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Hier hinkt der Fussball anderen Sportarten hinterher

Wie läufts eigentlich dem Lieblings-Amateurklub gerade? Wer das während einem Spiel wissen will, wird auf der Website des Verbandes nicht fündig. Warum eigentlich?

Wer wissen will, wie Drittligist Wetzikon gerade spielt, schaut auf der Verbandswebsite in die Röhre: Punkto Live-Spieldaten hat der Amateurfussball Nachholbedarf.

Foto: Simon Grässle

Hier hinkt der Fussball anderen Sportarten hinterher

Live-Spielberichte im Amateursport

Wer auf den offiziellen Verbandswebsites Live-Spieldaten sucht, wird beim Fussball nur in höheren Ligen fündig. Warum ist das so?

Wer kennt das Problem nicht: Der Lieblingsklub hat am Wochenende einen Match, doch man kann für einmal selber nicht live mit dabei sein. Und doch hat man das Bedürfnis, so schnell wie möglich informiert zu sein darüber, wie es dem Team gerade läuft, ob es führt oder nicht, wer die Tore geschossen hat – und natürlich wie das Spiel ausging.

Zum Glück gibt es heutzutage Internet und Smartphones. Man trägt die Welt quasi ständig mit sich und hat Zugriff auf nahezu alles, was das Herz begehrt. Sportresultate à gogo aus allen Herren Ländern, Fussball-Liveticker aus den entlegensten Ecken der Welt.

Doch wer wissen will, wer soeben für Zweitligist Greifensee oder Drittligist Wetzikon die Tore geschossen hat, schaut je nachdem länger in die Röhre. Auf der Website des Fussballverbands der Region Zürich (FVRZ) sind zwar die Resultate ab der regionalen 2. Liga abwärts einigermassen aktuell – die Details zu den Spielen aber teils länger nicht abrufbar. Vor allem ist es von Spiel zu Spiel sehr unterschiedlich.

Im Hockey ist fast alles live

Wie es auch anders gehen könnte, zeigt ein Blick über den Fussball-Tellerrand hinaus. Im Eishockey beispielsweise bietet das Gamecenter auf der Website des Verbands auch für tiefere Amateurligen nahezu dieselbe Funktionalität wie bei den Profis in der National League. Die Live-Spielberichte sind effektiv nahezu live. Nicht nur, was den Spielstand anbelangt, sondern auch punkto Torschützen oder Strafen. Ähnliche Services bieten die Verbände im Unihockey oder im Handball an.

Im Fussball passiert das ebenfalls – aber nicht auf regionaler Ebene. Das hat auch damit zu tun, wer für die Übermittlung der entsprechenden Daten zuständig ist. Bleiben wir dafür beim Vergleich mit dem Eishockey: Jeder Hockeyklub ist reglementarisch dazu verpflichtet, einen Punktrichter zu stellen, der den Spielbericht ausfüllt. Bis und mit Stufe 2. Liga muss das mit der Reporter-Software des Verbands per sofort online erledigt werden, darunter gibt es die Weisung, dass die Informationen bis 36 Stunden nach Spielschluss übermittelt werden müssen. In der Praxis sind die Berichte aber auch in der 3. und 4. Liga, den beiden tiefsten Aktivstufen, oft live.

Zurück zum Amateur-Fussball: Auch hier gibt es Live-Spielberichte auf der Verbandswebsite, für die die Klubs selber zuständig sind. Allerdings nur auf Stufe 1. Liga. Dort sind die Vereine verpflichtet, das sogenannte Totomat-Online-System zu benutzen. Sie müssen ebenfalls die Infrastruktur dafür stellen sowie einen Verantwortlichen definieren.

Kein exklusives System

Exklusiv für Erstliga-Klubs ist dieses System nicht. «Es stünde eigentlich allen offen», sagt Martin von Schroeder, Direktor Digital Services beim Schweizerischen Fussballverband, «jeder Verein könnte sich dafür entscheiden, das Totomat-Online-System zu nutzen und einen Verantwortlichen dafür zu bezeichnen».

Dass es auf Stufe 1. Liga und wohl bald auch auf Stufe 2. Liga interregional verpflichtend ist, hängt auch mit dem Livestream-Portal Red zusammen. Die Daten aus dem Totomat-Online-System fliessen nicht nur auf die Verbandswebsite, sondern werden für die Red-Streams genutzt. Einige Interregio-Spiele werden so auch schon abgedeckt – vornehmlich jene mit Beteiligung von ehemaligen Erstliga-Klubs oder solchen, die das werden wollen.

Weiter unten ist die Berichterstattung aber rudimentär – sieht man einmal von vereinzelten Klubs ab, die ihre Supporter über Social Media oder gar über eigene Ticker-Lösungen auf dem Laufenden halten.

Es hängt am Schiedsrichter

Auf regionaler Stufe ist der Schiedsrichter der Flaschenhals. Ihm obliegt es, nach Spielschluss zuerst das Resultat und später die Details zur Partie zu melden. Und das wird je nach Region unterschiedlich gehandhabt. Im FVRZ muss das Resultat bis eine Stunde nach Schlusspfiff gemeldet werden, für die Details haben die Referees Zeit bis zum nächsten Arbeitstag um 20 Uhr.

