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Er ist mit sich wieder im Reinen

Felix Frohofer gehört an der Heim-WM gar nicht zum Schweizer Aufgebot. Und doch ist der Handbiker aus Russikon am Start.

Der Russiker Handbiker Felix Frohofer bei der WM-Vorbereitung auf dem Malojapass.

Foto: Nadine Fischer

Er ist mit sich wieder im Reinen

Vor der Para-Cycling-WM in Zürich

Der Russiker Handbiker Felix Frohofer hat dieses Jahr einiges umgekrempelt. Die WM ist für ihn also nicht nur Saisonhöhepunkt, sondern auch Gradmesser.

Es ist eine etwas spezielle Mitteilung von Swiss Cycling in dieser Woche. «Die Schweiz steht an der Heim-WM mit einem starken Team am Start», titelt der Verband. 14 Athletinnen und 26 Athleten werden aufgezählt.

Darunter sind auch die Eggerin Muriel Furrer und Lara Liehner aus Ottikon – sie bestreiten die U19-Rennen. Und Benjamin Früh, der Handbiker aus dem Grüt. Der 32-Jährige, unlängst an den Paralympics von Paris (FRA) Diplomgewinner, ist aber gar nicht der einzige Oberländer Handbiker, der an der am Samstag beginnenden inklusiven Rad- und Para-Cycling-Weltmeisterschaften rund um Zürich im Strassenrennen und im Zeitfahren antritt.

Denn da ist noch Felix Frohofer, der weder namentlich erwähnt wird, geschweige auf dem Schweizer Delegationsbild zu sehen ist.

Starten tut der Russiker trotzdem – wie noch weitere sechs Para-Cycler und eine Para-Cyclerin, die ebenso die geforderte Leistung nicht erreichten. Dies, weil Swiss Paralympic über mehr Startplätze verfügt, als es Athletinnen und Athleten gibt, welche die Kriterien erfüllt haben.

Daheim statt im Hotel

Während aber die offiziell Selektionierten an der WM gemeinsam im Teamhotel in Kloten untergebracht sind, reist Frohofer jeweils von seinem Wohnort Russikon aus zu den Wettkämpfen an. Swiss Cycling schreibt zu den Separierten: «Sie werden die Wettkämpfe auf privater Basis bestreiten.»

Frohofer, geboren mit einer Spina bifida (offener Rücken), nimmt es gelassen. «Es ist eher ein Vorteil, dass ich mich in der gewohnten Umgebung vorbereiten kann», sagt er.

Dass der 30-Jährige nicht zum offiziellen Schweizer Aufgebot gehört, ist allerdings keine Überraschung. Frohofer hat in dieser Saison nur wenige Wettkämpfe bestritten. Eine Qualifikation für die Paralympics strebte er gar nicht erst an. Sein ganzer Fokus gilt der Heim-WM.

Handbiker Felix Frohofer bei einem Rennen in Stäfa.
Anfang September trat Felix Frohofer noch bei einem kleinen Rennen in Stäfa an.

Es ist ein bewusster Entscheid nach zwei sportlich unbefriedigenden Jahren, wo er zudem im Winter 2022 noch an der Schulter operiert wurde. «Es ging eher rück- statt vorwärts», sagt er.

Frohofer wurde deshalb von der Nationalmannschaft ins A-Kader zurückgestuft. Der ständige Drahtseilakt zwischen Sport und Arbeit setzte ihm zunehmend zu. Frohofer, der zu 60 Prozent als Sportartikelverkäufer arbeitet, spricht von einem mentalen Stress. «Der Puls war dadurch schon vor dem Training hoch.»

Neuer Trainer, neuer Alltag

Der Oberländer krempelte darum auf diese Saison hin einiges um. Er wechselte nicht nur den Trainer, um neue Impulse zu setzen. Sondern Frohofer setzt sogar ganz auf die Karte Sport. Möglich ist dies, da er als Absolvent der Spitzensportler-RS den Anspruch auf Erwerbsausfallentschädigungen hat.

Dazu kommen kleinere Mandate sowie Beiträge seiner Sponsoren. Damit kommt Frohofer finanziell knapp über die Runden. «Es ist eine Nullrunde», sagt er.

Den Schritt bereut hat er noch nie. Im Gegenteil: Frohofer konnte in Absprache mit seinem Trainer Michael Pleuss seit Anfang Jahr einen sauberen Aufbau betreiben. Rund 14 Stunden trainiert er in der Regel pro Woche. Vor allem bleibt ihm durch die neue Situation viel mehr Zeit für die Erholung. «Dadurch kann ich die Druckstellen nach dem langen Sitzen entlasten», sagt er.

Kurz vor der WM fühlt sich der Russiker im Fahrplan. Ende Juni gewann er bei den Schweizer Meisterschaften in Aire-la-Ville in seiner Kategorie MH4 zuerst Bronze im Zeitfahren, dann Silber im Strassenrennen.

«Die Formkurve zeigt nach oben», sagt Frohofer. Den letzten Schliff für die WM holte er sich beim Höhentraining in St. Moritz.

Die WM-Strecke abgefahren

Auch die Strecken mit Start und Ziel beim Zürcher Sechseläutenplatz konnte der Handbiker zweimal abfahren. Sein Blick richtete sich da auf heikle Kurven, Baustellen und Randsteine. Rangziele will er sich aber nicht setzen.

Frohofer rechnet sich aber fürs coupierte Strassenrennen bessere Chancen aus. Auf der 57,8 Kilometer langen Strecke hat es schöne Flächen und saftige Anstiege drin. Gerade Letzteres liegt ihm. Sein bisher bestes Resultat an einer Weltmeisterschaft gelang ihm auf der Strasse, wo er 2021 in Cascais (POR) auf Platz 10 gefahren war.

Frohofer denkt aber auch schon über die WM hinaus. Mindestens eine Saison will er als Profi weiterfahren. Finanziell dürfte es nochmals enger werden. Er ist dafür auch bereit, Erspartes anzuzapfen.

Parallel dazu plant der Oberländer eine Trainerausbildung – für die Zeit nach der sportlichen Karriere. Für Frohofer ist nämlich klar. In seinen ursprünglichen Beruf will er nicht mehr zurückkehren.

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