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Wo das Problem der Ustermer Handballerinnen liegt

Die Frauen des TV Uster liegen in der SPL2 am Tabellenende. Der Aufsteiger kann den Ligerhalt noch aus eigener Kraft schaffen – doch dafür muss er viel effizienter werden.

Samira Schardt gehört zu den Schlüsselspielerinnen in Uster – doch sie fiel zeitweise verletzt aus.

Foto: Robert Pfiffner

Wo das Problem der Ustermer Handballerinnen liegt

Ustermerinnen kämpfen gegen Abstieg

Die Frauen des TV Uster liegen nach der Qualifikation in der SPL2 am Tabellenende. Der Aufsteiger kann den Ligerhalt noch aus eigener Kraft schaffen – doch dafür muss er viel effizienter werden.

Wie geht man mit Niederlagen um? Das konnten die Frauen des TV Uster in dieser Saison bisher hinlänglich üben. Laura Ussia, spielende Co-Trainerin, sagt: «Hinfallen, aufstehen, die Krone richten – und weiterkämpfen. So kommt es mir vor. Manchmal dauert es einen Moment, bis der Kopf wieder aus dem Sand ist. Aber alle pushen sich gegenseitig.»

Das klingt nicht gerade nach Zerfallserscheinungen, sondern nach intaktem Teamgefüge. Selbstverständlich ist das nicht. Denn nach dem Aufstieg in die SPL2 essen die Ustermerinnen in der zweithöchsten nationalen Liga hartes Brot. Daran änderte sich auch am Samstag nichts. 20:28 verloren die Ustermerinnen zum Abschluss der Qualifikation gegen Aargau Ost.

Es war die sechste Niederlage in Serie, die elfte im 14. Meisterschaftsspiel. Damit ist nun auch klar, dass die Ustermerinnen die Abstiegsrunde als Tabellenletzte in Angriff nehmen – also auf dem einzigen Abstiegsplatz. Zehn Spiele verbleiben ihnen, um mindestens einen Gegner hinter sich zu lassen. Zwei Punkte beträgt die Differenz zum Zweitletzten Leimental.

Der Start war zu gut

Noch liegt also alles drin – und doch muss man sagen: Die TVU-Frauen sind nicht dort, wo sie hinwollen respektive sich selber sehen. «Unser Ziel war, dass wir uns Respekt verschaffen, indem wir gegen grosse Teams gut dagegenhalten», sagt Ussia. Das gelang der Equipe zu Saisonbeginn tatsächlich – in den ersten beiden Partien gegen Brühl 2 und Arbon resultierten zwei Unentschieden, und Uster überzeugte vor allem mit einer starken Defensivleistung. Doch der gute Start hatte seine Kehrseite.

Ussia, die selber lange für die erste Mannschaft von Brühl in der SPL1 gespielt hatte, sagt: «Ab diesem Zeitpunkt wussten die Gegner darüber Bescheid, dass wir kein Erstliga-Team sind, sondern uns wehren.»
Die Freude währte also nur kurz – obwohl die Ustermerinnen statistisch noch immer keine schlechte Defensive haben. Die 379 Gegentore sind in der Achterliga gar der viertbeste Wert. Das Problem liegt auf der anderen Seite – die Wurfquote ist viel zu schlecht. 284 Tore haben die TVU-Frauen geschossen, das sind knapp 22 pro Spiel. Zum Vergleich: Der Zweitletzte Leimental hat 399 Tore erzielt, also über 100 mehr.

Die Sache mit der Effizienz

«Wir belohnen uns nicht», sagt Ussia deshalb. Laut der 32-jährigen Kreisläuferin liegt es nicht an den fehlenden Chancen, sondern im Abschluss. «Wir spielen uns gute Möglichkeiten heraus, aber machen die Goals nicht. Da ist ganz sicher viel Luft nach oben.» Woran die mangelnde Effizienz liegt, ist für Ussia schwierig zu beantworten. Nervosität, fehlende Konzentration, mangelnde Disziplin sind Faktoren, die sie nennt. «Es fehlt deshalb die letzte Konsequenz beim Torabschluss.»

Sie hofft, als Spielertrainerin dem Mangel begegnen zu können, indem sie ihr Wissen und ihre Erfahrung einbringt. «Es geht auch darum, aus einer Routine auszubrechen und einmal etwas anderes zu probieren. Wir konnten in dieser Saison schon gut daran arbeiten.»

Usters Ussia Laura
Laura Ussia an der Seitenlinie: Die spielende Co-Trainerin will ihre Erfahrung einbringen.

Die Entwicklung des Teams wurde auch von personellen Ausfällen gebremst. «Verletzungen von Schlüsselspielerinnen sind eine Herausforderung in dieser Saison», sagt Ussia und zählt gleich ein halbes Dutzend Spielerinnen auf, die dem Team über kürzere oder längere Zeit fehlten. Darunter figuriert beispielsweise auch Samira Schardt, die vor drei Jahren noch mit den Spono Eagles den Meistertitel geholt hatte, auf diese Saison hin zu Uster stiess und mit 49 Toren die zweitbeste TVU-Skorerin ist. «Ihren Ausfall zu kompensieren, hat uns viel Kraft gekostet.» Oder auch die talentierte Lia Grünig, die aus dem eigenen Nachwuchs als 17-Jährige in die SPL2-Equipe integriert wurde, sich aber früh in der Saison einen Kreuzbandriss zuzog. «Ihre Dynamik fehlt auf dem Feld.»

Die Verletzungssorgen haben die Ustermerinnen noch nicht ganz ablegen können – aber immerhin entspannt sich die Situation langsam. «Mehr Breite hilft immer», sagt Ussia, «so kann man als Trainerin besser wechseln und bringt mehr Schwung rein.»

Noch liegt alles drin

Sie glaubt, dass das Team unter Wert klassiert ist. «Zehn Punkte wären dringelegen.» Damit läge der TVU auf Rang 6, also zwei Ränge weiter vorn. Ob sich die Ustermerinnen in der Abstiegsrunde gegen fünf weitere SPL2-Equipen noch in diese Gegend verbessern können, wird sich weisen. Tatsächlich kann der TVU den Ligaerhalt noch aus eigener Kraft bewerkstelligen. Dafür muss aber eine Steigerung her.

In der SPL2 zu bleiben, wäre wichtig für den Klub. Man will da wieder Fuss fassen – und auch noch mehr routinierte Spielerinnen mit SPL-Erfahrung anlocken, indem das Beziehungsnetz der Spielerinnen mit Vergangenheit in höheren Ligen genutzt wird. Wie eben Ussia selber, die als spielende Co-Trainerin von Ruth Jud an Bord bleibt. Sie steckt in der Trainerausbildung – ihre Ambitionen werden irgendwann höher sein als die SPL2. Für den Moment hingegen scheint nur schon der Klassenerhalt mit dem TVU ein Kraftakt zu werden.

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