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So finanziert der Speed-Fahrer aus Bubikon seine Karriere

Im Europacup will sich Alessio Miggiano für den Weltcup aufdrängen. Sein Aufwand ist hoch.

Alessio Miggiano gehört zu den weltbesten Abfahrern seines Jahrgangs.

Foto: PD

So finanziert der Speed-Fahrer aus Bubikon seine Karriere

Seit einem Jahr Profi

Alessio Miggiano startet in seine zweite Europacup-Saison. Geld verdienen mit seinem Sport kann er noch kaum – und doch muss er sich professionell aufstellen.

Eigentlich wäre es einfach. Würde Alessio Miggiano für Italien Ski fahren, hätte er sein Weltcup-Debüt womöglich schon gefeiert. Und abwegig wäre so ein Nationenwechsel nicht, schliesslich besitzt der 22-jährige Bubiker auch den Pass der Heimat seines Vaters. «Aber es kommt für mich nicht infrage», sagt Miggiano mit unmissverständlichem Unterton.

Italien hat zwar weniger Weltcup-Startplätze als die Schweiz – aber die Leistungsdichte ist dort auch nicht so hoch wie bei Swiss-Ski. «Wir sind halt momentan eine sehr starke Nation, auch in der Breite», sagt Miggiano. Hier will er sich durchsetzen.

Am Mittwoch ist er in seinen zweiten Europacup-Winter gestartet. Mit einem 8. Rang – es ist sein Karriere-Bestresultat – in der ersten von zwei Abfahrten im italienischen Santa Caterina. Die zweithöchste Stufe ist seine Heimat und wird das wohl auch noch die eine oder andere Saison bleiben. Dessen ist er sich bewusst – und in vielen Worten, die er beim Gesprächstermin in einem Bubiker Café sagt, schwingt mit: Er weiss, dass der Weg ans Ziel seiner Träume lang sein wird.

Er macht alles selber

Eigentlich ist das Dasein eines Europacup-Skirennfahrers nicht sehr dankbar. Die Medienpräsenz ist gering, die Preisgelder sind verschwindend klein – hoch ist hingegen der Aufwand, den ein Athlet wie Miggiano auf sich nimmt. Nicht nur zeitlich, sondern auch finanziell. Professionell aufgestellt muss man auch dann schon sein, obwohl es schwierig ist, mit dem Sport wirklich Geld zu verdienen.

Ich bin nun auf einem Niveau, wo es möglich sein muss, das professionell zu gestalten.

Alessio Miggiano

Miggiano stand im Sommer vor einem Jahr an diesem Punkt, an dem er sich sagte: «Ich bin nun auf einem Niveau, wo es möglich sein muss, das professionell zu gestalten.» Und der Bubiker machte Nägel mit Köpfen. Er gründete eine Einzelfirma und begann, sich selber zu vermarkten.

Seine Botschaft bringt der 22-Jährige persönlich an – er legt Wert darauf, alles selber zu machen. Er nimmt Kontakt auf mit möglichen Partnern, schreibt und verschickt seine eigenen Verträge und seine eigenen Rechnungen. Seine KV-Ausbildung hilft ihm dabei – allerdings auch nur bedingt. «Ich weiss, wie ich mich artikulieren kann – aber das Vermarkten ist am Ende von der Kreativität und dem Engagement abhängig. Das liegt auch nicht jedem.»

Entsprechend gross war der Initialaufwand. Von Juli bis Oktober letzten Jahrs investierte er pro Woche im Schnitt 15 bis 20 Stunden in den Aufbau seines Sponsorenumfelds. Wichtig war ihm Struktur. «Ich wollte alles so aufbauen, dass mein Aufwand in diesem Jahr geringer ist.»

Zusammengekommen sind dabei laut seiner Website vier Sponsoren, zehn Partner, sieben Firmengönner und sein Gönnerklub Amiggi’s, der über 60 Mitglieder umfasst. Zudem profitiert Miggiano vom Fördergefäss der Sporthilfe und von der Spitzensportförderung der Armee.

