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Bringt ausgerechnet die Tournee ihm Glück?

Viel Prestige, grosse Zuschauerkulisse – doch beeindrucken lassen will sich Felix Trunz von seinem Debüt an der Vierschanzentournee nicht.

Felix Trunz am letzten Sonntag in Engelberg: «Ich weiss, dass ich eigentlich viel besser springen kann.»

Foto: Keystone

Bringt ausgerechnet die Tournee ihm Glück?

Skispringer des SC am Bachtel

Felix Trunz darf bereits in seiner ersten Weltcup-Saison an der prestigeträchtigen Vierschanzentournee teilnehmen. Holt er ausgerechnet da seine ersten Weltcup-Punkte?

Der letzte Sonntag nahm doch noch ein gutes Ende für Felix Trunz. Denn zuerst hatte sich der 18-jährige Skispringer des SC am Bachtel mächtig geärgert. In der Qualifikation zum zweiten Weltcup-Springen von Engelberg hatte er viel Pech. Ausgerechnet als er an der Reihe war, kam alles Schlechte zusammen.

Das Wetter schlug um, der Wind spielte verrückt. Als Trunz endlich grünes Licht bekam, war er chancenlos. Die Anlaufspur zog nicht mehr gleich gut wie zuvor, zwei Kilometer pro Stunde fehlten ihm auf den vor ihm gesprungenen Konkurrenten. «Das sind bei dieser Leistungsdichte Welten», sagt Trunz.

66. wurde er, verpasste den Wettkampf damit ebenso wie zwei Tage zuvor, als er 55. geworden war, weil ihm «nicht grad der beste Sprung» gelungen war. Ausgerechnet in Engelberg, der fünften Weltcup-Station des Winters, verpasste er damit bei beiden Versuchen den Vorstoss in die Top 50, die den Wettkampf bestreiten dürfen.

Aber eben – eine gute Nachricht gab es dann doch noch für den 18-Jährigen. Am Sonntagabend wurde ihm mitgeteilt, dass er im Aufgebot für die Vierschanzentournee figuriert. «Mega cool, dass ich diese Erfahrung machen darf», sagt Trunz. Und: Völlig überraschend kam das Aufgebot für ihn nicht. Denn Engelberg war ein Ausreisser nach unten. «Ich hatte viel Pech und weiss, dass ich eigentlich viel besser springen kann.»

Der «Push» in Wisla

Gezeigt hat Trunz das in dieser Saison schon mehrfach. Ein 35. Rang zum Auftakt in Lillehammer ist sein Bestresultat, rund dreieinhalb Meter fehlten ihm da zum ersten Weltcup-Punkt. Bei sechs von insgesamt zehn Versuchen überstand er die Qualifikation, oft ohne gross zu zittern – und manchmal auch mit Sprüngen in den Top 30. Im polnischen Wisla glänzte er Anfang Dezember sogar mit einem 8. Rang. «Das hat mir einen Push gegeben», sagt Trunz, «da wusste ich, dass ich wirklich da hingehöre.»

Eine schlechte Zwischenbilanz ist das nicht für einen Springer wie Trunz. Und trotzdem sagt er: «Ich hatte oft mehr erwartet.» Dass es noch nicht für die Top 30 und damit einen ersten Weltcup-Punkt reichte, stört ihn – das gibt er freimütig zu. «Ich habe schon coole Sprünge gezeigt, aber leider noch nicht im Wettkampf», sagt er.
Manchmal zieht er sein Ding nicht durch – «wenn ich in der Quali um den 40. Rang herum springe, probiere ich im Wettkampf etwas zu ändern, um weiter vorne zu sein – dabei sollte ich einfach beim Gleichen bleiben», sagt Trunz.

Vielleicht braucht er einfach noch Geduld – und mehr Erfahrung. Denn für ihn waren bisher nicht nur die meisten Schanzen Neuland, auch der Ablauf im Weltcup ist ungewohnt für ihn. Nicht nur aufgrund des grösseren Publikums und der TV-Präsenz, sondern auch, weil er viel weniger springt als auf tieferen Stufen. Es gibt keine freien Trainings und somit kaum Zeit, um zu pröbeln – und weil der Weltcup-Tross seit Ende November jedes Wochenende an einem anderen Ort gastierte, blieb auch dazwischen kein Freiraum für Trainingssprünge, um am Set-up zu feilen und punkto Material verschiedene Varianten zu testen. Sondern die Erholung stand im Vordergrund. «Es war wichtig, die kurzen Pausen dafür zu nutzen», sagt Trunz.

Das Highlight kommt erst nach der Tournee

Ihm gelang das offenbar gut. «Mein Energiehaushalt stimmt, ich bin fit und habe keine Beschwerden.» Hilfreich dürfte dabei sein, dass er bewusst Ferientage dafür einsetzte – im Spital Einsiedeln, wo er seine KV-Ausbildung in einem 50-Prozent-Pensum absolviert, wird er erst wieder nach der Tournee zurückerwartet. Erst nach der Tournee wird auch entschieden, wie es für Trunz sportlich weitergeht. Denn sein Saisonhighlight soll nicht die Tournee bleiben, sondern die Junioren-WM Ende Februar 2025 werden. Je nach Formstand und Energiehaushalt kann der Weg im Weltcup weitergehen – oder aber auch über eine tiefere Stufe.

Vorerst aber steht mit der Tournee die bisher klar grösste und prestigeträchtigste Veranstaltung von Trunz’ noch junger Karriere an. Seine Herangehensweise ändern will der Athlet des SC am Bachtel aber nicht – obschon alles noch einmal etwas grösser ist als sonst im Weltcup. In Oberstdorf, wo die Tournee am Wochenende beginnt, sind Jahr für Jahr rund 40’000 Zuschauer zugegen. Der 18-Jährige probiert das auszublenden. «Für mich ist nicht wichtig, dass alles grösser ist, sondern, dass ich meine Sachen richtig mache – darum bereite ich mich auch nicht speziell auf die Tournee vor», sagt er.

Und wer weiss: Vielleicht bringt ihm ja gerade eines der kommenden vier Springen Glück. Überraschen würde es nicht. Denn die Schanzen in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen und Innsbruck kennt er bereits aus eigener Erfahrung, weil die Schweizer im Sommer darauf Trainingscamps absolvierten. Neuland bedeutet lediglich die Schanze in Bischofshofen zum Tourneefinale. Anders als sonst bisher im Weltcup weiss er also, was schanzentechnisch auf ihn zukommt. Und doch temperiert er seine eigenen Erwartungen ab: «Ich muss nicht unbedingt in die Top 30. Ich mache mein Ding – und schaue, was dabei herauskommt.»

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