Biathlet Sebastian Stalder steht vor einem speziellen Winter
Spitzenbiathlet aus Wald
Nächste Woche startet Sebastian Stalder in die Weltcupsaison. Seinen Fokus richtet er auf die Heim-WM im Februar.
Sebastian Stalder ist ein besonnener, ruhiger Mensch. Wenn er spricht, wirken seine Worte überlegt und treffend gewählt. Das passt zu ihm als Biathlet. Und der 26-Jährige aus Wald hat sich einen Status erarbeitet. Am Schiessstand verkörpert er absolute Weltklasse. Weil ihm in den letzten Jahren auch (lang-)läuferisch stetig Fortschritte geglückt sind, sind Spitzenplätze auf Weltniveau für ihn zum Anspruch geworden.
Die Analyse der vergangenen Saison ergibt dennoch ein kritisches Fazit. Stalder sagt: «Wirklich zufrieden kann ich nicht sein. Zu oft musste ich mich ärgern über die Geschehnisse.»
Da fragt sich der Beobachter: Wie das? Schliesslich glückten ihm starke Ergebnisse in Form diverser Top-Ten-Platzierungen im Weltcup als Einzelathlet und vor allem als WM-Vierter mit der Mixed-Staffel.
Der Makel: Im Vergleich zur Saison 2022/2023 fehlt die Verbesserung. Und auf seinen ersten Podestplatz im Weltcup wartet er noch immer.
Eine Überraschung als gutes Omen
Eine Quintessenz leitet Stalder ab aus dem Winter 2023/2024: «Nach gutem Start baute ich vor allem im letzten Trimester ab. Das wird so nicht mehr vorkommen.» Die Höchstform will er nach hinten verschieben. Vor allem aber richtet er sich gezielt auf die Weltmeisterschaften in der zweiten Februar-Woche aus. In Lenz/Lantsch auf seiner Heimanlage und unweit des Wohndomizils in Alvaneu im Bündnerland finden diese statt. «Diese Titelkämpfe sind ein Karriere-Highlight», ist er sich wie alle Schweizer Topathletinnen und -athleten bewusst.
Dieser Ansporn allein ist es aber nicht, der ihn zuversichtlich stimmt. Auch auf einen guten Sommer blickt er zurück. Heisst bezogen auf den Sport: Stalder konnte jene Schwerpunkte setzen, die er wollte, musste keine Abstriche im Trainingsplan eingehen und spricht jetzt von einer «Form, wie sie zu diesem Zeitpunkt sein soll».
Und ein Resultat nimmt er mit: den Sieg am Martin Fourcade Nordic Festival im französischen Annecy – ein Sieg gegen beachtliche Konkurrenz. «Für mich kam das überraschend, und ich hoffe, dieser Erfolg ist ein gutes Omen», sagt er.
Zuversicht verleiht ihm, dass er seine Ausbildung zum Fachspezialisten Zoll- und Grenzsicherheit abgeschlossen hat. Die Doppelbelastung und ein latenter Druck sind weggefallen. Eine direkte Konsequenz, die er schätzt: «Ab und an Zeit für ein Mittagsschläfchen.»
Im Wissen um diese neue Balance blickt Sebastian Stalder der Saison, die am 30. November im finnischen Kontiolahti beginnt, zuversichtlich entgegen. «Mit dem Podestplatz im Weltcup solls nun endlich klappen», formuliert er offensiv. Und natürlich würde er sofort auf diesen verzichten, würden ihm Spitzenplatzierungen an den Heim-Weltmeisterschaften in der zweiten Februarhälfte gelingen.
Für Stalder eine «once in a lifetime-Chance», wie der Walder es formuliert. «Es wäre das Grösste, wenn ich bei einem meiner Starts jenen Tag erwische, an dem alles zusammenpasst.»
Die Treffsicherheit als Pluspunkt
Mit der gewachsenen Routine, dem Wissen guter Trainingsleistungen und dem Vertrauen ins Schweizer Trainerteam sieht sich Sebastian Stalder «auf gutem Weg». Und etwas sitzt zu Recht seit Längerem ganz tief verankert in seinem Hinterkopf: seine Treffsicherheit am Schiessstand. Auch wenn das Level tendenziell an der Weltspitze steigt und die Dichte weiter zunimmt, fühlt sich Stalder «ruhiger, sicherer, abgehärteter».
Und das, so betont er, «ist ein weiteres Schlüsselelement, auf das ich setze». Gleichzeitig aber ist er sich bewusst: «Gut schiessen allein reicht längst nicht mehr. Komplette Athleten sind gefragt.»
Unbestritten ist: Auch läuferisch verfügt Stalder über eine mehr als solide Basis. Und ein weiteres Mosaiksteinchen könnte das Zünglein an der Waage spielen: Die Schweizer Biathleten und Biathletinnen haben in diesem Jahr intensiver zusammengearbeitet.
Stalder erlebt dies als Bereicherung – auch wenn sich ihm eine Option nicht eröffnet: Julien Simon, die weltbeste Biathlon-Schützin, die noch schneller, noch treffsicherer als er agiert am Schiessstand, gehört nicht dazu. Sie ist Französin.