Doch was finanzieren diese Firmen und Personen alles? Was braucht Miggiano für seine Karriere – und wie viel, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten?

Um Luxus geht es nicht

Verdienen kann er mit dem Sport noch kein Geld. «Ich kann gerade meine Saison decken», sagt der Bubiker. Miggiano ist als B-Kader-Mitglied zwar in einer privilegierten Situation. Für das Material hat er mit Head einen Ausrüstervertrag. Daneben wird vieles von Swiss-Ski übernommen, gerade was Reisen und Unterkünfte anbelangt. Dafür zahlt er einen pauschalen Kaderbeitrag von 3000 Franken. Es ist einer der kleineren Beträge der rund 50’000 bis 60’000 Franken, die er aufbringen muss, um seine Saison zu bestreiten.

Und dabei geht es nicht um Luxus, sondern um Dinge, die für einen professionellen Athleten heutzutage unumgänglich sind. Ein grosser Posten ist beispielsweise das Konditionstraining. Zwar könnte Miggiano hier auch auf einen Trainer von Swiss-Ski zurückgreifen, um Trainingspläne und punktuell Unterstützung zu erhalten. Er aber zieht es vor, in Einsiedeln in der Gruppe zu trainieren, unter anderen mit Riesenslalom-Spezialist Thomas Tumler, der kürzlich seinen ersten Weltcup-Sieg feierte. «Irgendwann würde es mir verleiden, nur allein nach einem Plan zu trainieren», sagt Miggiano.

Auch die regelmässigen Sessions mit Mentaltrainer Daniel Hornecker im Grüt finanziert der Bubiker selber. Ins Geld gehen auch die über 25’000 Kilometer, die er jährlich zurücklegt mit dem Auto. «Es ist für mich essenziell – mit so viel Gepäck zu reisen, ist per Zug schwierig.»

Manche Partner unterstützen Miggiano nicht direkt mit Geld, sondern mit Gegenleistungen – beispielsweise stellt ihm ein Veloladen ein Rennvelo fürs Sommertraining zur Verfügung, ein Treuhänder unterstützt ihn bei Dingen wie AHV-Abrechnung oder Steuererklärung. Und ganz ohne Unterstützung von daheim geht es doch auch noch nicht – eine eigene Wohnung kann sich Miggiano nicht leisten. «Das wäre das nächste Ziel», sagt er.

Vor entscheidenden Jahren

Sportlich ist das Ziel der Weltcup – «ich bin mir sehr bewusst, dass die nächsten zwei, drei Jahre entscheidend sind», sagt Miggiano. Das vermittelt er auch seinen Sponsoren, mit denen er teils Mehrjahresverträge abgeschlossen hat. «Sie teilen meine Vision», sagt er.

Ein Vorteil dürfte sein, dass man den alpinen Skirennsport in der Schweiz niemandem erklären muss. Nicht immer einfach ist es für Miggiano allerdings, zu vermitteln, wo er in seiner Karriere steht, wie etwa seine Abfahrts-Bestresultate im letzten Europacup-Winter (14./15.) einzuordnen sind. Anschaulicher wird es, wenn er einen anderen Fakt erwähnt: Miggiano gehört in seinem Jahrgang 2002 zur absoluten Weltspitze – derzeit sind in der Fis-Punkteliste in der Abfahrt nur drei Gleichaltrige vor ihm klassiert.

Im Europacup war er zuletzt 21. in der Abfahrts-Disziplinenwertung und 46. im Super-G. Diese Ränge will er verbessern, sich Richtung Spitze vorarbeiten, wofür er in der Abfahrt auch deshalb die bessere Ausgangslage hat, weil er weiter vorne starten darf. Und im Gegensatz zu letzter Saison beeinträchtigte diesmal keine Verletzung seine Vorbereitung.

«Ich kann auf den Ski dort weitermachen, wo ich letzte Saison aufgehört habe», sagt er. Damals fühlte er sich oft unter Wert geschlagen – «der Schritt war grösser, als es die Resultate zeigten». Das soll sich nun ändern.

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