Sauber und das ernüchternde Dutzend
Auch in Silverstone ohne Chance
Zwölftes Rennen, zwölfter Frust: In Silverstone fuhren die Sauber-Piloten erneut deutlich an den WM-Punkten vorbei. Dem Auto fehlt die Pace, dem Team die Attraktivität.
Mit dem Grand Prix von Silverstone fand die erste Saisonhälfte in der Formel 1 ihren Abschluss – und für das Hinwiler Sauber-Team endete dieses 12. Saisonrennen genau gleich wie die elf zuvor: ohne WM-Punkte. Valtteri Bottas als 15. und Zhou Guanyu als 18. und Letzter bewegten sich in Silverstone nie auch nur annähernd in den Punkterängen.
Für Zhou, der im Qualifying Bottas zum ersten mal in dieser Saison übertrumpft hatte, ging der Reifenpoker nicht auf. Der Chinese versuchte es von Startplatz 14 aus im Gegensatz zum Gros des Feldes mit den weichen Reifen und musste deshalb die Box ansteuern noch bevor der erwartete Regen kam. Im ersten, leichteren Regenschauer gehörte er dann zu einem Quartett von Piloten, die es mit Intermediates versuchten – und setzte damit erneut aufs falsche Pferd.
Bottas überdauerte diese erste Regenphase wie die meisten Konkurrenten mit Slicks und wechselte auf Intermediates beim zweiten, stärkeren Regenfenster. Positionen gutmachen konnte er auf der Strecke nicht – dafür fehlte dem Auto schlicht die Pace.
Durchalteparolen statt Erfolgsmeldungen
Es war immer dasselbe in diesen ersten 12 Saisonrennen: Viel Hoffnung im Vorfeld, ernüchterndes Resultat – und dann Durchhalteparolen: Man konnte doch Positives mitnehmen, es sei eng im Mittelfeld, man müsse sich in allen Bereichen verbessern, man werde stärker zurückkehren.
Doch Sauber tritt an Ort. Saisonübergreifend wartet man unterdessen seit 17 Rennen auf Punkte. Und wie schon vor einer Woche in Österreich punktete auch in Silverstone die Konkurrenz: Williams verdoppelte sein Punktekonto dank dem 9. Rang von 2 auf 4 Zähler.
Vier Punkte Rückstand auf WM-Rang 9, 9 auf Rang 8 – das ist nicht alle Welt und in der zweiten Saisonhälfte aufholbar. Schliesslich sind die Margen tatsächlich sehr gering. Vor einer Woche in Österreich machten im Qualifying drei Zehntelsekunden mehr als zehn Ränge aus.
Doch es geht für das Team um mehr als nur den WM-Rang in der aktuellen Saison, es geht um die Zukunft. Ab 2026 ist Sauber als Audi Werksteam am Start und will Richtung Spitze vordringen, bereits per 2025 wird das Hinwiler Unternehmen vom deutschen Hersteller übernommen. Hinter den Kulissen ist vieles im Gange. Vor allem wächst der Rennstall – im Werk an der Hinwiler Wildbachstrasse wird es immer enger, und mit Nico Hülkenberg ist ein Fahrer für das Audi-Projekt bereits unter Vertrag.
Dass der zweite Fahrer Carlos Sainz sein soll ist längst kein Geheimnis mehr. Der Spanier aber, der bei Ferrari für Lewis Hamilton Platz machen muss, lässt sich mit seiner Entscheidung Zeit. Ihm liegen auch Angebote von Williams und von Alpine vor – und im Gegensatz zu den Hinwilern ist bei diesen beiden Teams eine positive Entwicklung sichtbar. So verlockend die Perspektive sein mag für ein Werksteam zu fahren, dem es an Geld und Know-How kaum mangeln wird, so hemmend muss das wirken, was Sauber derzeit auf der Rennstrecke abliefert. Auch die Verantwortlichen bei Audi dürften sich ihre Gedanken machen.
Hamiltons Sieg und ein Rekord
Keine Gedanken mehr machen darüber, ob er noch siegen kann, muss sich Lewis Hamilton. Nach einer Durststrecke von 945 Tagen gewann der 39-jährige siebenfache Weltmeister im Weltmeister endlich wieder einen GP. Sein 104. Sieg war der 9. Triumph in Silverstone – so viele Rennen auf einer Strecke hat noch nie ein Fahrer für sich entschieden.
Entsprechend emotional zeigte sich Hamilton am Funk nach der Zieldurchfahrt, als er mit bebender Stimme und hörbar aufgewühlt sagte: «Das bedeutet mir so viel.»
Weltmeister Max Verstappen sicherte sich im Red Bull dank einem Überholmanöver gegen McLaren-Pilot Lando Norris vier Runden vor Schluss den zweiten Rang und baute seinen Vorsprung in der WM gegenüber Norris auf 84 Punkte aus.
