Weder top noch Flop: So war die Saison des FC Uster
Uster landet auf Rang 8
Für den FC Uster endete die zweite Saison nach dem Interregio-Aufstieg mit einer Niederlage. Philipp Bünter, Leiter Aktive, zieht Bilanz.
Die Saisonbilanz: Konstant unkonstant
Um viel ging es im letzten Saisonspiel gegen Chur nicht mehr – auch wenn die Bandbreite der möglichen Schlussrangierungen noch von 6 bis 10 reichte. Mit der 1:2-Niederlage ist es nun der 8. Rang geworden. Und die Saisonbilanz von Philipp Bünter, Leiter Aktive im FCU, lautet unabhängig davon: «Ich bin zufrieden.»
Gelandet sind die Ustermer dort, wo sie sich vor der Saison selber sahen – im breiten Mittelfeld. Und die Saison verlief so, wie das eben ist, wenn man einige Routiniers ziehen lassen musste und mit einem verhältnismässig jungen Kader arbeitet: «Konstant unkonstant», wie Bünter es formuliert.
Was auffällt: Die Ustermer haben im Vergleich zur direkten Konkurrenz im Mittelfeld ein bescheidenes Torverhältnis von lediglich 59:56. «Defensiv machten wir unsere Sache ganz ordentlich, aber die Tore fehlen etwas», sagt Bünter. Wer die Liga-Torschützenliste nach dem besten Ustermer durchforstet, wird erst weit unten fündig: James Wyndham und Finn Knecht mit je zehn – den absoluten Knipser hatte der FCU nicht. Bünter schränkt aber ein: «Bei unserer Spielweise werden die Tore auf mehrere Schultern verteilt.»

Doch ganz allgemein weiss Bünter: «Der eine oder andere routinierte Leader fehlte uns.» Er denkt dabei an Captain Lukas Rüegg, der wegen Rückenproblemen den Grossteil der Saison verpasste. Er denkt aber auch an die Tatsache, dass Transfers zum FC Uster oft aus einem Grund scheitern: «Wenn man nicht Geld in die Hand nimmt, ist es schwierig, solche Leaderfiguren zu finden.» Das Potenzial zu einem Leitwolf zu werden, spricht Bünter dem einen oder andern Ustermer aber zu. Und er freut sich darüber, wie Patrick Schlatter als Captain in die Bresche sprang. «Er hat Verantwortung übernommen.»
Das Not-Comeback: Sogar der «Alte» stieg in die Hosen
Die Ustermer legten weder grosse Siegesserien hin, noch mussten sie wirklich schwere Krisen überstehen. Die grösste Baisse erlebten sie im Frühling. Im Mai sagte Trainer Etienne Scholz nach vier Niederlagen in fünf Spielen mit 10:19 Toren: «Wir können momentan nur gewinnen, wenn wir sieben Tore schiessen.» Verunsichert und fehleranfällig war der FCU da – was auch mit der Torhütersituation zu tun hatte.

Wegen viel Verletzungspech fehlte die Konstanz auf dieser Position. Erst brach sich der designierte Stammkeeper Boris Steiner die Hand, dann verletzte sich auch Daniel Ramic, der sich im Tor mit Yannick Stierli abwechselte – was sogar dazu führte, dass Bünter sieben Jahre nach seinem Rücktritt ein Comeback gab und in zwei Spielen anstelle von Stierli zum Einsatz kam. Dass sich dieser nicht übergangen fühlte, war Bünter dabei wichtig. «Er sollte nicht als Sündenbock dastehen.»

Die Massnahme fruchtete. «Der Alte, der viel reden kann, aber gar nicht mehr so gut ist», wie sich Bünter beschreibt, half, das Team zu stabilisieren. Was es einfacher machte für Stierli, der danach wieder zum Einsatz kam und beispielsweise beim 2:0-Sieg gegen Wil 2 laut Bünter einen «Riesenmatch» spielte.
Der Trainer: Die letzte Etappe der gemeinsamen Reise
Die Meldung kam im Mai etwas überraschend, denn es gab Gerüchte über einen Wechsel zur SV Schaffhausen. Doch Trainer Etienne Scholz verlängerte seinen Vertrag und bleibt dem FC Uster auch die nächste Saion erhalten. Es dürfte die letzte werden – Scholz hatte das vor einem Jahr schon angedeutet, seine Ambitionen liegen höher, er macht Diplome und strebt ins Profigeschäft.
Das weiss auch Bünter. «Ich bin offen und ehrlich: Ich rechne jederzeit damit, dass er von heute auf morgen weg ist und geniesse jeden Monat, den er bei uns verbringt», sagt der Leiter Aktive. Er bereitet den Klub auf den Moment vor, in dem er einen neuen Trainer braucht. Optionen hat er bereits im Kopf – eine naheliegende wäre etwa Co-Trainer Oscar Barreiro – falls dieser nicht mit Scholz weiterzieht. Und Bünter weiss: «Wenn Etienne in eine Liga geht, in die er Spieler mitnehmen kann, könnte das für uns zum Problem werden.» Er tut also gut daran zu hoffen, dass Scholz nächster Schritt möglichst gross wird.
Die Zukunft: Und was ist jetzt mit der 1. Liga?
2022 der Aufstieg, nun zweimal in Serie im Tabellenmittelfeld gelandet – die 2. Liga interregional scheint derzeit für den FC Uster der richtige Ort. Und kurzfristig ändert sich daran auch nichts. Bünter geht davon aus, dass es im Kader keine grösseren Verschiebungen gibt. Und dass der FCU urplötzlich eine Geldquelle erschliessen kann, die namhafte Transfers ermöglicht, ist auch nicht wirklich wahrscheinlich. Zumal Bünter auch sagt: «Wir werden sicher nie Geld aus dem Fenster werfen, um Routiniers zu holen, die dann bei erstbester Gelegenheit wieder weg sind.» Nachhaltigkeit ist das Stichwort für Bünter – ihm ist wichtig, dass der Klub «von den Junioren über die Frauen bis zur 1. Mannschaft gut dasteht».
Dass der FCU auch unter diesen Umständen an der Spitze der 2. Liga interregional mittun kann, schliesst Bünter nicht aus. «In einer guten Saison ist viel möglich – auch ohne dass man mit der grossen Kelle anrührt», sagt er mit Verweis auf die SV Schaffhausen, die in der Gruppe 4 dominierte, und deren ersten Verfolger FC Frauenfeld.
Und was ist mit dem Fernziel 1. Liga, von dem in Uster immer wieder mal geredet wird? Darüber macht man sich im Klub tatsächlich Gedanken – doch es ist und bleibt vorerst ein längerfristiges Projekt. Denn dafür müsste wohl nicht nur das Budget mehr als verdoppelt werden, sondern es gibt auch infrastrukturelle Themen, bei denen der Verein die Stadt ins Boot holen will. Der Zeithorizont: Bis 2026 will der FCU so aufgestellt sein, dass er beginnen kann, den Aufstieg anzupeilen.
