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Marathon-Läufer des LC Uster so schnell wie nie bei seinem Abschied

Was für ein Rennen zum Ende der Karriere. Tadesse Abraham vom LC Uster läuft beim Marathon von Valencia einen Schweizer Rekord.

Mit 42 zum letzten Mal über 42 Kilometer: Tadesse Abraham erreicht das Ziel in Valencia in Schweizer Rekordzeit

Foto: Keystone

Marathon-Läufer des LC Uster so schnell wie nie bei seinem Abschied

Coup bei der Dernière

Monica Schneider

Tadesse Abraham überrascht bei seinem letzten Karriere-Marathon in Valencia. Der 42-Jährige vom LC Uster läuft auf Platz 5 – und unterbietet dabei die nationale Bestmarke.

​​Die Devise für seinen letzten Marathon in seiner mehr als 20-jährigen Karriere war klar: «All out!» Alles, was er mit seinen 42 Jahren noch in sich hat, wollte Tadesse Abraham beim Valencia-Marathon auf die Strasse trommeln.

Und das gelang ihm in herausragender Weise: In 2:04:40 Stunden verbesserte der Läufer des LC Uster zum fünften Mal den Schweizer Rekord, im Frühling war er bei seinem Sieg in Barcelona noch 21 Sekunden langsamer gewesen. Nun, in Valencia und bei idealen Bedingungen von zwölf Grad, wurde er damit Fünfter.

Das Rennen gewann der Kenianer Sebastian Sawe in 2:02:05. Dieser bestritt mit 29 Jahren seinen ersten Marathon überhaupt, während der 13 Jahre ältere Schweizer zu seinem letzten Rennen in seiner Karriere über 42,195 km startete.

epa11750828 Tadesse Abraham (2-R) of Switzerland in action during the 2024 Valencia Marathon in Valencia, Spain, 01 December 2024.  EPA/Kai Forsterling
Bei idealen äusseren Bedingungen lief Tadesse Abraham auf Rang 5.

Nach den Olympischen Spielen und dem coupierten Lauf in Paris (38.) hatte sich Abraham noch einmal nach Kenia ins Trainingslager aufgemacht. Hatte noch einmal seine Familie in Genf zurückgelassen, um sich ein letztes Mal die Chance zu verschaffen, die Marke von 2:05 Stunden zu knacken.

Gelungen ist ihm am Sonntagmorgen dann ein absolut gleichmässiges Rennen, die Halbmarathon-Marke passierte er praktisch auf die Sekunde genau in den angestrebten 62 Minuten.

Ein Steigerungslauf bis zuletzt

Fünf Jahre nachdem Abraham 2004 in der Schweiz um Asyl nachgesucht hat, ist er in Zürich in 2:10:09 seinen ersten Marathon gelaufen. Rekordhalter war damals Viktor Röthlin, der ein Jahr zuvor in Peking Olympia-Sechster geworden war und in Tokio in 2:07:23 eine Marke setzte, die acht Jahre Bestand haben sollte.

Als Abraham 2016 in Seoul dann den Schweizer Rekord in 2:06:40 an sich riss und später in Rio Olympia-Siebter wurde, begann sein eigentlicher Steigerungslauf erst. Er wurde in Amsterdam Halbmarathon-Europameister, wurde 2017 in New York Fünfter und gewann 2018 EM-Silber in Berlin.

Doch dann folgten die Jahre, in denen er mit seinem Material kämpfte. Adidas verfügte noch nicht über ein Schuhmodell mit Carbonplatte, zudem lief sein Vertrag aus. Unterschlupf fand er bei einem aufstrebenden Schweizer Label – als einer der ersten Spitzenläufer. Die Arbeit an der Mitentwicklung eines kompetitiven Schuhs empfand Abraham von Anfang an als faszinierend.

2022 in Zürich vermochte er damit erstmals an seine alten Zeiten anzuknüpfen, er verbesserte seinen Rekord um zwei Sekunden, um dann im vergangenen Jahr in Berlin sogar in 2:05:10 zu finishen.

Dank einem robusten Körperbau

Profitiert hat Abraham in seiner ganzen Karriere von seinem robusten Körperbau. Kaum je verletzt, kaum je krank kam er zu einer Konstanz, um die ihn viele beneideten. Er selber sagt natürlich, dafür habe er auch einiges getan.

Nur so ist erklärbar, dass er sich mit 42 Jahren noch einmal steigern konnte. Erst in Barcelona, jetzt in Valencia. Kaum im Ziel, machte er rechtsumkehrt und segelte euphorisiert und mit weit ausgestreckten Armen noch einmal durch den Zielraum. So geht Abtreten auf dem Höhepunkt.

Diesen Segler wird Abraham nun noch auf seiner kleinen Abschiedstournee durch die Schweiz wiederholen: Nach der Course de l’Escalade am nächsten Wochenende verabschiedet er sich am 15. Dezember am Zürcher Silvesterlauf endgültig von seinem Publikum.

Er hat es geliebt, und die Liebe war gegenseitig.

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