Schmerzhaftes Ende, verheissungsvolle Zukunft
Oberländer Töffpilot
Randy Krummenacher ist mit seiner ersten vollen Saison in der Langstrecken-WM zufrieden. Nun will der Grütner mehr.
Am Ende trug er statt eines Podestplatzes einen schmerzenden Fuss davon. Und die Erkenntnis, dass Murphys Gesetz, wonach schiefgehen wird, was schiefgehen kann, in Langstreckenrennen eine besondere Gültigkeit hat. Denn was Randy Krummenacher aus dem Grüt am Wochenende in Le Castellet am Bol d’Or erlebte, dem prestigeträchtigsten 24-Stunden-Event im Motorradsport, hat sehr viel mit Pech zu tun.
Vor allem sein Sturz, der sich früh im Rennen zutrug. Kurz vor einem Boxenstopp hustete der Motor unter Volllast, weil nur noch wenig Benzin im Tank war. Das Vorderrad rutschte weg, Krummenacher kam zu Fall, verlor einige Ränge und spürt seither seinen grossen Zeh.
Immerhin konnte er weiterfahren – aber das war nur der Beginn der Pechsträhne: Zweimal brach an der Maschine das Schaltgestänge, «das ist eigentlich schon unglaublich», sagt Krummenacher. Dann musste er eine Durchfahrtsstrafe verbüssen, weil ein Teamkollege nach dem Boxenstopp von drei statt den erlaubten zwei Mechanikern angeschoben worden war. Und zu guter Letzt, mitten in der Nacht nach über zehn Rennstunden, gab der Motor den Geist auf.
Ein verpasster Sieg?
Auf dem 6. Rang lag das Team Tati Beringer Racing zu diesem Zeitpunkt. Und es bewies damit, wozu es eigentlich fähig gewesen wäre. In der ersten Rennstunde lagen Krummenacher und seine beiden französischen Teamkollegen Corentin Perolari und Hugo Clère gar in Führung. Die Pechsträhne warf das Trio bis auf Rang 33 zurück. «Doch als es dunkel wurde, begannen wir richtig aufzuholen und fuhren Zeiten wie kein anderer.»
Muss Krummenacher also einem verpassten Sieg nachtrauern? Nein, das dann doch nicht. «Suzuki hat ein Hammer-Rennen gezeigt mit einer Rekordzahl an Runden. Niemand war jemals so gut, und das wäre für uns auch nicht möglich gewesen. Aber alles dahinter wäre machbar gewesen.» Und damit wohl auch der dritte WM-Gesamtrang, den sich Krummenacher eigentlich erhofft hatte.
Zufrieden sein mit seiner ersten vollen Saison in der Langstrecken-WM kann er dennoch. Gerade der 5. Rang zum Saisonauftakt in Le Mans und der 3. Rang in Spa-Francorchamps zeigten, dass die Ambitionen der Equipe, das beste Privatteam sein zu wollen, nicht unrealistisch sind.
Es soll so weitergehen
In der Endabrechnung ist Tati Beringer Racing nun zwar «nur» das zweitbeste Privatteam hinter drei Werksteams und einer Equipe, die Werksunterstützung geniesst, «das ist bei uns noch nicht der Fall», sagt Krummenacher. Was die Equipe aber geniesst, ist die Anerkennung der Konkurrenz. «Dass wir mit unserem Material so schnell sein konnten, hat bei den anderen Eindruck gemacht», sagt der Grütner. Erwartet werden konnte das unter diesen Umständen nicht. Das Team hat einen Markenwechsel zu Honda hinter sich, das Motorrad wurde erst ganz kurz vor dem ersten Test geliefert – und man arbeitete mit Material, das sich quasi jedermann im Handel kaufen kann – beispielsweise die Elektronik oder die Reifen.
«Wir haben noch einiges an Verbesserungspotenzial», sagt Krummenacher. Werksunterstützung von Honda dürfte dabei helfen, schliesslich landete Tati Beringer in der WM vor dem Werksteam, was den Hersteller beeindruckte und wohl zu mehr Support veranlasst. Personelle Unterstützung dürfte zudem vom Federhersteller kommen, den Krummenacher dem Team vermittelte. «Das sind alles Dinge, die uns noch schneller und noch konstanter machen werden.»
Die Frage nach seiner Zukunft erübrigt sich also schon fast von allein – der Oberländer würde gerne mit dem Team weitermachen. Unterschrieben ist noch nichts, doch er klingt, als sei der Entscheid bereits gefallen, obschon er auch mit Werksteams Gespräche geführt hat. «Dort ist es oftmals zu politisch», sagt Krummenacher. Bei Tati Beringer verdient er zwar etwas weniger, geniesst dafür einen guten Status. Er spürt, dass sein Wort etwas zählt – das Team sucht beispielsweise auch seinen Rat, wenn es um die Fahrerwahl für die nächste Saison geht, denn einer der beiden Teamkollegen Krummenachers wurde vom Honda-Werksteam unter Vertrag genommen.
Die «gesunde Blase»
Überhaupt behagt dem Oberländer die Langstrecken-WM. Dort anzutreten, war für ihn schon immer ein emotionales Thema, weil sein Vater Peter ebenfalls im Langstreckensport aktiv und erfolgreich war. Enttäuscht wurde Randy Krummenacher nicht. «Es ist der ideale Ort», sagt er, «es ist purer Rennsport mit extrem viel Leidenschaft und viel Menschlichkeit.» Er spürt mehr Wertschätzung als in anderen Rennserien – und sagt: «Es ist noch nicht so vergiftet von durchaus wichtigen Faktoren wie Geld.»
Krummenacher beschreibt die Langstrecken-Szene als eine «gesunde Blase». Eine, in der er sich wohlfühlt. Aber wie in allen anderen Rennserien, in denen er startete, geht es für den unterdessen 34-Jährigen nur um etwas: den Erfolg. «Es ist eine WM, da geht es um eine Goldmedaille. Das ist der Kick für mich – und wenn ich fit bleibe, dann kann ich das doch noch einige Jahre lang machen.»