Fast eine halbe Million für über 50 Athletinnen und Athleten
So unterstützt die Sporthilfe das Oberland
So viel Geld floss von der Schweizer Sporthilfe ins Oberland. Doch wie funktioniert die Unterstützung genau?
Dieser Artikel erschien erstmals am 26. Oktober 2024.
Es ist der Event, an dem sich Schweizer Spitzensportlerinnen und -sportler Jahr für Jahr gerne in eigentümlichen Disziplinen zum Affen machen. Klamauk und Show stehen im Zentrum am Super-Zehnkampf, der am nächsten Freitag über die Bühne geht.
Doch dabei geht es um viel mehr als die Unterhaltung der über 10’000 Personen im Zürcher Hallenstadion oder der rund 400’000 Zuschauerinnen und Zuschauer, die die TV-Aufzeichnung jeweils mitverfolgen. Es geht um Geld. Jenes Geld, das den allermeisten Schweizer Sportstars die Karrieren überhaupt erst ermöglichte.
Und es wird immer mehr. 2023 unterstützte die Schweizer Sporthilfe so viele Athleten wie noch nie mit so viel Geld wie noch nie. Insgesamt flossen 10,6 Millionen Franken an 1099 Athletinnen und Athleten – eine eindrückliche Zahl.
Wie die Sporthilfe Geld generiert
Die in Form einer Stiftung organisierte Non-Profit-Organisation Schweizer Sporthilfe finanziert die Unterstützungsbeiträge über verschiedene Säulen. Ein grosser Teil stammt von der Stiftung Sportförderung Schweiz, die wiederum über Lotterien alimentiert wird. Neben weiteren Stiftungen und Privatpersonen ist auch die Wirtschaft stark beteiligt. Auf der Website der Sporthilfe sind über 40 Firmen als Partner gelistet – von Grossbank und Versicherung über Detailhändler und Getränkemarke bis hin zur Fast-Food-Kette. Und nicht zuletzt wird auch mit Anlässen wie dem Super-Zehnkampf Fundraising betrieben. (fbo)
Beeindruckt war auch Natalie Maag, als sie im Mai an einem Workshop vor jungen Sporttalenten über die Sporthilfe-Unterstützung sprach. Die 26-jährige Rodlerin aus Wernetshausen, die letzten Winter im Sprint WM-Silber gewann, erfuhr da erstmals, wie viel Unterstützung sie von der Sporthilfe in ihrer seit 2013 dauernden Karriere insgesamt erhielt. 172 485 Franken sind es. «Das hat mich schier vom Stuhl gehauen», sagt Maag. Für sie ist klar: «Ohne die Sporthilfe wäre ich nicht dort, wo ich bin.»
Es ist ein Satz, der wohl von jedem Athleten stammen könnte, der je von der Sporthilfe unterstützt worden ist. Über 1000 waren das im Jahr 2023 – über 50 davon stammen aus der Region. Knapp eine halbe Million Franken floss von der Sporthilfe ins Zürcher Oberland. Aufgeteilt auf Förderbeiträge für 33 Elite-Athletinnen und -Athleten und Patenschaftsbeiträge für 21 Nachwuchstalente.
Doch wer kann solche Fördergelder überhaupt beantragen? Und wie wird definiert, wer wie viel erhält?
Patenschaften entlasten vor allem die Eltern
Wichtigstes Kriterium, um von der Sporthilfe unterstützt zu werden, ist eine Swiss Olympic Card. Eine Swiss Olympic Talent Card National bedeutet quasi den ersten Schritt zur möglichen finanziellen Unterstützung. Grob gesagt: Wer in einem Nachwuchs-Nationalkader ist, kann auf der Website der Sporthilfe ein Profil erstellen, mit dem er einen Paten oder eine Patin sucht.
Von den 2500 Franken, die eine Patenschaft kostet, gehen 2200 direkt an die Sportlerin oder den Sportler, der Rest bleibt bei der Sporthilfe und wird für Projekte und Verwaltung eingesetzt. Ein Nachwuchsathlet darf nur einen Paten aufs Mal haben – und der Betrag ist ebenso fix festgelegt.
2200 Franken – das klingt nicht nach viel, kann jedoch ungemein entlasten. «Das sind bei vielen Nachwuchstalenten Beträge, die sonst wohl die Eltern zahlen würden», sagt Maag. Bei der Wernetshauserin ging es übrigens recht schnell, bis sie eine Patenschaft hatte. Nur wenige Wochen, nachdem sie 2013 ihr Profil aufgeschaltet hatte, sagte ihr die Fritz Gerber Stiftung zu.
Nicht alle haben so viel Glück – manche Profile sind über viele Monate online, ohne dass jemand zugreift. So erging es einst auch Fabienne Schlumpf. Die Wetziker Marathonläuferin bezeichnet sich ohnehin als Spätzünderin, die erst relativ spät zum Leistungssport kam. Sie sagt: «Hätte ich mir mehr Mühe gegeben, wäre da wohl etwas möglich gewesen. Aber es war auch okay so.»
