Mit seinen 1,89 Metern will er hoch hinaus
Skisprung-Talent des SC am Bachtel
Vor zehn Jahren sprang Felix Trunz in Gibswil erstmals von einer Skisprungschanze – nun steht der Athlet des SC am Bachtel an der Schwelle zum Weltcup.
Mit dem Abschluss war er nicht ganz zufrieden. 36. wurde Felix Trunz vergangenen Samstag auf der Grossschanze in Klingenthal, wo das letzte Springen des Sommer-GP stattfand. Der 18-Jährige vom Skiclub am Bachtel liess dabei so manchen Weltcup-gestählten Konkurrenten hinter sich, doch er sagt: «Ich konnte meine Trainingsleistungen im Wettkampf nicht ganz bestätigen.»
Das ist allerdings Kritik auf schon recht hohem Niveau. Denn Trunz zeigte in diesem Sommer einige sehr starke Leistungen. Im rumänischen Rasnov wurde er 5. und 13., im österreichischen Hinzenbach sprang er auf den 18. Rang. Platzierungen wie dieser 36. Rang in Klingenthal oder auch der 39. in Hinzenbach eine Woche zuvor waren da schon Ausreisser nach unten – und das jeweils in einem mit routinierten Weltklasseathleten gespickten Feld.
Trunz steht an einem spannenden Punkt seiner Skispringerkarriere – und er hat bereits bewiesen, wie gut er mit Rückschlägen umgehen kann. Das sagt auch sein Trainer Marvin Scherrer: «Er ist in einer sehr guten Entwicklung und für sein Alter sehr reif. Gerade, wie er die Verletzungsphase im letzten Sommer angegangen ist, zeigt das.»
Im August 2023 erlitt er eine Knöchelverletzung, die sich als Knochenabsplitterung entpuppte. Was anfänglich gar nicht so schlimm erschien, zog eine längere Pause nach sich. «Da liess er sich nicht entmutigen und wusste, wofür er all diese Reha-Übungen macht.» Überhaupt beschreibt Scherrer Trunz als «sehr fokussierten Typ, der genau weiss, wo er sportlich hinwill, und sich nicht aus der Ruhe bringen lässt».
Aus dem Nichts beinahe aufs Podest
Trunz wurde erst Anfang dieses Jahrs wieder fit – gerade rechtzeitig vor den Olympischen Jugend-Winterspielen. Nach nur wenigen Trainings auf der Schanze reiste er nach Korea, wo für ihn der 4. Rang resultierte. Was ihn erst ärgerte, zumal ihn weniger als ein halber Meter vom Podest trennte. Doch mit etwas Distanz sagt er: «Unter diesen Umständen war das schon eine sehr gute Leistung. Ich war nach meiner Verletzung noch gar nicht so weit.»
Trunz überraschte sich quasi selber – und ebenso überraschend kam für ihn rund einen Monat später das Weltcup-Debüt auf der Grossschanze in Lahti – urplötzlich war er mit den Idolen seiner Kindheit im selben Wettkampf. Den Österreicher Stefan Kraft, den mehrfachen Weltmeister und Gesamtweltcup-Sieger, nennt er als Vorbild ebenso wie den Norweger Johann André Forfang.
Letzterer gehört zwar punkto Palmarès nicht zu den absoluten Topspringern – Trunz findet allerdings seine Konstanz beeindruckend. «Seine Art zu springen funktioniert auf jeder Schanze.»
Darum ist die Grösse ein Vorteil
Zu Konstanz muss Trunz selber noch finden – und das ist bei einem jungen Springer normal, zumal sich der Körper verändert und damit auch das Flugsystem angepasst werden muss. Trunz hat diesbezüglich das Gröbste hinter sich. Sein grosser Wachstumsschub war vor zwei, drei Jahren. Nun ist er 1,89 Meter gross – und sagt: «Ich hoffe, dabei bleibt es.»
Trainer Scherrer wertet die Grösse als Vorteil. «Felix hat im Vergleich zum Oberkörper sehr lange Beine und kann deshalb eine enorme Energie freisetzen.» Das hilft beim Absprung am Schanzentisch – was vor allem auf der Normalschanze ins Gewicht fällt, weil dort die Flugphase kürzer ist. Auf der Grossschanze geht es hingegen auch darum, möglichst viel Geschwindigkeit in die erste Flugphase mitzunehmen. Und die Grösse hat laut Scherrer auch den Nachteil, dass einzelne Fehler stärker ins Gewicht fallen.
An die Grossschanzen herantasten kann sich Trunz möglicherweise bald im Weltcup: Nächste Woche wird bekannt, welche Athleten Swiss-Ski in der ersten Weltcup-Phase, die am 22. November beginnt, ins Rennen schicken wird. Trunz etablierte sich im Sommer-GP als drittbester Schweizer hinter Gregor Deschwanden und Killian Peier. Es würde nicht überraschen, wenn er beim Weltcup-Saisonstart mit von der Partie wäre – ausgerechnet in Lillehammer, wo sein Vater Martin Trunz vor 30 Jahren zum zweiten Mal an Olympischen Winterspielen teilnahm.
Das nächste SCAB-Aushängeschild
Die aktive Karriere seines Vaters, der im Weltcup fünfmal in die Top Ten sprang, erlebte Felix Trunz nicht mit. «Aber am TV lief früher oft Skispringen – und da sagte ich, ich wolle es selber einmal ausprobieren.» Acht Jahre alt war er, als er das tat. In Gibswil, was angesichts seines Wohnorts Eggersriet in der Nähe von Rorschach überraschen mag. Der «Simon Ammann Jump Parcours» war ausschlaggebend – ein Nachwuchs-Förderprojekt von Swiss-Ski. Und die Fahrt vom sankt-gallischen Eggersriet nach Gibswil dauert nicht länger als ins Toggenburg nach Wildhaus, wo ebenfalls eine Schanze steht.
Seither springt Trunz für den Skiclub am Bachtel – und ist drauf und dran, dessen nächstes Weltcup-Aushängeschild zu werden nach dem Rücktritt von Dominik Peter vor gut einem halben Jahr. Ein «Schock» sei das für ihn gewesen, sagt Trunz, auch wenn er von den Essstörungen des 23-jährigen Fischenthalers gehört hatte. Dass die Ernährung seither im Verband vermehrt thematisiert wird, spürt Trunz. «Ich fühle mich gut betreut», sagt er.
Und er fühlt sich bereit für das, was sportlich auf ihn zukommt. Im Weltcup dürfte es für ihn darum gehen, Erfahrungen zu sammeln, die Qualifikation zu überstehen (Top 50) und im Idealfall zweite Durchgänge anzupeilen (Top 30). An der Junioren-WM im Februar 2025 geht es aber um mehr. «Da hat er das Potenzial, ganz weit vorne reinzuspringen», sagt Trainer Scherrer.