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Die «Postergirls» mit dem blinden Verständnis

Zwei beste Freundinnen aus dem Oberland nehmen an der Rad-WM teil – und lachen von Plakatwänden hinunter.

Sie machen gerne gemeinsame Sache: Lara Liehner (links) und Muriel Furrer – hier an der EM.

Foto: Arne Mill/Frontalvision

Die «Postergirls» mit dem blinden Verständnis

Oberländer Juniorinnen vor der Rad-WM

Für Muriel Furrer aus Egg und Lara Liehner aus Ottikon ist die Strassen-WM ein besonderes Highlight – nicht nur, weil sie in Zürich stattfindet.

Mit der besten Freundin an einer WM vor der Haustür teilzunehmen – so etwas gibt es nicht in jedem Spitzensportlerleben. Für die beiden U19-Juniorinnen Muriel Furrer (Egg) und Lara Liehner (Ottikon bei Gossau) wird nächste Woche genau das Realität.

Die 18-jährigen Oberländerinnen starten am Dienstag im Einzelzeitfahren und am Donnerstag im Strassenrennen. «Wir haben schon im Winter begonnen, auf der Strecke zu trainieren», sagt Lara Liehner. Am Donnerstag traf sie im Training auf Athletinnen aus Australien – und spürte: «Jetzt wird es langsam Realität.»

Liehner und Furrer sind nicht nur Teilnehmerinnen, sondern auch Aushängeschilder. Die beiden posieren zusammen mit der Ostschweizerin Sirin Städler für die Plakatkampagne der WM in Zürich – und beide haben schon Reaktionen darauf erhalten.

Muriel Furrer, Lara Liehner und Sirin Städler (von links)
Das Plakatsujet mit Muriel Furrer, Lara Liehner und der Ostschweizerin Sirin Städler (von links).

Furrer freut sich darüber sehr. «Es ist sehr cool, dass viele, die sonst weniger mit dem Radsport zu tun haben, wissen, dass ich mitmachen kann.» Speziell unter Druck fühlen sich die beiden deshalb aber nicht – sie freuen sich darauf, «den Leuten zu zeigen, was beim Velofahren so alles abgeht», wie Liehner es formuliert.

Sandkastenkolleginnen sind die beiden zwar nicht, sie kennen sich jedoch schon seit über acht Jahren, sind oft zusammen unterwegs – und sind so enge Freundinnen geworden. «Wir verstehen uns extrem gut und pushen einander», sagt Furrer. «Es ist sehr cool, das alles mit Lara zu erleben.»

Die letzten Wochen hatten es in sich

Erlebt haben die beiden Juniorinnen viel. Gerade die letzten paar Wochen hatten es in sich – erst die Mountainbike-WM in Andorra, dann die Strassen-EM in Belgien und nun die WM in Zürich. «So eine intensive Zeit habe ich noch nie gehabt», sagt Furrer – und ist auch deshalb froh über die Heim-WM, weil so eine längere Anreise entfällt. Lediglich den Weg aus dem Oberland ins Teamhotel müssen die beiden auf sich nehmen. «Ich spüre keine Müdigkeit», sagt Liehner, «ich freue mich extrem auf die nächste Woche.»

Für Liehner ist es bereits die zweite Strassen-WM. Letztes Jahr in Glasgow wurde sie im Strassenrennen 30. – nun will sie sich weiter vorne klassieren und peilt auch im Zeitfahren die Top 20 an. «Das wäre cool», sagt sie, «aber es geht natürlich auch darum, die Heim-WM zu geniessen.»

Furrer nimmt erstmals an Strassen-Weltmeisterschaften teil. Sie geht das Zeitfahren nicht mit hohen Erwartungen an, denn die ganz flache Strecke am Zürichsee bezeichnet sie als «grosse Challenge». Anders siehts im Strassenrennen aus: «Die Aufstiege und vor allem auch der City Circuit, das kommt mir entgegen.» Ein Rangziel hat sie sich nicht gesetzt. «Mein Ziel ist, alles zu geben, an mich zu glauben und mit viel Commitment zu fahren. Wenn mir das gelingt, bin ich zufrieden.»

Die Bike-EM als bisheriges Highlight

Zufrieden ist das Duo mit dem Saisonverlauf unabhängig von den Resultaten von nächster Woche bereits jetzt. Denn für beide ist die Strassen-WM der vierte Grossanlass der Saison – und beide nennen die Mountainbike-EM vom Mai als bisheriges Highlight.

Für Liehner waren diese Titelkämpfe sehr erfolgreich – sie holte sowohl im Short Track als auch im Cross-Country Silber. Zeitweise führte sie die Weltrangliste der Juniorinnen im Mountainbike gar an. Dass sie aufgrund dieser Resultate den Fokus aber weg von der Strasse hin zum Bike richtet, ist nicht vorgesehen: «Meine Leidenschaft ist nicht nur eine Disziplin, sondern der Radsport als Ganzes», sagt Liehner. Sie freut sich wie Furrer über konstante Leistungen die Saison hindurch.

Und wer weiss – vielleicht machen sich die beiden ihre Freundschaft im Strassenrennen vom Donnerstag zunutze. «Wir werden aufeinander schauen», sagt Liehner. «Manchmal verstehen wir uns, ohne etwas zu sagen.» Blindes Verständnis kann im Renntrubel durchaus von Vorteil sein.

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