Uster fehlt ein klarer Leader – und überrascht doch
Interregio-Team zeigt Charakter
Das Auf und Ab beim FC Uster hält an. Das 2:2 gegen Wil 2 ist aber ein Schritt in die richtige Richtung.
Wie kann es sein, dass ein Team eine halbe Stunde lang eine einwandfreie Leistung zeigt, nur um dann von einer Minute auf die andere ohne jeglichen Anlass förmlich zu implodieren?
Diese Frage trieb Usters Trainer Etienne Scholz in den vergangenen Tagen um, nachdem seinem Team am vergangenen Mittwoch in Arbon ebendies zum wiederholten Male widerfahren war.
Der FCU hatte den Gegner gänzlich dominiert und sich Chancen am Laufmeter erspielt, die er aber nicht nutzte. Und dann lief plötzlich nichts mehr zusammen, und die Partie ging verloren.
Mit einer «Super-Energie»
Die anschliessende Besprechung im Team sowie viele Einzelgespräche, die sich insbesondere auch um Einstellung und Charakter drehten, haben vorerst gefruchtet.
Beim 2:2 gegen die Reserven des FC Wil hatten die Ustermer gemäss Scholz jedenfalls wieder «eine Super-Energie auf dem Platz». Sie kamen gegen den aggressiv pressenden Leader zwar einige Male in die Bredouille und hätten auch in Rückstand geraten können. Überwiegend zogen sie sich aber gekonnt aus der Affäre und erarbeiteten sich einige vielversprechende Gelegenheiten. Und nachdem dem Treffer von Raphael Bachmann die Anerkennung wegen Abseits noch verweigert worden war, gingen sie dank eines hübsch herausgespielten Tores von Niko Civelli kurz vor der Pause auch in Führung.
Nie aufgesteckt
Nach der Pause spielte Uster weiterhin konsequent nach vorne, verpasste es aber, das Skore zu erhöhen.
Stattdessen kamen die Gäste dank eines abgelenkten Freistosses auf eher glückliche Weise zum Ausgleich. Dass die Ustermer auch in der Defensive noch nicht so solid sind wie in der Vorsaison, zeigte sich beim zweiten Gegentreffer nur wenig später. Bei diesem profitierte der Tabellenführer nämlich nicht nur von einem Ausrutscher eines Ustermers, sondern auch von Abstimmungsproblemen in der FCU-Abwehr.
Danach stellten die Ustermer aber unter Beweis, dass sie sehr wohl über eine gute Moral verfügen. Sie stemmten sich gegen das drohende Verdikt und kamen in der munteren Schlussphase noch zum Ausgleich; Rafail Tsolakis erzielte ihn aus spitzem Winkel kurz nach seiner Einwechslung.
Nur auf dem Papier erfahrener
Das Problem der latenten Gefahr eines urplötzlichen Leistungsabfalls der gesamten Ustermer Mannschaft ist indes längst nicht gelöst. Ein wichtiger Grund für die fehlende Stabilität ist gemäss Scholz die nur zögerlich vorangehende Hierarchiebildung im Team.
Nach zahlreichen Wechseln in der Sommerpause ist dieses auf dem Papier zwar erfahrener, doch ein eigentlicher Leader hat sich noch nicht herauskristallisiert.
Die wenigen Spieler, welche diese Position unverzüglich einnehmen könnten, sind dazu aus unterschiedlichen Gründen noch nicht imstande. Patrick Schlatter ist nach drei Monaten auf Reisen ebenso noch nicht bereit wie Dominik Cennerazzo nach seinem Kreuzbandriss, und Lukas Rüegg ist dauernd angeschlagen. «Wir brauchen Zeit, die wir eigentlich nicht haben», sagt Scholz, für den die Partie gegen die jungen Wiler aber mindestens «ein Schritt in die richtige Richtung» war.
Uster - Wil 2 2:2 (1:0). – Tore: 37. Civelli 1:0. 54. Buljan 1:1. 66. Ganiyou 1:2. 83. Tsolakis 2:2.