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Darum ist Ponti in Uster ein Sonderfall

Der Schweizer Spitzenschwimmer Noè Ponti wechselt nach Uster – das sind die Gründe.

Hier posiert Noè Ponti für die Fotografen an den Schweizer Meisterschaften im April in Uster – nun wechselt er zum SC Uster.

Foto: Keystone

Darum ist Ponti in Uster ein Sonderfall

Neues Aushängeschild des SC Uster

Es ist ein Transferhammer: Der SC Uster kann künftig auf die Dienste des Tessiners Noè Ponti zählen. Die Hintergründe zum Entscheid des Weltklasseathleten.

Es ist ein Transfer, der Aufsehen erregt: Noè Ponti, Olympia-Bronzemedaillengewinner von 2021, stösst zum Schwimmclub Uster. Über 5000 Menschen klickten bei seinem Instagram-Posting zum Wechsel auf «gefällt mir», und der Tessiner erhielt viele wohlwollende und positive Kommentare.

«Willkommen im Team» schreibt etwa Usters Spitzenschwimmer Antonio Djakovic, versehen mit einer Flamme und zwei Händen, die ein Herz formen. Der Klub selber schreibt ebenfalls mit einem Herz versehen: «Danke für Dein Vertrauen». Und die Stadt Uster jubiliert sogar mit einem eigenen Instagram-Post, wo Stadträtin Karin Fehr sagt: «Es ist eine Freude und eine Ehre, dass ein weiterer Weltklasseathlet nach Uster kommt.»

Das ist etwas gar dick aufgetragen – denn so wirklich nach Uster kommt Ponti nicht, und diesbezüglich spielt er auch mit offenen Karten. In seiner Mitteilung zum Wechsel schreibt er: «Ich möchte allen versichern, dass ich weiterhin im Centro Sportivo Tenero unter der Leitung von Massimo Meloni und Andrea Mercuri trainieren werde.»

Pontis Lebensmittelpunkt bleibt also das Tessin, auch wenn er nicht mehr für Nuoto Sport Locarno startet. Und das überrascht nicht. Schliesslich gibt es sportlich auf den ersten Blick überhaupt keinen Grund, am aktuellen Setup etwas zu ändern. An den Olympischen Spielen in Paris wurde er Vierter und Fünfter, schwamm Schweizer Rekorde – Ponti festigte damit seinen Status als Weltklasseschwimmer, auch wenn er die angestrebte Medaille nur um eine Zehntelsekunde verpasste.

Ein Werbeträger für seine Region

Und: Ponti lebt und trainiert dort, wo andere Ferien machen. Der von bewaldeten Bergen umgebene Lago Maggiore ist für viele ein Sehnsuchtsort. Die Gemeinde Gambarogno, wo Ponti aufwuchs und noch immer lebt, war im letzten Jahr schweizweit eine von jenen Destinationen, in denen am meisten Ferienwohnungen gebucht wurden.

Die Tourismusorganisation der Region gehört – neben diversen anderen Tessiner Firmen – mit dem Label «Ascona Locarno» zu den Sponsoren Pontis. In einem Artikel über ihn auf der Website sagt er: «Ich schätze von allem ein bisschen: das abwechslungsreiche, aber nicht extreme Klima, die Landschaft, eine gewisse Ruhe, die Nähe von Familie und Freunden, dass mich die Leute hier kennen, unterstützen und mir das Gefühl von zu Hause geben und natürlich das Essen!»

Dass Uster als selbst ernannte «Wohnstadt am Wasser» da nicht mithalten kann, ist nachvollziehbar. Bleibt die Frage, warum Ponti denn überhaupt zum SC Uster wechselt, wenn er doch weiterhin im Tessin lebt und trainiert.

Staffel-Medaillen im Visier

Die Antwort ist: Um einen neuen Reiz zu setzen im Hinblick auf den nächsten Olympia-Zyklus, der mit den Spielen 2028 in Los Angeles endet. Denn auch wenn die Entwicklung stimmt: Sportler verändern gerne Dinge, um nicht immer im selben Trott zu bleiben.

«Ich glaube, es ist wichtig, neue Herausforderungen und Kooperationen zu suchen, um mit erneuerter Energie zu arbeiten», schreibt Ponti denn auch. Die Klubzugehörigkeit zu verändern, war für ihn eines der kleineren Zahnrädchen im Getriebe – schliesslich geht es nur darum, wo er seine Lizenz hat.

Was überraschen mag: Uster musste sich nicht einmal um Ponti bemühen – der Tessiner fragte bei Klubpräsident Philippe Walter selber an. «Er sagte mir, dass für ihn nur Uster infrage komme», erzählt Walter. Hier kennt er schon diverse Athleten, nicht nur die Nationalkadermitglieder Antonio Djakovic und Gian-Luca Gartmann, sondern auch den seit Längerem für Uster schwimmenden Andrea Mozzini-Vellen. Und natürlich Cheftrainer Pablo Kutscher, der die Ustermer an internationalen Anlässen begleitet.

Was auch ein Faktor sein dürfte: Ponti hat mit dem Wechsel zu Uster die Möglichkeit, noch mehr SM-Medaillen zu gewinnen – die Staffeln der Ustermer sind im Gegensatz zu jenen von Nuoto Sport Locarno Stammgäste auf dem Podest; mit Ponti werden sie das umso mehr sein.

Keine Rolle spielt das Geld. Ponti wird in Uster vom Klub und vom Verband genau gleich finanziell unterstützt wie das in Locarno der Fall war, die Beiträge richten sich je nach Kaderzugehörigkeit.

«Da kann man doch nicht einfach nein sagen»

Ponti ist ein Sonderfall im SCU – das stellt Klubpräsident Walter nicht in Abrede. Er legt eigentlich Wert darauf, dass Neuzugänge ihren Lebensmittelpunkt hier haben oder zumindest einen starken Bezug zur Region. «Aber wenn ein Ponti anfragt, kann man doch nicht einfach nein sagen», findet Walter.

Ponti habe sich sehr konstruktiv und flexibel gezeigt. «Es geht ihm nicht nur darum, zu profitieren, er will auch etwas geben.» Zeitweise wird Ponti in Uster trainieren und punktuell beim Nachwuchs und in der Schwimmschule Trainings geben. Und der Tessiner stellt sich vor, dass im Rahmen dieser Kooperation die besten Ustermer punktuell auch in Tenero trainieren. Diese Möglichkeit gibt es allerdings jetzt schon, womöglich nutzen sie Schwimmer wie Antonio Djakovic künftig öfter.

Für den SCU ist der Wechsel von Ponti selbstredend gewinnbringend. Es dürfte künftig noch schwieriger werden für die Konkurrenz, an nationalen Meisterschaften die Ustermer von der Spitze des Medaillenspiegels zu verdrängen. Walter vermutet zudem, dass es den einen oder andern Neueintritt mehr in der Schwimmschule geben könnte. Und er schliesst nicht aus, dass der Klub auch für den einen oder andern Sponsor noch attraktiver wird, zumal Ponti ein beliebter Sportler ist, der sich gut vermarkten lassen dürfte.

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