Darum lohnt sich für sie der Start am New York Marathon
Von Wetzikon in den Big Apple
Fabienne Schlumpf startet am Sonntag erstmals am New York Marathon. Die Teilnahme hat sportliche Gründe – aber nicht nur.
New York ist ein Sehnsuchtsort für viele Menschen – dieser Tage für solche, die gerne ziemlich lange Distanzen rennen. Eine Teilnahme am New York Marathon ist etwas Besonderes. Im Wortsinn, weil es Jahr für Jahr viel mehr Interessenten als Startplätze gibt. 165’000 Menschen bewarben sich in diesem Jahr für die gut 50’000 Startplätze.
Es ist einer der grössten und prestigeträchtigsten Marathons der Welt – und er ist ein grosses Geschäft. Manch einer opfert seine Ferien und eine schöne Summe Geld für einen Trip in den «Big Apple», um sich den Traum zu erfüllen und einmal in New York zu starten. «Das ist der Marathon, den man einfach mal machen muss», sagt auch Fabienne Schlumpf.
Für die Wetziker Spitzensportlerin ist der New York Marathon aber salopp gesagt auch einfach nur Job. «Solche Wettkämpfe sind ein wichtiger Teil meines Einkommens.»
Sie ist am Donnerstag bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr nach New York geflogen. Im März bestritt sie den Halbmarathon, danach kam der Organisator auf sie zu und machte ihr den Marathon schmackhaft. Der Entscheid fiel aber erst im Sommer.
Ausschlaggebend waren mehrere Faktoren: Ist ein Herbstmarathon nach den Olympischen Spielen überhaupt ein Thema? Oder macht eine Pause und ein Start im Frühling mehr Sinn? Und nicht zuletzt: Stimmt das Angebot, das ihr Manager Dave Klink für sie ausgehandelt hat?
Unterwegs gehts für sie nicht ums Geld
Für Schlumpf geht es bei solchen Gelegenheiten nicht nur um den Sport, sondern auch um die Bezahlung. Als Profisportlerin lebt sie unter anderem von Start- und Preisgeldern. Letztere sind öffentlich einsehbar beim New York Marathon, und sie sind bei Männern und Frauen gleich. Für den Sieg gibt es 100’000 Dollar, für den zweiten Rang 60’000, für den dritten 40’000. Bis zu Rang 10, der noch 2000 Dollar abwirft, werden Preisgelder ausbezahlt.
Unrealistisch ist ein Rang in den Top Ten für Schlumpf nicht. Sie ist punkto Meldezeit die Nummer 12. Doch solche Gedanken spielen für die Wetzikerin am Start keine Rolle. «Ich habe noch nie an einem Rennen unterwegs an Geld gedacht», sagt sie.
Ein Preisgeld wäre ohnehin nur ein Zustupf zum Startgeld, das ihr Manager verhandelt hat. Wie hoch es ist, will Schlumpf nicht offenlegen. Es ist aber ohnehin an Bedingungen geknüpft, beispielsweise erhält sie nicht den vollen Betrag, wenn sie nicht ins Ziel kommt oder wenn sie eine gesetzte Zielzeit verpasst – ausser das Rennen insgesamt sei sehr langsam. Bezahlt werden ihr zudem auch die Reise sowie Kost und Logis.
Der Lohn auch für 160 Trainingsstunden
Das Gros des Felds, die vielen Breitensportlerinnen und Breitensportler, wird nicht eingeladen, sondern muss in der Lotterie auf Glück hoffen. Oder hängt sich der Gruppe eines der offiziellen Reiseveranstalters an, bei denen man Arrangements mit inbegriffenem Startplatz buchen kann. Drei solche Anbieter gibt es in der Schweiz, einer davon ist Markus Ryffel, der seinen Kunden zur Vorbereitung auch gleich einen Startplatz am Greifenseelauf dazu offeriert. Die Preise für solche Arrangements bewegen sich grob gesagt zwischen 3000 und 5000 Franken.
Schlumpf ist da vergleichsweis privilegiert. Doch ihre Startgage ist selbstredend auch viel mehr als nur Lohn für die rund zweieinhalb Stunden Laufzeit. Seit ihrem 16. Rang am Olympia-Marathon vom 11. August bereitet sie sich auf den New York Marathon vor. Grob geschätzt sind in dieser Zeit über 160 Trainingsstunden und gegen 2000 Laufkilometer zusammengekommen, die wichtige Regeneration noch nicht eingerechnet. Und dazu kommt: «Ich habe zehn Jahre gebraucht, um überhaupt nur auf dieses Niveau zu kommen.»
Das Rennen in New York dürfte für Schlumpf das bisher lukrativste Marathon-Engagement sein. Attraktiv ist der Start am Sonntag dort für sie aber längst nicht nur des Geldes wegen. Überhaupt sagt sie: «Ich würde nie einen Wettkampf nur wegen dem Geld machen.»
Für New York gibt es viele andere gute Gründe – auch wenn die Strecke mit ihren rund 400 Höhenmetern nicht flach und damit nicht für sehr schnelle Zeiten geeignet ist. «Es ist eine weitere Chance, in einem internationalen Weltklassefeld zu laufen. Und es ist ein reines Frauenrennen, was dem Ganzen etwas Meisterschaftscharakter verleiht», sagt Schlumpf. «Ich will mich in diesem Feld behaupten und etwas mitreden, wenn auch vielleicht nicht gerade um den Sieg.»
Irgendwann sorgt sie für die gute Stimmung
Womöglich reist sie dereinst in anderer Funktion nach New York oder auch an andere grosse internationale Marathondestinationen. Ryffel würde sie gerne auf eine seiner Marathonreisen mitnehmen, «das würde ich eigentlich sehr gerne einmal machen», sagt Schlumpf. Dann läge ihr Fokus nicht mehr auf dem Elitefeld, sondern darauf, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu betreuen und coachen, für sie eine Tempomacherin zu sein – und: «Für die gute Stimmung sorgen».
Ihre ersten Schritte auf dieser Seite des Laufgeschäfts hat sie bereits hinter sich. Schon mehrfach hat sie bei Ryffel Laufwochen geleitet. «Es ist cool, die Leidenschaft mit dem Beruf zu verbinden», sagt die Wetzikerin, die in gut zwei Wochen ihren 34. Geburtstag feiert. Dass sie dereinst nach ihrer aktiven Karriere verstärkt in dieses Geschäft einsteigt, schliesst sie nicht aus. «Ich habe noch keine Ahnung, was ich einmal machen möchte – aber das ist sicher etwas, was mir sehr gefällt.»
