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Im Schlosspark von Paris soll die erste Olympia-Medaille her

Im dritten Anlauf soll es klappen. Der in Bietenholz aufgewachsene Martin Fuchs zählt in Paris zu den grössten Medaillen-Kandidaten.

«Mit Druck kann ich gut umgehen», versichert Martin Fuchs, «eine gewisse Nervosität kommt frühestens, wenn ich in den Sattel steige.»

Foto: PD

Im Schlosspark von Paris soll die erste Olympia-Medaille her

Springreiter aus Bietenholz

Martin Fuchs startet mit grossen Hoffnungen an den Olympischen Spielen. Sowohl mit dem Team als auch im Einzelspringen ist ein Spitzenplatz möglich.

Peter Birrer

Die Bilder wecken Emotionen. Sie schüren die Vorfreude. Sie machen Lust auf Paris. Martin Fuchs hat Fotos der Wettkampfstätte gesehen und gespeichert. «Wunderschön», sagt er und fügt an: «Ich kann mir gut vorstellen, was auf mich und alle Teilnehmenden zukommt.»

Das Stadion liegt nicht irgendwo, sondern im Schlosspark von Versailles und in unmittelbarer Nähe des gleichnamigen Schlosses. Und dort, im Südwesten von Paris, will Fuchs zum Höhenflug ansetzen. Am 1. und 2. August geht er mit der Schweizer Equipe im Springreiten an den Start; am 5. und 6. August steht das Einzel an – und die Zielsetzung ist definiert: Eine Medaille soll herausschauen.

Sein Pferd ist in Form

Ein paar Tage vor der Abreise in die französische Hauptstadt gibt sich der 32-Jährige betont gelassen. «Mit Druck kann ich gut umgehen», versichert Fuchs, «eine gewisse Nervosität kommt frühestens, wenn ich in den Sattel steige.»

Zu tun hat das zweifellos mit dem Selbstvertrauen, das er in den vergangenen Monaten gewonnen hat. Mit dem Schimmelwallach Leone Jei bildet Fuchs ein harmonierendes und höchst erfolgreiches Duo – so erfolgreich wie in dieser Saison waren die beiden gemeinsam noch nie. «Die guten Leistungen geben mir ein sehr positives Gefühl», sagt er, «wir fahren bestens vorbereitet nach Paris. Und ich weiss um die starke Form von Leone Jei.»

Vor drei Jahren noch, bei den Spielen in Tokio, hatte Fuchs auch schon hohe Ansprüche an sich. Er trat als einer der Favoriten an und strebte Gold an. Stattdessen endete die Konkurrenz im Einzel mit einer Ernüchterung. Er setzte sich selber unter enormen Druck und beging Fehler, die ihm normalerweise nicht unterlaufen.

Martin Fuchs mit seinem ehemaligen Spitzenpferd Clooney auf seinem Reithof in Wängi.

Dadurch verpasste er eine Medaille und war nach seinem Auftritt so enttäuscht, dass er psychologische Hilfe in Anspruch nahm, weil er nach dem Wettkampf kaum mehr den Schlaf fand. Clooney, sein damaliges Pferd, sei grossartig gewesen, sagte er, «aber ich habe Clooney im Stich gelassen».

Starkes Schweizer Team

Heute sagt er: «Tokio ist weit weg. Und es gibt einen wesentlichen Unterschied zu damals: Ich war vor jenen Sommerspielen nicht restlos überzeugt, dass es aufs Podest reichen würde. Diesmal ist das Selbstvertrauen viel grösser.» Und: «Leone Jei bringt vergleichbare Qualitäten mit wie Clooney. Und ich bin auch deshalb so optimistisch, weil ich glaube, dass ich in einer ganz anderen Verfassung bin.»

Ausserdem sieht er einen Vorteil, was das Programm angeht. In Paris findet das Team- vor dem Einzelspringen statt. In Tokio wars noch umgekehrt. «Wir verfügen über eine starke Equipe, der ich eine Medaille zutraue», sagt Fuchs, «wenn es uns tatsächlich gelingt, einen Podestplatz zu belegen, hätte das einen positiven Einfluss auf das Einzelspringen.»

Das Palmarès von Fuchs liest sich bislang bereits eindrücklich. Der Mann war in seiner Karriere schon Europameister, Weltcup-Finalsieger, er holte 2018 WM-Silber, an nationalen Meisterschaften räumte er mehrfach ab. Fehlt also noch eine olympische Auszeichnung.

Frankreich als gutes Pflaster

Natürlich wäre ihm die Goldene am liebsten. Aber sehr gut leben könnte er auch mit einer Silbernen oder einer Bronzenen – «Hauptsache ist, dass ich einmal bei Olympia etwas gewonnen habe».

Zuversicht gibt Martin Fuchs zweifellos auch, dass er sich auf französischem Terrain überaus wohlfühlt. In keinem anderen Land hat er so viele Fünf-Sterne-GP für sich entscheiden können wie in Frankreich. «Das ist ein weiterer Faktor, den ich als positives Zeichen werte.»

Am Montag wurde sein Pferd Leone Jei nach Paris transportiert und am Dienstag in Versailles der Veterinärkontrolle unterzogen. Am Montag reiste auch der Athlet an. Und am Donnerstag, am Schweizer Nationalfeiertag, steht er erstmals im Einsatz.

Nach Rio de Janeiro 2016 und Tokio 2021 rechnet er damit, dass Paris 2024 für ihn «ein absolutes Highlight» wird: «Die Spiele finden in Europa und erst noch unweit der Schweiz statt.» Das bedeutet: Viele Familienmitglieder und Freunde werden ihn vor Ort unterstützen.

Von Paris nach Dielsdorf

Sollte er seinen Ambitionen gerecht werden, dürfte sich auch Bietenholz freuen. Im Ortsteil der Gemeinde Illnau-Effretikon betrieb die Familie Fuchs bis zum Wegzug vor acht Jahren einen Handelsstall.

Inzwischen ist Wängi im Thurgau die neue Heimat, und Fuchs sagt mit einem Augenzwinkern: «Ich bin jetzt Thurgauer – aber im Herzen immer noch Zürcher.» Verbunden ist er mit Bietenholz immer noch: Auf einem Bauernhof kauft er regelmässig Obst ein und Jahr für Jahr einen Christbaum.

In Paris wird Martin Fuchs zwischen seinen Einsätzen mit besonderem Interesse vor allem einen Wettkampf als Fan verfolgen: jenen der Dressurreiterinnen. Daran nimmt auch Simone Pearce teil – mit der Australierin ist er liiert.

Und wie sieht der Plan für die Zeit nach den Sommerspielen aus? Schon am Abend des 6. August kehrt Fuchs nach Hause zurück und wird sich keine Pause gönnen. Am 8. August steht er in Dielsdorf am Start. Für ihn ist dieser Start Ehrensache: «Wenn schon ein internationales Turnier unweit von meinem Wohnort organisiert wird, möchte ich dabei sein.»

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