Sauber setzt doch noch auf Nachwuchs
Fahrerfrage in Hinwil geklärt
Gabriel Bortoleto wird zweiter Sauber-Pilot neben Nico Hülkenberg in der nächsten Saison. Der Brasilianer hat einen Mehrjahresvertrag unterzeichnet.
Das Werweissen hat ein Ende: Das zweite Sauber-Cockpit für die Saison 2025 ist vergeben – und zwar an Gabriel Bortoleto. Ein Fahrer, der in der Formel 1 noch ein unbeschriebenes Blatt ist. Sein Talent ist aber unbestritten: 2023 gewann der Brasilianer auf Anhieb die Formel-3-Meisterschaft – und in der Formel 2 könnte ihm in dieser Saison dasselbe Kunststück gelingen.
Nach 12 von 14 Rennwochenenden führt er das Gesamtklassement an. Der letzte Fahrer, der gleich beide Nachwuchsserien auf Anhieb gewann, war Oscar Piastri, der nun im McLaren sitzt. Auch Bortoleto ist vertraglich an McLaren gebunden. Teamchef Andrea Stella sagte am letzten Wochenende in Sao Paulo: «Wir werden ihm die Möglichkeit, in der Formel 1 zu fahren, nicht verbauen.»
Ein Generationenwechsel
Nun schafft Bortoleto also den Aufstieg – und Sauber setzt ab 2025 nicht nur auf ein völlig neues Fahrerduo mit dem Brasilianer und dem schon im April verpflichteten Deutschen Nico Hülkenberg, sondern auch wieder einmal auf Nachwuchs. Respektive auf einen Mix: Hülkenberg ist 37, Bortoleto 20.
Beide sollen Verträge über mehrere Saisons unterzeichnet haben und bilden damit 2026 auch das Duo, mit dem Sauber als Audi-Werksteam an den Start geht. Audi-Chef Gernot Döllner bezeichnet die Verpflichtung Bortoletos als «Meilenstein». «Wir erleben derzeit einen Generationenwechsel in der Formel 1, bei dem sich junge Fahrer sofort durchsetzen. Mit Gabriel Bortoleto haben wir eines dieser Top-Talente unter Vertrag genommen.»
Leidtragender des Generationenwechsels ist Valtteri Bottas. Der 35-jährige Finne verliert sein Cockpit nach drei Jahren bei Sauber – und hat damit wohl keine Chance mehr auf ein Stammcockpit für 2025. Möglich ist eine Rückkehr zu Mercedes als Reservepilot. Sauber-Geschäftsführer Mattia Binotto sagt, Bottas sei «zweifellos ein Schlüsselkandidat» gewesen. «Mit seinem Kampfgeist pushte er das Auto regelmässig über seine Leistungsgrenze hinaus.»
Zeitweise schien eine Verlängerung nur noch eine Frage der Zeit, und Bottas selber gab sich sehr zuversichtlich. Nun folgt doch die Trennung. «Wir mussten eine Entscheidung treffen», sagt Binotto. Er entschied sich für die Jugend.
Keine grosse Rolle mehr in den Überlegungen dürfte Zhou Guanyu gespielt haben. Der Chinese, dem Sauber vor drei Jahren das Formel-1-Debüt ermöglicht hatte, muss das Team ebenfalls verlassen.