Wer Geld will, muss transparent sein
Unterdessen erhält Schlumpf einen Förderbetrag von der Sporthilfe – und zwar mit jährlich 12’000 Franken den zweittiefsten, der für eine Athletin wie sie möglich ist. Für olympische und paralympische Sportarten geht es von 6000 Franken in 6000er-Schritten hoch bis auf 30’000; für nicht olympische Sportarten von 3000 in 3000er-Schritten bis 15’000.
Für diese Beträge müssen die Athletinnen und Athleten aber etwas mehr tun, als nur ein Profil aufzuschalten. Wer eine Swiss Olympic Card erhält – sie sind je nach Potenzial oder Resultaten abgestuft in Bronze, Silber und Gold und werden von Swiss Olympic auf Antrag der Verbände vergeben –, hat grundsätzlich Zugang zum Fördertopf.
Er muss allerdings grosse Transparenz an den Tag legen, was seine finanzielle Situation anbelangt.
Die Sporthilfe will die Steuererklärung sehen und ein Budget. Sie will wissen, wie die Wohn- und Lebenssituation der Athletin oder des Athleten ist – und wie die Karriereplanung über die nächsten Jahre genau aussieht. Kurz: Das Geld soll nicht einfach irgendwie verteilt werden, sondern jenen zugutekommen, die es auch effektiv brauchen.
Für Schlumpf sind das seit Jahren 12’000 Franken. Dass der Betrag nie höher wurde, darüber beklagt sich die zweifache Olympiateilnehmerin nicht. «Es hängt ja auch vom Aufwand ab – und es gibt finanziell deutlich aufwendigere Sportarten als meine», sagt die Marathonläuferin.
Hoch dürfte der Aufwand für Anja Weber sein – denn die Hinwilerin ist mit Langlauf und Triathlon gleich in zwei Sportarten unterwegs. Es überrascht deshalb nicht, dass sie als eine von nur sechs Athletinnen und Athleten schweizweit und einzige aus der Region 2023 den Maximalbetrag von 30’000 Franken erhielt.
Eine Überraschung – und besondere Hilfe
Aufwendig ist auch die Sportart von Natalie Maag. Im Rodeln geht gerade das Material ins Geld, und die Reisekosten fallen ins Gewicht, sobald man international unterwegs ist. Das in zwei Tranchen ausbezahlte Geld der Sporthilfe ist dabei für sie essenziell – «der Jahresbeitrag ist jeweils relativ schnell weg».
Und Erfolg bedeutet nicht immer finanzielle Vorteile. Für die Weltcup-Rodlerin war die letzte Saison sportlich zwar eine der besten ihrer Karriere – aber auch eine der finanziell herausforderndsten. «Zeitweise war es sehr knapp», sagt Maag.
Jüngst erhielt sie eine positive Nachricht von der Sporthilfe: In dieser Saison wird sie wieder – wie auch schon – mit 18’000 statt 12’000 Franken unterstützt. Eine konkrete Begründung für die Erhöhung erhielt sie nicht – was der Erleichterung natürlich keinen Abbruch tut. Und im letzten Jahr kam für Maag ein unerwarteter und sehr willkommener Zustupf in Form eines Zusatzbeitrags von 2500 Franken, den die Sporthilfe allen unterstützten Elite-Athleten in olympischen Disziplinen ausbezahlte.
Einen ausserordentlichen Beitrag erhielt sie in ihrer Karriere schon einmal im Jahr 2014. Mit 6985 Franken ermöglichte ihr die Sporthilfe damals für ihre Entwicklung wichtige Starts an Weltcuprennen in Übersee.
Solche zusätzlichen Sonderbeiträge zahlt die Sporthilfe in Höhe der effektiven Kosten bis zu einer Obergrenze von 12’000 Franken aus. Es gibt sie projektbezogen wie damals bei Maag, oder aber auch für Härtefälle bei «unvorhersehbaren finanziellen Engpässen, die einen entscheidenden Einfluss auf eine Top-Platzierung an einem vom Verband am höchsten gewichteten Wettkampf oder auf Entwicklungsmöglichkeiten haben», wie es auf der Website der Sporthilfe heisst.
... und am Ende schliesst sich der Kreis
Für Maag ist klar: «Die Sporthilfe macht einen Superjob – und wenn ich von ihr für einen Anlass angefragt werde, dann ist für mich klar, dass ich zusage.» Und sie erwägt, dereinst selber ein Nachwuchstalent mit einer Sporthilfe-Patenschaft zu unterstützen. «Giulia Steingruber tut das, und ich finde es eine sehr schöne Geste», sagt die Wernetshauserin.
Für Fabienne Schlumpf schloss sich der Kreis derweil auf eine andere Weise. Als Teenager sass sie am Super-Zehnkampf jeweils im Publikum, «das war das Highlight des Jahrs für mich». 2018 war sie als «Gladiatorin» selber dabei – und gewann mit ihrem Team sogar. «Aber nicht wegen mir», wie sie lachend nachschiebt.
Es war einer von schon vielen Einsätzen der Wetzikerin an Sporthilfe-Events. Sie sagt: «Wenn ich da bin, mache ich das sehr gern. Denn der Aufwand ist ja vergleichsweise klein für das, was wir Athletinnen und Athleten von der Sporthilfe bekommen.»
