Warum der neue Riders-Coach plötzlich vom Titel redet
Eine Frage der Mentalität
Die Floorball Riders Dürnten-Bubikon-Rüti starten mit neuem Trainer und stark veränderter Equipe in die Saison. Reicht es diesmal für die Playoffs?
«Wir arbeiten darauf hin, dass wir einen Titel holen. Unabhängig davon, welcher es ist.» Der Satz stammt von Lukas Schlüssel, dem Trainer der Floorball Riders Dürnten-Bubikon-Rüti. Mit nur fünf Punkten waren die Riders in der letzten Saison abgeschlagenes Schlusslicht, sicherten sich im Playout gegen Aergera Giffers den Ligaerhalt – und hatten seither im Kader einen grossen Umbruch. Viel Routine ging verloren, viel Jugend kam hinzu.
Ist es da angebracht, von einem Titel zu sprechen? Eigentlich nicht. Und doch macht der Satz von Schlüssel Sinn, wenn man den Hintergrund etwas ausleuchtet. Was man dazu wissen muss: Schlüssel gehört bei den Floorball Riders quasi zum Inventar, und wer mit ihm spricht, spürt, wie verbunden er sich mit dem Klub fühlt.
An einem anderen Ort Trainer zu sein, das kann er sich offenbar nicht vorstellen. «Ich bin halt die treue Seele», sagt er, «mir ist die Nähe zu den Leuten wichtig, und ich habe ein grosses Vertrauen zu jenen Menschen, mit denen ich schon seit langer Zeit zusammenarbeite.»
«Musste es mir nicht lange überlegen»
Als ihn 2014 der damalige Trainer Stefan Jakob anfragte, ob er als Vertretung einspringen würde, um zwei Wochen lang Trainings zu leiten, wurden daraus fünf Jahre als Assistenztrainer. Ganz weg war er auch danach nie, immer wieder bot er seine Hilfe an und war im Hintergrund aktiv, etwa auch, als es um den Aufbau des Livestreams ging.
Gegen Ende letzter Saison folgte dann das Comeback, als sich der Klub vom Trainerduo Philipp Düsel/Nicola Saluz trennte. Schlüssel sprang ein als Assistent von Interimscoach Thomas Appenzeller. Nun ist Letzterer zusammen mit Giovanni Marti wieder «nur» Sportchef – und Schlüssel Headcoach.
«Ich musste es mir nicht lange überlegen», sagt er. «Es gibt in diesem Verein so viele Leute, die mir wichtig sind.»
Schlüssel war dabei, als die Riders 2015 in den Cup-Final einzogen und gegen die Kloten-Dietlikon Jets nur knapp 2:3 verloren. Nun sagt er: «Das Team, das wir jetzt haben, ist stärker als damals. Und wir haben sehr hart daran gearbeitet, den Spielerinnen klarzumachen, dass sie das genau so erreichen können, in ein Finalspiel einzuziehen.»

Die Winnermentalität. Sie ist ein grosses Thema für ihn, und das korrespondiert mit den Aussagen, die Appenzeller in der letzten Saison nach der Trennung vom Duo Düsel/Saluz machte. Der Umbruch müsse im Kopf stattfinden, sagte Appenzeller damals. Nun findet Schlüssel: «Das Gefühl, auf die hinteren Ränge zu gehören, muss Vergangenheit sein.»
Die Derbys im Fokus
Vor allem denkt er an das Auftreten in den Derbys gegen Laupen, Kloten-Dietlikon und die Red Ants Winterthur. «Das sind sechs Spiele, auf die ich einen grösseren Fokus lege. Nicht nur, weil sie symbolisch wichtig sind.» Sie sind für ihn ein wichtiger Faktor, wenn es um den sportlichen Erfolg geht. «In den letzten Jahren hat in den Derbys etwas das Bewusstsein für solche Spiele gefehlt.»
Das erste Derby steht bereits am Samstag vor Heimpublikum gegen die Kloten-Dietlikon Jets an, und Schlüssel hofft darauf, die Favoritinnen aus dem Unterland mit einem anderen Auftritt überraschen zu können.
Klar ist aber auch: Per Knopfdruck lässt sich die Mentalität nicht ändern; es ist ein Prozess, der Zeit braucht. «Es geht darum, die Spielerinnen immer wieder daran zu erinnern, warum sie so gerne Unihockey spielen, weshalb sie so viel Zeit investieren. Jede hat ihre eigene Geschichte. Das versuche ich ihnen immer wieder bewusst zu machen, auch auf emotionaler Ebene.»
Wie schwer wiegt der Substanzverlust?
Dass es im Team einen Umbruch gab, dürfte punkto Mentalitätswechsel hilfreich sein. Aber wie beurteilt Schlüssel den Verlust an Routine? Leistungsträgerinnen wie Annina Faisst, Iris Brünn oder Melanie Klöti haben aufgehört oder spielen nun anderswo, hinzugekommen sind vornehmlich junge Spielerinnen, auch aus dem Ausland.
Schlüssel findet, die Sportchefs Appenzeller und Marti hätten diesbezüglich einen «Superjob» gemacht. «Dank ihrem Netzwerk fanden sie Spielerinnen, die zu uns passen.»
Dass unter dem Strich bei den neun Abgängen und elf Zugängen eine Verjüngung des Kaders resultierte, ist für Schlüssel kein negativer Faktor. «Die ganze Liga wurde jünger, es gab sehr viele markante Abgänge. Ich denke, unser Durchschnittsalter ist nicht weit entfernt von jenem anderer Teams.»
Die Mischung zwischen Jugend und Routine stimme bei den Riders, glaubt Schlüssel. Nun will er den Beweis antreten, dass der Klub zu mehr fähig ist, als er in den letzten Jahren zeigte.
«Der Erfolg stimmte nicht mit den Rahmenbedingungen und der Basis überein, die hier besser sind als bei manchen Vereinen, die besser klassiert waren als wir. Das wollen wir nun aus dem Schatten heraus ändern. Von uns erwartet ja niemand, dass wir in den Top 4 landen – das macht es einfacher.»
Mit Schlüssels Aussage, auf einen Titel hinzuarbeiten, korrespondiert das zwar nur bedingt. Man kann es aber auch so sehen: Für einen Klub, dem in der letzten Saison 12 Punkte auf den 8. Rang fehlten, dürfte sich schon der Playoff-Einzug wie ein Titel anfühlen.
