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Knall bei Sauber: Seidl weg, Binotto kommt

Köpferollen im Hinwiler Sauber-Rennstall: CEO Andreas Seidl muss gehen. Als neuen starken Mann setzt Sauber-Besitzer Audi einen Ex-Ferrari-Teamchef ein.

Mattia Binotto ist der neue starke Mann in Hinwil.

Foto: Audi AG

Knall bei Sauber: Seidl weg, Binotto kommt

Audi wechselt Hinwiler Führungscrew

Audi zieht die Notbremse und trennt sich von Sauber-CEO Andreas Seidl sowie von Verwaltungsratspräsident Oliver Hoffmann. Den beiden dürfte ein Machtkampf zum Verhängnis geworden sein.

Noch bevor die Transformation des Hinwiler Formel-1-Rennstalls Sauber zum Audi-Werksteam abgeschlossen ist, zieht der deutsche Fahrzeughersteller erstmals die personelle Reissleine: Sauber-CEO Andreas Seidl und Sauber-Verwaltungsratspräsident Oliver Hoffmann werden abgesetzt. Neuer starker Mann in Hinwil wird der ehemalige Ferrari-Teamchef Mattia Binotto. Nicht als CEO, sondern als Chief Operating Officer und Chief Technical Officer. Der Wechsel Binottos kommt quasi per sofort – am 1. August übernimmt er die Leitung in Hinwil.

Im Sauber-Verwaltungsrat übernimmt der Audi-Vorstandsvorsitzende Gernot Döllner selber die Führung. Das Formel-1-Projekt wird also zur Chefsache – und in der von PR-Sprech geschwängerten Audi-Medienmitteilung lässt sich in Zitaten Döllners erahnen, was der Hintergrund für den Wechsel war.

Ein Machtkampf ohne Sieger

Zwar gibt es, wie es Usus ist, Dankesworte für Seidl und Hoffmann für «ihre wichtige Aufbauarbeit und das Engagement, mit dem sie unseren Einstieg in die Formel 1 bisher vorbereitet haben». Doch Döllner nennt «klare Führungsstrukturen, eindeutige Verantwortlichkeiten, reduzierte Schnittstellen und effiziente Abstimmungsprozesse» als Ziel. Das ist ein Indiz dafür, dass jene vornehmlich deutschen Medienberichte stimmen, wonach in den letzten Wochen zwischen Hoffmann und Seidl ein Machtkampf entbrannt sei. Er endet ohne Sieger.

Gewonnen hat auch das Team in dieser Saison noch nichts. Als einziger Rennstall sind die Hinwiler ohne WM-Punkte, und es gibt keine Anzeichen für einen baldigen Turnaround. Sauber ist WM-Letzter, seit saisonübergreifend 18 Rennen wartet man in Hinwil auf WM-Punkte.

Kein Wunder, zögert Noch-Ferrari-Pilot Carlos Sainz, den man eigentlich als Galionsfigur für den Aufbruch in die Audi-Ära anlocken wollte, mit der Zusage. Und Nico Hülkenberg, den Seidl bereits verpflichtet hat, dürfte argwöhnisch auf die Vorgänge in Hinwil blicken.

Im Hintergrund und im Hintertreffen

Fakt ist: Der Rennstall, der sich in nicht einmal zwei Jahren als Audi-Werksteam Richtung Spitze orientieren will, gibt ein schlechtes Bild ab. Auffällig sind die Boliden auf den Rennstrecken lediglich durch ihre giftgrüne Bemalung, dank der man sie im hintersten Teil des Felds auch aus der Distanz problemlos ausmachen kann. Es ist kein Qualitätssiegel.

Von Alessandro Alunni Bravi, der als «Teamvertreter» so etwas wie ein Teamchef ist, sind nach jedem Rennen hoffnungsvolle Worte und Durchhalteparolen zu hören. Wenigstens äusserte er sich – im Gegensatz zu CEO Seidl, der früher als McLaren-Teamchef noch einer der liebsten und versiertesten Interviewpartner der deutschen Medien war, in seiner Rolle bei Sauber aber nie öffentlich in Erscheinung trat.

Womöglich wegen der lange nicht eindeutigen Besitzverhältnisse. Denn Audi hat erst im Verlauf dieses Jahrs sämtliche Anteile an der Sauber-Gruppe übernommen – im Gegensatz zum ursprünglichen Plan, der vorgesehen haben soll, dass ein Viertel der Firma beim bisherigen Besitzer Finn Rausing bleibt.

Rollen weitere Köpfe?

Die Frage ist nun, ob weitere Köpfe rollen müssen. Technikchef James Key etwa wurde von Seidl als ehemaliger Weggefährte aus gemeinsamen McLaren-Zeiten verpflichtet – sein Leistungsausweis mit dem aktuellen C44-Boliden fällt bescheiden aus, wobei man auch sagen muss, dass er erst im Herbst 2023 nach Hinwil kam und damit nur noch beschränkten Einfluss auf das Design des aktuellen Autos hatte. Doch Sauber hinkt auch in der Weiterentwicklung während der Saison der Konkurrenz hinterher.

James Key, Andreas Seidl
Von Sauber-CEO Andreas Seidl (rechts) hat sich Audi getrennt. Muss bald auch Technikchef James Key (links) gehen?

Auf jeden Fall erhält Key nun Binotto vor die Nase gesetzt; der 54-jährige in Lausanne geborene Italiener sitzt in der Geschäftsleitung und berichtet an den Verwaltungsrat. Was auch bemerkenswert ist: Binotto ist nicht Teamchef. Diese Position ist weiterhin vakant. Dass Alunni Bravi diese bekleiden wird, ist unwahrscheinlich. Zuletzt gab es Gerüchte, wonach der Luxemburger Mike Krack, derzeit Teamchef von Aston Martin, ein Kandidat für den Posten sei. Für ihn wäre es eine Rückkehr nach Hinwil, schliesslich bekleidete er bei Sauber schon verschiedene Positionen als Ingenieur – zu BMW-Zeiten war er Chefingenieur.

Die grösste Frage aber bleibt kurzfristig, wen Audi neben Nico Hülkenberg als Fahrer ab der Saison 2025 verpflichten wird. Lässt sich Carlos Sainz doch noch davon überzeugen, auf Audi zu setzen? Schliesslich ist Binotto sein Ex-Teamchef – und die beiden sollen sich ziemlich gut verstehen.

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