Vielleicht eröffnet sich in nächster Zeit aber eine neue Möglichkeit. Bisher mussten die Trainer auf einem Papierformular die Spielereignisse ausfüllen und dem Schiedsrichter abgeben, damit er die Notizen mit seinen Aufzeichnungen abgleichen konnte. Neu kann man das online per Handy erledigen. Theoretisch wäre es also möglich, dass diese Daten noch während einer Partie auf dem Verbandsportal angezeigt werden. Per wann dies Tatsache wird, ist laut von Schroeder aber offen.

Klar ist: Eine Meldung per Handy ist attraktiver als auf Papier oder per PC, wie es bis jetzt der Fall war. Es dürften sich dafür eher Freiwillige finden. Klar ist aber auch: Der Erfolg des Systems steht und fällt mit der Qualität der eingegebenen Daten – und das liegt letztlich am Menschen, der sich darum kümmert. «Wenn man das nicht genug ernst nimmt und ständig Daten wieder korrigiert werden müssen, bringt es ja auch nichts», sagt von Schroeder.

FVRZ-Geschäftsführer: «Den Klubs hier Vorschriften zu machen, wäre kein gangbarer Weg»

Benjamin Benz, Geschäftsführer beim Fussballverband der Region Zürich
Benjamin Benz, Geschäftsführer des Fussballverbands der Region Zürich (FVRZ).

Eine Stunde nach Spielschluss müssen die Schiedsrichter das Resultat melden, für die weiteren Daten haben sie Zeit bis zum nächsten Arbeitstag um 20 Uhr. Ist das in Zeiten von Smartphones nicht viel zu viel?
Benjamin Benz: Wenn man es einheitlich regeln möchte, muss man dies so machen. Wir haben rund 700 Schiedsrichter. Darunter viele, die solche Dinge schnell erledigen, andere brauchen aber mehr Zeit, was auch verständlich ist. Manchmal sind die Berichte auch aufwendiger, weil etwas rapportiert werden muss oder es besonders viele Karten gegeben hat.

Gibt es Überlegungen, die Fristen zu verkürzen, je höher die Liga ist?
Das könnte man sicher anschauen, ja. Was wir ebenfalls begrüssen, sind Liveticker-Angebote von Plattformen wie Fupa – wir animieren die Vereine dazu, diese Ticker zu nutzen oder ihre eigenen dort zu verlinken. Es gibt ja durchaus Klubs, die bereits selber Ticker-Angebote haben. Unser Ziel ist, dass 80 Prozent der Vereine in der 2. und 3. Liga diese Möglichkeit via Fupa nutzen.

Auf der FVRZ-Website wären diese Ticker aber nicht. Dort müssten die Klubs mit dem Online-Totomat-System arbeiten wie in der 1. Liga. Warum animieren Sie die Vereine nicht dazu?
Das wollen wir den Klubs nicht vorschreiben – denn der Aufwand dafür ist relativ hoch. Und man darf nicht unterschätzen, dass man dafür auch Leute ausbilden muss. Wenn ein Vereinsfunktionär in diesem System auf den falschen Knopf drückt, kann der Schiedsrichter den Bericht nicht mehr sauber machen. Darum sind wir damit bewusst zurückhaltend. Im Amateur-Spitzenfussball sind solche Sachen sicher machbar – auf unserem Level, wo viele Vereine punkto freiwillige Funktionäre ohnehin schon am Anschlag sind, ist das viel schwieriger. Darum unser Ansatz, dass es auf freiwilliger Basis passieren soll über Plattformen wie Fupa.

Ist es kein Bedürfnis, die Informationen so schnell als möglich, wenn nicht sogar live, auf der FVRZ-Website zu haben?
Natürlich, ich will die Resultate und die Torschützen möglichst schnell auf der offiziellen Verbandswebsite aufgeschaltet haben – das ist meiner Meinung nach schon extrem wichtig. Wir sehen, wie viele Menschen sich auf unserer Seite informieren – am Sonntagabend und am Montagmorgen ist sie deshalb regelmässig schlecht aufrufbar. Doch wie gesagt, wir wollen den Klubs hier keine Vorschriften machen. Es wäre kein gangbarer Weg. Denn wer etwas vorschreibt, muss auch wieder kontrollieren und eventuell sanktionieren.

Apropos kontrollieren: Kommt es oft vor, dass die Schiedsrichter die Fristen nicht einhalten?
Das Sekretariat verschickt in der Regel am Dienstagmorgen rund 10 bis 20 Mahnungen an Schiedsrichter, die die Daten nicht bis zum Montag um 20 Uhr eingetragen haben – bei einer Gesamtzahl von rund 700 Schiedsrichtern.

Was für Sanktionen drohen den fehlbaren Referees?
Beim ersten Mal gibt es eine Mahnung, beim zweiten Mal eine Bussenandrohung und beim dritten Mal eine Busse in Höhe von 50 Franken. Im Wiederholungsfall kann der Betrag höher ausfallen, und wenn dies nicht hilft, kann es auch einmal vorkommen, dass ein Schiedsrichter gesperrt wird.

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