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Status quo oder Boom?

Der erste Schweizer im «Ally Pally» warf auch schon in Gossau

Die Darts-WM in London war ein Spektakel. Doch wie steht es um den Pub-Sport in der Region? Silvio Condrau von den Otter Darters in Gossau muss es wissen – er spielt seit über 30 Jahren Darts im Verein.

Für Silvio Condrau von den Gossauer Otter Darters ist keine Aufbruchstimmung im Oberland spürbar.

(Archiv) Bild: Christian Merz/PD

Der erste Schweizer im «Ally Pally» warf auch schon in Gossau

Status quo oder Boom?

Die Darts-WM in London war ein Spektakel. Doch wie steht es um den Pub-Sport in der Region? Silvio Condrau von den Otter Darters in Gossau muss es wissen – er spielt seit über 30 Jahren Darts im Verein.

Der Hype um die kürzlich zu Ende gegangene Darts-Weltmeisterschaft in London war gigantisch. Die etwa 90’000 Tickets waren im Vorfeld bereits nach wenigen Minuten vergriffen. 20 Tage dauerte die ganze Sause im «Ally Pally». Rund 3100 Fans waren bei jeder Session in der Halle – viele davon als Pokémons, Super Marios oder anderswie verkleidet. Man fühlt sich bei diesem Ereignis irgendwo zwischen Fasnacht und Oktoberfest.

Hat diese Begeisterung auch einen positiven Einfluss auf den Alltag in den Dartsklubs der Region? Gerade jetzt, wo mit Stefan Bellmont sogar erstmals überhaupt ein Schweizer an der WM teilnehmen durfte.

Silvio Condrau kennt die Antwort. Er spielt nicht nur seit weit über 30 Jahren Darts – sondern ist auch bei den Otter Darters in Gossau im Vorstand.

Silvio Condrau, der Darts-Sport hatte gerade während der WM eine enorme Medienpräsenz. Wie nahe haben Sie das Spektakel in London mitverfolgt?

Silvio Condrau: Ich habe nahezu jedes Spiel im Fernsehen geschaut – wenn nicht live, dann im Nachhinein.

Waren Sie auch schon im «Ally Pally»?

Nein. Aber ich besuchte im letzten September die erste Austragung der Swiss Darts Trophy in der Basler St.-Jakobs-Halle, wo ebenso nahezu die gesamte Weltelite antrat. So auch der neue Weltmeister Luke Littler. Auch da kamen über die drei Tage verteilt insgesamt über 20’000 Zuschauerinnen und Zuschauer.

War dort ein ähnlicher Zirkus auf den Rängen wie an der Weltmeisterschaft?

Klar, das Phänomen mit ganz vielen Kostümierten und Fans, die lautstark beschriftete Schilder in die Höhe halten, wird eigentlich überall zelebriert. Ich selbst habe mich aber nicht verkleidet.

Anlässe dieser Grössenordnung sind in der Schweiz aber wohl eine Ausnahme?

Das schon. Aber unser Verein hat im letzten März hier in Gossau das nächstgrösste Turnier hinter Basel gemeinsam mit der Swiss Darts Corporation organisiert – mit 200 Spielerinnen und Spielern. Wir zügelten deshalb extra in die AL-Arena in der Gemeinde. Gewonnen wurde das Turnier übrigens von unserem ersten Schweizer WM-Teilnehmer Stefan Bellmont.

Apropos Bellmont: Trauen Sie ihm zu, von Darts in der Zukunft leben zu können?

Warum nicht? Er hat eine starke Leistung in London gezeigt. Und wenn «Belli» sich wieder für die WM oder auch das in diesem Jahr erneut zur European Tour zählende Turnier in Basel qualifizieren kann, bekommt er noch mehr Präsenz in den Medien und wird dadurch mehr Bekanntheit erlangen. Die Dartsspieler an der Weltspitze leben ohnehin nicht nur von Preisgeldern, sondern auch von guten Sponsoren.

Und sieht man Bellmont dieses Jahr wieder in Gossau?

Wohl eher nicht. Wir organisieren dieses Mal Anfang Juni ein kleineres Turnier mit etwa 60 Spielern – wieder in unserem Lokal an der Industriestrasse. Es ist unser Letztes. Ende Juni hören wir hier auf.

Weshalb?

Wir sind zwar seit unserer Übernahme 2020 leicht gewachsen, zählen 25 Mitglieder und spielten mit fünf Mannschaften auch Meisterschaft. Ein generelles Wachstum sehe ich aber nicht. Wir haben dieselben Probleme wie andere Vereine. Viele kommen gerne spielen, engagieren sich aber wenig. So ist die heutige Konsumgesellschaft halt. Das ist auch ein Grund, weshalb hier Ende Juni für uns Schluss ist. Wir kommen nicht weiter. Gerade unser Präsident hat in den letzten Jahren viel Zeit investiert.

In Gossau wird trotzdem noch Darts gespielt?

Das ist gut möglich. Wir sind in Gesprächen mit zwei potenziellen Nachfolgern für eine Übernahme. Es ist aber noch kein Entscheid gefallen.

Und Sie hören auf mit Darts?

Nein. Wir werden uns einem Verein in Hinwil anschliessen, um dort Steeldarts zu spielen. Die Steeldarts-Scheiben verschwinden leider immer mehr aus den Pubs. Das ist sehr schade.

Was ist der Grund dafür?

Die Lokalbesitzer stellen halt lieber elektronische Dartboards hin. Damit gibt es den Kastenbetreibern und ihnen Einnahmen. Doch auch viele Spieler werfen lieber E-Darts. Die elektronische Scheibe zählt automatisch die geworfene Punktzahl – so müssen sie selbst nicht rechnen. Das ist auch ein Grund, weshalb ich lieber Steeldarts spiele.

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