Sie denkt an Olympia, aber nicht an Paris
Hinwilerin wechselt den Fokus
Das Triathlon-Rennprogramm der Hinwilerin Anja Weber ist in dieser Saison ziemlich überschaubar. Das liegt daran, dass sie zweigleisig unterwegs ist.
Die Worte von Anja Weber vor dem ersten Weltcup-Start diesen Sommer erstaunen. «Vielleicht ist meine Triathlon-Saison nach diesem Wettkampf schon fertig.» Schliesslich scheint die Hinwilerin eben erst richtig in Fahrt gekommen zu sein.
Drei Europacup-Starts hat sie heuer bisher absolviert. Zum Auftakt in Vigo Anfang Juni wurde sie 16. und klagte über Seitenstechen auf der Laufstrecke. «Ein Blödsinn», sagt sie, «das hatte ich schon als kleines Mädchen.» Die Probleme kriegte sie mit Physiotherapie in den Griff.
In Kitzbühel zwei Wochen später war sie dann erkältet und wurde 18. Letzten Samstag – an ihrem 23. Geburtstag – resultierte im niederländischen Holten Rang 12, diesmal ohne Beschwerden, in einem starken Feld. «Das habe ich gut hingebracht. Im Schwimmen und auf dem Velo wars super», sagt Weber. «Läuferisch fehlt mir noch etwas.»
Und nun steht eben an diesem Wochenende der erste Weltcup-Einsatz für sie an im ungarischen Tiszaujvaros an. Die Sprintdistanz (750 m Schwimmen, 20 km Radfahren, 5 km Laufen) gibt es gleich zweimal zu absolvieren – am Samstag als Halbfinal, am Sonntag als Final der besten 30. Unter die Finalteilnehmerinnen will es Weber schaffen.
Das ist kein Selbstläufer, aber auch nicht unrealistisch. Wobei das Feld qualitativ gut besetzt ist. «Das hat mit Olympia zu tun», sagt Weber.
Der Fokus gilt 2026
Mit Olympia hat auch ihre Aussage vom frühen Saisonende zu tun – und zwar gleich in doppelter Hinsicht. Wegen der Spiele in Paris ist der Wettkampfkalender ausgedünnt; der nächste Weltcup findet beispielsweise erst im September statt.
Und: Webers Fokus gilt zwar Olympia, aber den Winterspielen 2026 in Mailand und Cortina, die sie als Langläuferin ins Visier nimmt. Schon in Peking 2022 war sie mit dabei, seither hat sie sich im Langlauf-Weltcup etabliert und läuft regelmässig in die Top 30.
Im Triathlon hingegen ist sie noch weiter von der Weltspitze entfernt, derzeit liegt sie auf Rang 183 der Weltrangliste. Ihr Leistungsniveau widerspiegelt das wohl nicht – doch um sich nach vorn zu arbeiten, müsste Weber mehr Wettkämpfe bestreiten, um Punkte zu sammeln. Darauf will sie den Fokus ab 2026 legen, um die Sommerspiele 2028 anzupeilen.
Vorerst aber geniesst bald die Vorbereitung auf den Winter Priorität – wobei sie durchaus auch an ihrer Triathlon-Laufschwäche arbeiten will, indem sie die Umfänge im Lauftraining hochfährt, auch den Winter hindurch.
Dass sie aus dem Training heraus in dieser Saison doch noch den einen oder andern Triathlon bestreitet, schliesst Weber nicht aus. Womöglich nicht im gewohnten roten Schweizer Dress, sondern in schwarz und pink.
Seit dieser Saison startet die Hinwilerin für den französischen Club Tri Val de Gray, der in der Nähe von Dijon beheimatet ist und dessen Frauenequipe sich Pink Panthers nennt. Für dieses Team nimmt sie an der französischen Klubmeisterschaft teil. Nach drei von fünf Wettkämpfen liegt die Equipe, für die jeweils fünf Sportlerinnen antreten, an dritter Stelle im Gesamtklassement.
Wohlgemerkt – Webers Wechsel ist nur temporär, ihre sportliche Heimat bleibt die TG Hütten, und der Wetziker Michi Rüegg bleibt auch ihr Coach. Der Grund für ihr Engagement in Frankreich ist vor allem ihr Freund, der U23-Vizeweltmeister Baptiste Passemard, der aus der Gegend stammt und im selben Team ist.
Die Starts für «Tri Val de Gray» bringen zwar keine Punkte für die Weltrangliste – aber es sind willkommene Wettkampfgelegenheiten, im Fall von Weber kostenlose. «Der Klub übernimmt alles, ich habe keine Ausgaben.» Die besten Athletinnen seien hingegen in der Position, dass sich mehrere Klubs um sie balgen.
«Wer gut ist und verhandeln kann, der kann da auch Geld verdienen», sagt Weber. Auch das kann für sie mittelfristig zur interessanten Perspektive werden, wenn sie dereinst ihre Triathlon-Saison nicht mehr schon beendet, bevor sie richtig begonnen hat.