Der Trainer ist auch ein Prophet
Erfolg für Drittliga-Klub
Der FC Brüttisellen-Dietlikon kehrt nach einem 3:1 über Volketswil in die 2. Liga zurück. Es war der zehnte Sieg im elften Spiel in dieser Rückrunde.
Es ist wohl das entscheidende Signal. Es läuft bereits die Nachspielzeit der ersten Hälfte, als das Brüttiseller Eigengewächs Denis Saipi zum 1:1 gegen Volketswil ausgleichen kann. «In der Pause musste ich drei, vier Spieler wachrütteln. Sie spielten nicht auf ihrem Level», sagt FCB-Trainer Zahir Idrizi.
Seine Worte verfehlen offenbar nicht die Wirkung. Und einmal mehr ist es Antonio Kaba Mangrei, der sein Team endgültig in die Spur bringt. Die offensive Lebensversicherung (sein 31. Tor!) trifft nach rund einer Stunde für den Leader der Gruppe 3. Kurze Zeit später ist mit dem 3:1 von Saipi alles klar (69.).
«Volketswil ist kaum einmal mehr über die Mittellinie gekommen», sagt Idrizi. Brüttisellen-Dietlikon hält damit seinen letzten Verfolger Küsnacht auf Distanz – und kehrt nach zwei Jahren in die 2. Liga zurück.
Kaba Mangrei trifft und trifft
Von einem möglichen Wiederaufstieg hätte beim FCB vor nicht allzu langer Zeit kaum einer geträumt. Enttäuschender Neunter wurde er in der letzten Saison – zwischenzeitlich drohte sogar der direkte Fall in die 4. Liga.
Als Glücksfall erwies sich im Sommer die Verpflichtung von Zahir Idrizi als neuem Coach. Mit ihm kam sogleich frischer Wind ins Team. Der gut vernetzte 38-Jährige formte im Nu eine homogene Mannschaft zusammen. Frühere Brüttiseller kehrten auf den Lindenbuck zurück, dazu gelang mit Kaba Mangrei der Königstransfer.
Idrizi, zuvor Assistenztrainer bei Dübendorf, nahm den 25-Jährigen von seiner alten Wirkungsstätte mit. Statt am Flügel spielte er fortan im Sturmzentrum. «Mit so einem Körper gehört er in die Mitte», sagt Idrizi, der selbst einst auf Stufe Challenge League über 20 Tore erzielte.
Wir werden einige etablierte Spieler dazubekommen.
Zahir Idrizi
Trainer FC Brüttisellen-Dietlikon
Die Massnahme zahlte sich sofort aus. Kaba Mangrei traf in nahezu jeder Partie. Für den Brüttiseller Coach ist klar: «Auch ohne Toni wäre ein Platz in den Top 4 möglich gewesen. Doch um ganz vorne zu sein, da machte er den Unterschied aus.» Das neue Abenteuer in der 2. Liga muss der FCB allerdings wohl ohne Kaba Mangrei angehen. Er dürfte in die 1. Liga wechseln. Sorgen macht sich Idrizi deshalb aber keine. «Wir werden einige etablierte Spieler dazubekommen», sagt er.
Es ist beachtlich, wie konstant Brüttisellen-Dietlikon auftrat. Dabei ist offensichtlich: Idrizi kommt mit seinem spitzbübisch-selbstbewussten Auftreten bei den Spielern gut an. Bereits im Herbst sagte er: «Ich bin überzeugt davon, dass wir in der Vorrunde ohne Niederlage bleiben. Er sollte recht behalten. Selbst wenn die Brüttiseller aufgrund von fünf Unentschieden «nur» auf Platz 3 überwinterten.
In der zweiten Meisterschaftshälfte gab es zwar früh gegen Neumünster (0:1) einen überraschenden Rückschlag. Es sollte aber der einzige Patzer bleiben. «Die Niederlage kam zum richtigen Zeitpunkt», sagt Idrizi. Er ärgerte sich dort über einen überheblich verschossenen Penalty und zu wenig Klarheit im Spiel.
Der wegweisende Sieg
Schon bald verabschiedeten sich Zürich-Affoltern und Volketswil aus dem Aufstiegskampf, sodass Küsnacht als letzter ernsthafter Konkurrent verblieb – bis zum Schluss.
Die Meisterschaft werde nicht heute entschieden, habe ihm der Trainer von Küsnacht vor dem Direktduell von Anfang Juni gesagt, erzählt Idrizi mit einem Schmunzeln. Er konterte und sagte: «Du irrst. Bei einem Sieg geben wir die Führung nicht mehr ab.» Tatsächlich gewannen die Brüttiseller das Spitzenduell 4:3 – und lösten die folgenden Aufgaben allesamt.
Der letzte Schritt ist oft der schwerste. Dies spüren auch die Brüttiseller, je näher die Entscheidung kommt. Idrizi selbst nimmt im Vorfeld extra zwei Tage frei, um auf alle Eventualitäten gut vorbereitet zu sein. In der Nacht vor dem Spiel kann er kaum schlafen. Am Matchtag vor Ort ist sogar der Brüttiseller Profi-Trainer Uli Forte, der die Spieler einzeln begrüsst. Nur: Das Gegenüber Volketswil ist nicht gekommen, um Spalier zu stehen – und geht sogar früh in Führung. «Die wollten uns den Aufstieg versauen», ist Idrizi überzeugt.
Doch dann folgt der erste Streich des eingangs erwähnten 19-jährigen Saipi. «Da wusste ich. Das packen wir», sagt der Trainer.