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Bleibt die Null bei Sauber stehen?

Zu feiern gabs für das Hinwiler Formel-1-Team heuer noch gar nix. Bleibt das so?

Paarlauf am Ende des Felds: Valtteri Bottas (vorne) und Zhou Guanyu warten noch immer auf den ersten WM-Punkt der Saison.

Foto: Sauber Motorsport

Bleibt die Null bei Sauber stehen?

Vor den letzten sechs Rennen

18 von 24 Rennen der Formel-1-Saison sind gefahren. Sauber geht als Letzter ins letzte Saisonviertel – das sind die wichtigsten Fragen.

Holt Sauber überhaupt noch einen WM-Punkt?

Es ist die Frage der Fragen für den Hinwiler Rennstall in diesem letzten Viertel der Saison. Sechs Rennen bleiben Sauber noch, um die zweite punktlose Saison nach 2014 zu vermeiden. Über ein Jahr ist es nun her seit dem letzten Punktgewinn. Am 8. Oktober 2023 im GP von Katar (8. Valtteri Bottas, 9. Zhou Guanyu) gab es die letzten fünf Punkte für die Hinwiler.

Seither sind 23 Rennen ohne einen einzigen Top-Ten-Platz vergangen – und die Perspektiven werden nicht besser. Am nächsten an den Punkten war Sauber nämlich ganz zu Saisonbeginn, als Zhou Guanyu in Bahrain Elfter wurde.

Danach entwickelte die Konkurrenz ihre Boliden besser als die Hinwiler. Die feierten sich vor der nun zu Ende gehenden vierwöchigen Pause selber ab für die Ränge 15 und 16, die sie als «Schritt nach vorn verkauften» – von den vier Autos, die sie hinter sich liessen, sahen zwei die Zielflagge aber gar nicht erst.

In Austin soll es nun ein neues Upgrade-Paket geben. Aber ob das noch reicht, um die Durststrecke zu beenden?

Wo sind die Chancen auf einen Punktgewinn am höchsten?

Neue Teile am Auto hin oder her – die Sauber-Fans müssen auf ein Chaosrennen hoffen. Doch davon gibts ausgerechnet in dieser Saison äusserst wenige. Seit dem GP von Kanada im Juni sind neun Rennen vergangen, ohne dass das Safety Car zum Einsatz kam.

Am meisten Potenzial für chaotische Rennverläufe – und damit Chancen für normalerweise chancenlose Teams wie Sauber – dürfte es noch an zwei Wochenenden geben: am 3. November in Brasilien und am 23. November in Las Vegas. Letzteres ist ein Stadtkurs, auf dem Fehler nicht mit dem Umweg über eine Auslaufzone ausgebügelt werden können, sondern in der Leitplanke enden.

Und in Brasilien gingen einige der legendärsten Chaosrennen der Formel 1 über die Bühne. Wenn es da mal regnet, dann richtig. Zudem: São Paulo brachte Sauber schon mehrfach Glück. 2019 wurden Kimi Räikkönen und Antonio Giovinazzi nach einem späten Safety Car Vierter und Fünfter. Und 2016 verhinderte Felipe Nasr als 9. im Regenchaos von Brasilien eine Sauber-Saison ohne Punkte. Gelingt das heuer Valtteri Bottas oder Zhou Guanyu?

Warum taucht jetzt plötzlich der Name Mick Schumacher auf?

Es wirkte eine Zeit lang wie ein Running Gag: Immer, wenn es ein Cockpit zu besetzen gab, brachten deutsche Medien den Namen Mick Schumacher ins Spiel – und immer ging der Sohn des legendären Michael leer aus. Nun taucht der Name des 25-Jährigen im Zusammenhang mit dem freien Sauber-Cockpit neben dem bereits verpflichteten Nico Hülkenberg auf. Ist das einfach ein deutscher Wunschtraum?

Offenbar nicht. Laut Mattia Binotto, der von Audi als absolute Führungsfigur bei Sauber Motorsport installiert wurde, ist Schumacher tatsächlich eine Option. «Ich habe ihn getroffen und mit ihm gesprochen», sagte Binotto in einem Interview mit der italienischen Zeitung «Corriere della sera». «Ich kenne seine Vorteile, er ist einer der Namen, mit denen wir uns beschäftigen.»

Das klingt isoliert betrachtet ja gut – man kann aber auch sagen: Eigentlich ist es ein Armutszeugnis, dass Schumacher jetzt ins Gespräch kommt. Lange wurden ganz viele andere Namen feilgeboten – und nun gehen Sauber offenbar nach und nach alle Optionen aus. Zuletzt galten der Argentinier Franco Colapinto (21) und der Brasilianer Gabriel Bortoleto (20) als heisse Kandidaten – und sogar Valtteri Bottas (35), dessen Abschied aus Hinwil sicher schien. Boulevardmedien vermeldeten eine Vertragsverlängerung mit dem Finnen bereits als unmittelbar bevorstehend – doch das stimmte nicht. Der Knackpunkt soll sein: Bottas will im Gegensatz zum Team einen Vertrag, der nicht nur über ein Jahr läuft.

Und wann fällt der Entscheid über den zweiten Fahrer endlich? «Wir können uns den Luxus leisten, nicht in Eile zu sein, denn alle anderen Teams haben sich für ihre Fahrer entschieden», sagt Binotto. Eine hübsche Formulierung für ein Team, dessen Wunschkandidat Carlos Sainz längst abgesagt hat und das als aktuell abgeschlagener WM-Letzter nicht eben viel Attraktivität ausstrahlt – die Perspektive als Audi-Werksteam hin oder her.

Hat die Krise eigentlich auch irgendetwas Positives an sich?

Tatsächlich hat sie das. Die Formel 1 will für mehr Chancengleichheit sorgen, indem sie den schlechteren Teams mehr Zeit für die Aerodynamikentwicklung einräumt. Alle sechs Monate wird diese für das nächste halbe Jahr neu zugeteilt – und weil Sauber bereits per Ende Juli Letzter war, haben die Hinwiler nun die besten Voraussetzungen. In Zahlen heisst das: Sauber darf 368 Tests im Windkanal durchführen und 2300 Testläufe mit Strömungssimulations-Software. Im Vergleich: Red Bull als (damaligem) WM-Leader stehen nur 224 Windkanal-Einheiten und 1400 Tests mit der Software zur Verfügung.

Die zusätzliche Testzeit in der laufenden Periode bis Ende Dezember kommt dem Auto für 2025 zugute – denn für 2026, wenn der grosse Reglementswechsel ansteht und Sauber als Audi-Werksteam an den Start geht, darf erst ab dem 1. Januar 2025 entwickelt werden. So gesehen ist die aktuelle Baisse für Sauber also gar ein Vorteil – denn auch per Ende Jahr dürften die Hinwiler auf dem letzten Rang stehen.

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