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Marquart schreibt wieder Geschichte – und ist trotzdem nicht zufrieden

Simon Marquart gewinnt an den Olympischen Spielen ein Diplom. Es wäre aber mehr möglich gewesen, findet er.

Der Mönchaltorfer Simon Marquart fuhr in den drei Halbfinal-Läufen stets in die Top 4, im Final fehlte ihm dann das Wettkampfglück.

Foto: Keystone

Marquart schreibt wieder Geschichte – und ist trotzdem nicht zufrieden

Mönchaltorfer BMX-Fahrer

Simon Marquart stösst in den Olympiafinal vor, hat da viel Pech und hinterfragt den Heimvorteil der Franzosen.

Urs Stanger

Die Geschichte ist bekannt. Simon Marquart ist im BMX der erste Schweizer, der ein Weltcuprennen gewann, Sieger der Weltcup-Gesamtwertung und Weltmeister war. Freitagnacht machten sich Marquart, Cédric Butti, der Vierter wurde, und Bronzegewinnerin Zoé Claessens seit der BMX-Premiere 2008 zu den ersten Schweizern, die in einem Olympiafinal standen.

«Der Final ist nicht schlecht. Doch davon kann man sich nichts kaufen», sagte der siebtplatzierte Marquart wenige Minuten nach dem Zieleinlauf. Zufrieden tönt anders. Mit gutem Grund. In der ersten Kurve drängte ihn der Amerikaner Cameron Wood an den oberen Rand der Piste, gleich darauf stürzte der Australier Izaac Kennedy vor ihm. «Ich sah den Sturz in meiner Fahrlinie, musste bremsen und ausklicken, dann war die ganze Sache gelaufen.» Der Mönchaltorfer trudelte mit zwölf Sekunden Rückstand auf Platz 7 im Ziel ein.

«Am meisten ärgert mich, dass ich das Rennen nicht fertig fahren konnte», sagte er. «Ich wusste, dass mehr drin liegt, ich bin auch zu mehr fähig. Ich habe mich den ganzen Tag gut gefühlt, bin solid gefahren. Mir war klar: Wenn alles aufgeht, liegt ein Top-4-Platz drin.»

Macrons Besuch und der Triumph

Das Podest war durch drei Franzosen besetzt. Joris Daudet, Sylvain André und Romain Mahieu hatten schon vor dem Final alle Läufe dominiert. Zum ersten Mal seit den Turnern 1924, ebenfalls in Paris, gabs einen Olympia-Dreifachsieg für ihr Land.

Das würdigte auch Staatspräsident Emanuel Macron. Mit einer Menge von Sicherheitsleuten tauchte er im Zielgelände auf und sorgte für Aufsehen.

Der Triumph der Franzosen kommt nicht von ungefähr. Sie gehören seit Jahren zur Weltspitze, und sie nutzten ihren Heimvorteil aus. «Das ist ihr Olympia-Trainingszentrum, sie haben eine Wohnung hier, sie waren seit drei Monaten nonstop auf dieser Piste am Trainieren», erklärte Marquart.

«Es geht meiner Meinung nach nicht in die richtige Richtung, dass ein Veranstalter diese Möglichkeit hat und andere Länder die Piste für ein Vermögen mieten müssen. Die Argentinier beispielsweise konnten sich keine Trainings leisten. Wir hatten auch Camps auf der Piste und kannten sie gut. Aber das war dreimal für ein paar Tage.»

Trotzdem wollte er die Leistung der drei Franzosen in keiner Weise mindern: «Sie sind momentan die Besten. Chapeau vor ihrer Leistung, sie standen unter Druck.» Die Erwartungen an sie waren gross, und die Ambiance neben der Piste von Saint-Quentin-en-Yvelines grossartig.

«Es war laut. Das hat mich allerdings nicht aus der Ruhe gebracht, ich bin recht cool geblieben. Das einzige Mal, dass ich eine solche Stimmung erlebt habe, war vor zwei Jahren an der WM in Nantes. Vier Franzosen standen damals im Final.» Und Marquart wurde Weltmeister. «Deshalb wusste ich, dass es nicht unmöglich ist, sie zu schlagen. Im BMX weiss man nie, was passiert.»

BMX Olympia Simon Marquart
Simon Marquart mit seiner kolumbianischen Freundin Gabriela Bolle, die in Paris den BMX-Wettbewerb auf Rang 14 abschloss.

Ein olympisches Diplom sei «sicher besser als ein Halbfinal oder Viertelfinal», sagt der 27-Jährige dann doch noch. «Siebter zu sein, ist nicht schlecht. Ein Schritt in die richtige Richtung. In Tokio bin ich im Viertelfinal ausgeschieden, jetzt war ich im Final. Wer weiss, was in vier Jahren in Los Angeles passiert …»

Zunächst steht anderes bevor. In den nächsten Wochen bleibt er in Winterthur, wo seine Mutter wohnt. Und mit Freundin Gabriela Bolle, die auf Platz 14 fuhr, gehts in die Ferien nach Griechenland.

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