorf stiess.

Über Jahre hatte sich Winterthur mit dem EHCD duelliert an der Spitze der Erstliga-Ostgruppe, als diese noch die höchste Amateurstufe darstellte. Regelmässig lockten diese Derbys um die 1000 Zuschauer an – und Hurter gibt unumwunden zu, dass er sich fragte: «Was ist denn hier los?», als er erstmals für Dübendorf spielte und die Zuschauerkulisse an einem Heimspiel nur einen Bruchteil davon betrug.

Mit Derbys gegen Wetzikon – am Mittwoch findet im Chreis das vierte der Saison statt – hat Hurter als Spieler kaum Erfahrung; zu lange waren die beiden regionalen Rivalen nicht mehr in derselben Liga. «Das Derbyfeeling hat sich aber sowieso in den vergangenen Jahren verändert», findet er, «es ist einiges verloren gegangen.»

Hurter macht das daran fest, dass früher mehr Spieler länger am selben Ort geblieben sind und die Verbundenheit mit den Klubs allgemein grösser war. «So konnte eine Rivalität heranwachsen.» Auch die Tatsache, dass viele Spieler sich aus dem Nachwuchs kennen, spielt eine Rolle. Hurter formuliert es plakativ: «Man kann sich gegenseitig nie gleich über den Haufen fahren, wie wenn man sich nicht kennt.»

Der ruhige Wilde

Dazu muss man aber auch sagen: Hurter ist zwar mit seinem langen Bart eine durchaus wilde Erscheinung – aber auf dem Eis gehörte er nicht zu den Heissspornen, die verbal oder punkto Härte überbordeten. Der Strafenkönig oder der grosse Trashtalker war er nie. «Ich bin eigentlich ein ruhiger Typ», sagt er.

Das gilt auch für seine Rolle als Assistent. Als Bindeglied zwischen Chefcoach Stirnimann und dem Team sieht er sich – «es geht sicher darum, Energie hineinzubringen und Tipps und Tricks weiterzugeben. Aber ich bin grundsätzlich nicht der, der viel redet. Sondern ich gebe meine Beobachtungen weiter an Reto. Die Ansprachen in der Kabine hält er.»

Laut werden kann Hurter jedoch durchaus – aber sehr situativ und dann sehr bewusst. «Zum Anheizen kann das einmal passen. Aber aus Wut gegenüber den Spielern laut zu werden, das ist kontraproduktiv.» Captain Hardmeier findet: «Er weiss, wann er Lockerheit reinbringen muss und wann Ernsthaftigkeit gefragt ist.» Es klingt nach einer gesunden Mischung.

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