So gut ist die Langläuferin aus Hinwil noch nie in eine Saison gestartet
Anja Weber vor der Tour de Ski
Sieben Rennen innert neun Tagen: Die 23-jährige Anja Weber nimmt die Tour de Ski mit viel Selbstvertrauen in Angriff.
Strenger als Weltcup-Langläuferinnen und -Langläufer hat es über den Jahreswechsel wohl niemand. Mit der Tour de Ski stehen ab heute Samstag sieben Rennen innert neun Tagen auf dem Programm. Bereits zum dritten Mal nimmt die Hinwilerin Anja Weber die Tour in Angriff – und zum ersten Mal in ihrer Karriere dürfte sie auch bis zur letzten Etappe am 5. Januar 2025 dabei bleiben. «Die Tour fertig zu laufen, das wäre der Plan», sagt die 23-Jährige.
In den letzten beiden Saisons stieg die Hinwilerin jeweils früher aus, um sich auf die U23-WM vorzubereiten. Die fällt für sie nun altershalber weg. Dafür bekommt sie es wohl erstmals mit dem Schlussaufstieg auf die Alpe Cermis zu tun, wo es auf den letzten drei Kilometern 400 Höhenmeter eine Skipiste hinauf zu absolvieren gilt.
«Den muss man schon einmal gemacht haben», sagt Weber. Für sie wird es dann eher ums Erlebnis gehen, denn auf sie zugeschnitten ist diese letzte Etappe nicht. «Da haben kleine und feine Läuferinnen einen Vorteil – das bin ich nicht mehr», sagt Weber lachend.
Die grosse Konkurrenz im hohen Norden
Sie hat allen Grund, die Tour guten Mutes anzugehen. Ihr Saisonstart verlief verheissungsvoll, auch wenn man das bei den Resultaten nicht immer ablesen kann, sondern zur Einordnung etwas tiefer in die Start- und Ranglisten eintauchen muss.
Der 28. Rang über 10 km klassisch zum Saisonauftakt im finnischen Ruka Ende November ist so ein Beispiel. Mit einer besseren Platzierung ist die Hinwilerin noch nie in eine Saison gestartet – und das Resultat ist auch deshalb besonders wertvoll, weil im Norden die starken skandinavischen Nationen jeweils mit grossen Delegationen am Start sind. «Viele sind da schon in Höchstform, weil sie sich intern aufdrängen müssen, da ist es für uns Mitteleuropäer schon sehr schwierig», sagt Weber.
Sie bezeichnet ihren Saisonstart aber nicht nur deshalb insgesamt als «sehr gut – ich hatte das in den letzten Jahren nie so hingebracht». In den Distanzrennen hatte sie zwar teils noch mit Krämpfen zu kämpfen, mit den Sprints hingegen ist sie sehr zufrieden. Ein 23. Rang und ein 25. Rang resultierten da im Einzel.
Der Podestplatz gibt ihr Mumm
Und im Teamsprint in Davos zusammen mit Nadine Fähndrich holte Weber mit dem 3. Rang ihren ersten Weltcup-Podestplatz. «Ohne Nadine wäre das nicht möglich gewesen», sagt die Hinwilerin zwar. Doch auch wenn ihre Teamkollegin noch einige Plätze gutmachte: Letztlich legte Weber selber als Startläuferin die Basis zum Erfolg. «Es gelang mir, dranzubleiben», sagt sie. «Und das Bewusstsein, mit anderen Nationen vorne mitzulaufen und die Position halten zu können, ist für mich wertvoll.»
Das gibt ihr auch für künftige Einzelsprints Selbstvertrauen. Mehr Präsenz markieren will sie da – und auch einmal eine Halbfinalqualifikation schaffen. Was ihr dazu bisher fehlte, weiss Weber: «Die Erfahrung, wie ich taktisch laufen muss.»
Die gewinnt sie laufend hinzu – auch in den kommenden Tagen an der Tour de Ski, die neu an nur noch zwei Schauplätzen in Toblach und in Val di Fiemme stattfindet. «Für uns Athletinnen ist das angenehmer», sagt Weber, «wir müssen am Ruhetag nicht reisen, sondern können ihn gut nutzen.»
Nützlich ist auch die Tatsache, dass die Rennen in Val di Fiemme eine eigentliche Olympia-Hauptprobe sind – denn auch im Februar 2026 stehen dort ein Sprint im klassischen Stil und ein Skiathlon an. «Es ist die einzige Chance, sich da alles anzuschauen», sagt Weber. «Die will ich nutzen.»