Sie sorgen beim UHC Laupen für die Balance
Vor dem Start der Frauen-NLA
Sina Hofmann ist bei den Unihockeyfrauen des UHC Laupen als Captain schon lange die Vertrauensperson. Jetzt kommt es allerdings durch Alena Holst zu einer leisen Wachablösung.
Einmal Captain, immer Captain. Auf Sina Hofmann trifft es zu. Selbst wenn sie sagt: «Ich habe das Amt nie gesucht.» Und sie würde dieses auch jederzeit abgeben, wie die 28-Jährige betont.
Nur eben: Hofmann führt die NLA-Frauen des UHC Laupen schon eine gefühlte Ewigkeit aufs Feld. Sie erlebte den schnellen Aufstieg bis zur höchsten Stufe – dort, wo die Oberländerinnen mittlerweile seit 2018 ein fester Bestandteil sind. Ein Wechsel zu einem anderen Klub machte für sie nie Sinn.
Die beruflich auf der Gemeinde Dürnten tätige Hofmann schätzt den kurzen Weg zum Training und sagt: «Es macht immer noch Spass.» Schon in In jungen Jahren übernimmt sie Verantwortung – in der U21 und im ersten Team. Doppeleinsätze an einem Wochenende waren dazumal keine Seltenheit.
Das Wohl steht im Zentrum
Trainer Yves Kempf, der mit den Laupner Frauen schon in die 13. Saison steigt, weiss, was er an ihr hat. «Sina ist Vertrauens- und Ansprechperson. Sie steht stets hinter dir.»
Hofmann ist keine laute Leaderin. Dem pflichtet sie bei: «Dafür bin ich nicht der Typ. Mir ist es wichtig, dass sich alle im Team wohlfühlen.» Dazu kommt ihr grundsolides Auftreten im Spiel.
Kempf nennt sie eine Kämpferin und ein Vorbild. Hofmann ist durch und durch Teamplayerin, die schon nahezu jede Position auf dem Feld bekleidet hat. «Ich spiele da, wo man mich braucht», sagt sie. Derzeit ist es in der Verteidigung.
All diese Komponenten führen wohl dazu, dass ein Grossteil ihrer Mitspielerinnen sie vor jeder neuen Meisterschaft bei der Wahl des möglichen Captains auf den Zettel schreiben. Dabei füllte Hofmann diese Rolle nicht allein aus. Lange war Annina Eisenbart (heute Suter) der Co-Captain an ihrer Seite und zuletzt Sabrina Aerne.
Nun zeichnet sich allerdings eine kleine Wachablösung ab. Zwar ist Hofmann weiter in der Führungsrolle. Den Hauptpart des Captainamts übernimmt neuerdings aber Alena Holst – im Spiel ebenso ein Allrounderin. Und eigentlich fast eine Ur-Laupnerin. 2014 ist sie im Alter von 17 aus Mittelnkirchen, einer kleinen Gemeinde in der Nähe Hamburgs, ins Zürcher Oberland gezogen.
Holst kommt zuvor an der U19-WM in Polen erstmals mit Yves Kempf in Kontakt. Die Deutsche will die Chance nutzen, um sich beim UHC Laupen weiterentwickeln zu können. Ein Jahr als Au-pair wird abgemacht.
Kempf quartiert sie deshalb vorerst bei seinen Eltern ein. Er sagt mit einem Schmunzeln: «Sie hatten keine Wahl.» Der Verein wird zu ihrer zweiten Familie. Und auch sportlich fasst sie schnell Fuss. Holst fühlt sich wohl – und bleibt. Auch ihre KV-Ausbildung macht sie in der Region.
Von Verletzungen gestoppt
Holst entwickelt sich beim UHC Laupen bald zur Leistungsträgerin, wird aber auch von Verletzungen ausgebremst. Zweimal hintereinander erleidet sie einen Fussbruch. In der Saison 2022/2023 spielt sie keinen Match. Holst lässt sich im Aufbautraining bewusst mehr Zeit, achtet mehr auf die Regeneration.
Sie ist deshalb auch seit der WM 2019 nicht mehr für das deutsche Nationalteam aufgelaufen. «Der Kopf muss dafür wieder bereit sein», sagt Holst. Ein mögliches Comeback will sie bei einem Zusammenzug im November prüfen.
Für Trainer Kempf ist Holst der ideale Gegenpart zu Hofmann für die Captain-Funktion. «Sie macht alles für den Erfolg. Und ist sehr direkt», sagt er. Auf die viel zitierte deutsche Klarheit angesprochen, wiegelt Holst allerdings ab. «Ich bin gar nicht die klassische Deutsche. Nur schon deshalb, weil ich schon so lange hier bin. Sina und ich sind beides gute Zuhörerinnen.»
Der erste Playoff-Akzent
Einig sind sich Trainer und Captains bezüglich dem sportlichen Weg. Nach sechs Qualifikationen für die Playoffs – jeweils im siebten oder achten Rang – soll es einen Schritt nach vorne gehen. Mehr Konstanz im Verlauf der ganzen Saison ist dafür nötig.
Als Zeichen in diese Richtung könnte das letzte Viertelfinal-Duell gegen Kloten-Dietlikon gedeutet werden. Erstmals überhaupt gewannen die Laupnerinnen ein Playoff-Spiel – und dann noch gegen den späteren Meister. «Es sollte auch ein Ziel sein, dass uns Kloten-Dietlikon nicht mehr als Gegner für die Playoffs wählt», sagt Holst.

Dass die Top-3 der Liga, die Gegnerinnen in der unteren Tabellenhälfte ungeachtet der genauen Position wählen können, ist eine Eigenart im NLA-Unihockey. Und so lautete in den letzten vier Jahren dreimal die Viertelfinal-Affiche Laupen gegen Kloten-Dietlikon.
Für einen Laupner Vorstoss in der Tabelle spricht ausserdem die Kadertiefe und -substanz. So viel wie wohl noch nie seit dem Aufstieg ist zumindest auf dem Papier vorhanden. Die vormalige Topskorerin Vanessa Wetten (ehemals Kapp) ist nach ihrer Babypause zurück. Und mit Anna Sigmundova und Veronika Machalkova spielen zwei tschechische U19-Nationalspielerinnen neu für Laupen.
Derweil konnten sämtliche Leistungsträgerinnen gehalten werden. «Wir haben drei starke Linien und dahinter nochmals vier oder fünf Spielerinnen», sagt Kempf.
Es klingt wie eine Kampfansage. Auf jeden Fall sind es vielversprechende Perspektiven vor dem Auftakt vom Samstag gegen Red Ants Winterthur. Trainer Kempf ist überzeugt: «Wenn alle ihr Ego hinten anstehen, ist vieles möglich.»
