Deshalb sind Uster und Laupen jetzt Spitzenteams
Höhenflüge in der Unihockey-NLA
Sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen führt ein Team aus der Region die NLA-Tabelle an. Der Erfolg kommt für Uster und Laupen nicht unerwartet. Aber ist er auch nachhaltig?
«Stop the count!» – Stoppt die Auszählung! Das Zitat stammt von US-Politiker Donald Trump und kommt in der Sportwelt immer dann zur Anwendung, wenn der Tabellenstand grad so ist, dass man sich ein sofortiges Saisonende wünschen würde.
Im UHC Uster und im UHC Laupen denken sich derzeit wohl viele «Stop the count». Denn die beiden Oberländer Teams liegen an der Spitze der NLA – die Ustermer Männer haben die ersten fünf Spiele gewonnen, die Laupnerinnen stehen bei vier Siegen in Serie.
Es ist zwar nur eine Momentaufnahme – aber eine durchaus historische. Es dürfte eine Premiere sein. Doch wie überraschend kommt der frühe Erfolg für die beiden Coaches? Und wie geht es nun weiter?
Uster: Die Früchte ernten
Der UHC Uster war in den letzten Jahren arg gebeutelt. Der Klub, der konsequent auf den eigenen Nachwuchs setzt, schien sportlich mit dieser Strategie nicht vorwärtszukommen. Vor einem Jahr war er nach der Qualifikation gar Schlusslicht – und nun haben die Ustermer nach fünf Spielen mit 14 Punkten nur einen Zähler weniger auf dem Konto als nach der gesamten letzten Qualifikation.
«In der Tabelle wirkt der Unterschied riesig», sagt Trainer Simon Meier. «Doch so schlecht, wie es letztes Jahr aussah, waren wir nicht. Und die Verbesserung sieht nun krasser aus, als sie wirklich ist.»
Tatsächlich haben die Ustermer vier der fünf bisherigen Spiele mit nur einem Tor Vorsprung gewonnen – das letzte gegen die Tigers Langnau erst nach Verlängerung 5:4, nachdem sie gut drei Minuten vor Schluss noch 2:4 im Rückstand gewesen waren. «Letztes Jahr haben wir viele Spiele sehr knapp verloren, diese Spiele gewinnen wir jetzt», sagt Meier.
Was es braucht, um ein Spiel nicht mehr aus der Hand zu geben oder auch einmal selber eine Wende zu schaffen, das war in der Vorbereitung eines der grossen Themen in Uster – es ist einer der Gründe, die Meier für den aktuellen Höhenflug ausmacht. Ein anderer: die Kontinuität. Abgesehen von den Ausländern blieb das Team beisammen, die jungen Spieler haben ein Jahr mehr Erfahrung – und der Trainerstab, der erst kurz vor der letzten Saison komplett wurde, ist unterdessen eingespielt.
Meier sagt deshalb: «Wir waren letztes Jahr mit anderen Dingen beschäftigt und sind in die Saison hineingeschlittert. Nun wollten wir per Saisonanfang bereit sein. Ich glaube, diese Strategie hat sich bewährt.»
Die für Meier alternativlose Ustermer Nachwuchs-Strategie trägt also Früchte – was für ihn auch eine Genugtuung ist. «Ich weiss nicht, ob immer alle an uns geglaubt haben. Aber die jungen Spieler glauben daran. Jetzt erst recht. Und das hilft in diesem Prozess natürlich.»
Zu Ende ist der Ustermer Weg damit natürlich noch lange nicht, zumal Meier sagt: «Das sind nicht unsere besten Spiele gewesen. Ich habe viele Sachen von uns schon besser gesehen. Wir verhalten uns in entscheidenden Situationen viel besser. Aber rein spielerisch können wir uns deutlich weiterentwickeln. Und das müssen wir auch, wenn wir in Zukunft irgendwann einmal mit den Topteams der Liga konkurrieren möchten.» In der ausgeglichenen Liga hofft er, mit einem Sieg gegen Basel am Sonntag als Leader in die Länderspielpause zu gehen. Danach folgen die Partien gegen die beiden schwach gestarteten Schwergewichte Wiler-Ersigen und Grasshoppers.
Laupen: Die Breite bringts
Nicht ganz so ungewohnt wie für Uster ist der Traumstart für die Laupner Frauen. Im Vorjahr reihten die Oberländerinnen zu Saisonbeginn drei Siege aneinander, verloren danach aber in der Meisterschaft achtmal in Serie. Nun sind sie bereits einen Schritt weiter – indem sie in der vierten Runde Meister Zug 9:5 bezwungen haben. «Wir waren als Leader Favorit, bei Zug ist etwas Unruhe drin – und ich habe gesagt: ‹Frauen, heute ist eine einmalige Chance›», sagt Laupen-Trainer Yves Kempf.
Wenn nicht jetzt, wann dann? Das galt für Laupen nicht nur gegen Zug, es könnte auch das Motto der ganzen Saison sein. Denn während sich die Konkurrenz nach kleineren bis grösseren Umbrüchen erst wiederfinden muss, haben die Laupnerinnen an Substanz zugelegt und vor allem ein breites Kader, in dem auch die Qualität stimmt.
Das Problem ist: Genau diese Breite brauchen die Laupnerinnen auch – sie haben nämlich mit Verletzungssorgen zu kämpfen. Gleich ein Quintett fällt derzeit noch für mehrere Wochen aus – kurzfristige Entspannung gibt es nicht. Und Kempf sagt: «Jetzt darf nicht mehr viel passieren, sonst müssen wir auf dem Transfermarkt noch einmal aktiv werden.»
Respekt hat sich die Equipe mit dem gelungenen Saisonstart sicher schon einmal verschafft. Mit einem Sieg am Sonntag bei den Wizards Bern Burgdorf – wo sie notabene schon am Samstag im Cup spielen – würde Laupen als Leader in die Länderspielpause gehen, ehe das Derby gegen die derzeit punktlosen Floorball Riders und danach der Spitzenkampf gegen die Kloten-Dietlikon Jets anstehen.
Dass die Laupnerinnen die Jets schlagen können, wissen sie seit den letzten Playoffs, dass sie auch Zug bezwingen können, seit dem letzten Wochenende. Bleibt nur noch ein nominelles Spitzenteam, gegen das sie noch nie gewonnen haben: Skorpion Emmental Zollbrück. Dieses Duell steht Ende November an. Gut möglich, dass auch das ein Spitzenkampf sein wird – mit den Laupnerinnen als Leader.
