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Darum besteht das halbe Schweizer WM-Team aus Oberländerinnen

Kommen die Aushängeschilder im OL künftig aus der Region? An der Junioren-WM sind jedenfalls auffällig viele Oberländerinnen am Start.

Auch an der Junioren-WM schnell unterwegs: Seline Sannwald, Coralie Waldner und Anna Gasser (von links).

Foto: swiss-image.ch

Darum besteht das halbe Schweizer WM-Team aus Oberländerinnen

Starker OL-Nachwuchs

Jörg Greb

Drei Orientierungsläuferinnen des sechsköpfigen Schweizer Teams an der Junioren-WM stammen aus der Region. Ein Zufall ist das nicht.

Es ist eine eindrückliche Zahl: Mit Anna Gasser (Esslingen), Seline Sannwald (Bubikon) und Coralie Waldner (Pfäffikon) stammen drei von sechs Schweizer Orientierungsläuferinnen an der derzeit stattfindenden Junioren-WM im tschechischen Pilsen aus der Region. Zählt man Henriette Radzikowski dazu, sind es sogar vier. Die letztjährige Junioren-Weltmeisterin wird vom Ustermer Marco Rancan gecoacht.

Fragt sich, wie diese überproportionale Oberländer Vertretung möglich ist. Sina Tommer, die persönliche Trainerin von OLG-Stäfa-Mitglied Sannwald, sagt: «In diesen Jahrgängen herrscht ein aussergewöhnlicher und ständiger Vergleich. Die jungen Frauen pushen sich.» Und angesprochen auf die Dynamik unter den Oberländer Nachwuchshoffnungen, ergänzt sie: «Sie sehen sich, stehen in Kontakt zueinander und tauschen sich aus, an Wettkämpfen wie im Training.» Diese Komponente ergänzt sich ideal mit dem Talent.

Breite Kompetenz

Mit der OLG Pfäffikon, der O-Motion und der OLG Stäfa finden Talente der Region Unterschlupf in verschiedenen starken Vereinen. Hinzu kommt das Nationale Leistungszentrum Zürich (NLZ). Bei den rund drei NLZ-Trainingseinheiten pro Monat regelmässig dabei ist Anna Gasser – Seline Sannwald und Coralie Waldner schauen sporadisch herein. Und explizit auf ein zusätzliches, unübliches «Trainingsgefäss» weist Tommer hin: Forch OK.

Um einen offenen Klub für die Jungen von den Jungen handelt es sich. Vereinspräsident Laurin Maurer, 20, sagt: «Wir erkannten vor knapp drei Jahren, dass es in der Region Forch eine grosse Zahl von jungen OL-Talenten gibt. Durch gemeinsames Training, Teambildung und besondere Reize wollen wir das Niveau zusätzlich heben.» Als Plattform für den alters-, vereins- und kaderübergreifenden Austausch sieht sich Forch OK. Trainingsweekends oder -lager ergänzen so die Aktivitäten der etablierten regionalen Vereine.

Trotz allem: OL-spezifisch arbeiten die Talente primär allein und mit ihren persönlichen Trainern. Mit einer Ausnahme: Im Mittwoch-Lauftraining des LC Uster setzen sie regelmässig in der Gruppe von Marco Rancan einen Akzent. Dort zeigt sich das läuferische Kräftevermögen im Eins-zu-eins-Vergleich. Rancan sagt: «Alle sind schnell, und alle spornen sich an, um noch mehr aus sich herauszuholen.»

Eindrücklicher WM-Auftakt

Der Auftakt dieser Junioren-WM glückte gerade aus Oberländer Sicht. In der Mixed-Staffel holte sich Schweiz II mit Seline Sannwald die Silbermedaille. Die Oberländer Schlussläuferin besiegelte den Erfolg nicht nur, sie machte auf ihrem Abschnitt noch einen Platz gut: «Ich hatte von allem Anfang an das richtige Mindset und fokussierte mich aufs OL-Machen und nicht auf den Rang», sagte die 19-Jährige von der OLG Stäfa.

Im Einzelsprint hätte Sannwald schier erneut gejubelt. Nach einem schnellen Start – sie lag zur Rennhälfte in Führung – fehlten am Schluss zwei Sekunden zu Bronze. Teamkollegin Henriette Radzikowski stand ihr am Schluss vor der Sonne. «Der Anfang war nicht grandios, aber ab Posten 4 kam ich in einen guten Flow und konnte gut pushen», sagte die 18-Jährige, die letztes Jahr als Junioren-Weltmeisterin glänzte und in den Kreis für den Sporthilfe-Nachwuchspreis aufgenommen worden war.

Sie schob am zweiten Renntag ihr Malheur vom Vortag beiseite: Weil sie ihren Zeitmess-Badge nicht eingeschaltet hatte, profitierte sie nicht von der Si-Air-Funktion und verlor beim Quittieren an jedem Kontrollposten wichtige Sekunden.

Sannwald ihrerseits gab eine weitere Visitenkarte ihres Könnens ab. Sie startete schnell, lag bis knapp zur Rennhälfte in Führung. Am Ende büsste sie einige Sekunden ein und verpasste das Podest mit Rang 4 letztlich um zwei Sekunden.

Überhaupt trat die Bubikerin von den Schweizerinnen bis anhin am konstantesten auf und wurde auch am Mittwoch über die Langdistanz gute Fünfte, währenddessen sich Radzikowski für einmal mit Platz 19 begnügen musste.

Pech hatte die jüngste Oberländerin im Team, Coralie Waldner. Die Jugend-Läuferin machte einen Misstritt. Im Sprint wie über die Langdistanz musste sie deshalb passen. Bis jetzt solide lief WM-Newcomerin Anna Gasser.

Und mit einer Beobachtung von Trainer Marco Rancan kann man gespannt auf die nächsten Entscheidungen blicken: «Seline Sannwald ist bei uns auf der Leichtathletik-Bahn nicht die Schnellste.» Auf das bekannte Phänomen der Sportart spielt der Vater von Elite-WM-Teilnehmer Riccardo Rancan an: «Das Laufen ist wichtig, aber entscheidend sind schliesslich der Kopf und die richtigen Entscheide.»

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