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Im Spitalkeller hat alles begonnen

Christian Berner nimmt ab Dienstag am Giro Suisse teil. Für den Handbiker aus Fällanden ist es der sportliche Höhepunkt des Jahres.

Der Fällander Christian Berner absolviert rund 5000 Kilometer im Jahr auf dem Handbike.

Foto: SPV/Tobias Lackner

Im Spitalkeller hat alles begonnen

Fällander Handbiker

Einmal quer durch die Schweiz mit dem Handbike. Christian Berner aus Fällanden ist gut vorbereitet für den Giro Suisse.

Er kann den Giro Suisse kaum erwarten. «Schon die erste Etappe ist landschaftlich toll», sagt Christian Berner. Der Fällander meint die Route von Safiental bis nach Ilanz. Insgesamt sechs Abschnitte umfasst die heute Dienstag beginnende Handbike-Tour quer durch die Schweiz.

Paraplegiker Berner nimmt sie schon zum dritten Mal in Angriff. Zuerst war er bei einzelnen Etappen mit dabei. Mittlerweile bestreitet der 60-Jährige das gesamte Programm. Und im Gegensatz zu den meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmern auch ohne jede elektrische Unterstützung am Handbike.

Eine besondere Herausforderung wird für ihn die dritte Etappe, die von Disentis aus über den Lukmanierpass nach Castione führt. «Da könnte es etwas streng werden», sagt er.

Doch Berner ist gut vorbereitet. Rund 100 Kilometer absolviert der Informatiker regelmässig pro Woche auf dem Handbike – dabei verschlägt es ihn nach dem Feierabend zumeist in die verschiedensten Ecken des Zürcher Oberlands.

Das Aha-Erlebnis im Keller

Berner ist bereits seit Ende der 1990er Jahre ein begeisterter Handbiker. Er erinnert sich noch genau, als er im Keller des Balgrist-Spitals mit einem an den Rollstuhl geklemmten Vorspannbike ein paar erste Runden drehte. «Ich war sofort fasziniert. Da hat sich für mich eine neue Welt aufgetan», sagt der gebürtige Pfäffiker.

Das war zum Ende seiner stationären Rehabilitation, nachdem er 1997 in Greifensee auf dem Töff mit einem Auto kollidiert war. «Ich bin froh, überlebt zu haben – und um die zweite Chance», sagt er.

Vier Monate ist er in der Folge im Unispital. Nach der Heimkehr zieht er von Uster nach Nänikon. Seine damalige Altbauwohnung im dritten Stock ist für einen komplett Querschnittgelähmten wie ihn gänzlich ungeeignet. Rückhalt erhält er von seinem Arbeitgeber, für den er mit einem tieferen Pensum weiterhin tätig ist.

Berner betreibt schon vor dem Unfall regelmässig Sport. Und er nimmt für ihn fortan eine noch wichtigere Rolle ein. «Meine Mobilität hängt vom Oberkörper ab. Und wenn ich fit bin, wird vieles im Alltag einfacher», sagt er.

Berner erinnert sich an seine erste Runde um den Greifensee mit einem Handbike. «Ich war hinterher nudelfertig», sagt er. Doch das Erlebnis ist für ihn sofort auch ein Antrieb.

Keine höheren Ziele

Höhere sportliche Ziele, wie an einer Weltmeisterschaft oder an Paralympics zu starten, hegte Berner aber nie. Rund 5000 Kilometer legt er im Jahr bestenfalls zurück.

«Um Spitzensport zu betreiben, müsste ich dreimal so viel trainieren», sagt er. Der Fällander bestreitet ab und zu ein Rennen in der Schweiz. Auch am Berlin-Marathon hat er in der Kategorie der Handbiker schon teilgenommen.

Der im Jahr 2020 zum 40-jährigen Bestehen der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung entstandene Giro Suisse hat es ihm sofort angetan. Berner freut sich, neue Gegenden kennenzulernen. Er sagt: «Es ist jedes Mal toll.»

Vor allem ist die geführte Velotour für die Handbiker aufgrund des ganzen Drumherums etwas Besonderes. Was mache ich mit dem Gepäck? Wie wird der Rollstuhl mittransportiert? Solche Fragen stellen sich ihnen bei jeder längeren Tour. Am Giro Suisse wird alles mitgeführt – er ist dadurch gelebte Inklusion. Berner sagt: «So etwas hat es bis anhin nicht gegeben. Da ist eine Lücke ausgefüllt worden.»

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