So tippen Oberländer Spitzensportler die Schweizer EM-Spiele
Von Desinteresse bis Fussballfieber
Wie verfolgen Spitzensportler aus der Region die Fussball-EM? Und was trauen sie dem Nationalteam in Deutschland zu?
Sebastian Stalder, Biathlet
Der Walder besitzt ein paar Fussballschuhe. Und kickt zusammen mit seinen Biathlon-Teamkollegen auch gerne. Für eine Fussballkarriere würden seine Fähigkeiten am Ball allerdings nicht reichen, weiss Sebastian Stalder. Velorennen und Leichtathletik, das sind die zwei Sommersportarten, die er am liebsten verfolgt.
Fussball-Grossanlässe wie WM und EM aber hat er selbstverständlich ebenfalls auf dem Schirm. «Da kommt man automatisch ins Fussballfieber», sagt Stalder. «Ich werde aber sicher nicht die ganze Zeit vor dem Fernseher kleben, die Spiele werden eher im Hintergrund laufen.»
Die volle Aufmerksamkeit widmet er hingegen den Partien des Schweizer Nationalteams. Von ihm hat der letzte Saison beste Schweizer Weltcup-Biathlet auch die letzten Tests gesehen. «Maximal» bis ins Viertelfinal kommen die Schweizer aus seiner Sicht. Wobei Stalder einschränkt: «Ich bin kein Experte, sondern habe einfach Freude, wenn Tore fallen.»
Ungarn - Schweiz 1:1
Schottland - Schweiz 0:2
Schweiz - Deutschland 2:1
Fabienne Kocher, Judoka
Sie war früher an Eishockeymatches und Handballspielen – in ein Fussballstadion schaffte es Fabienne Kocher aber bisher noch nicht. «Das steht aber noch auf meiner To-Do-Liste», sagt die Riediker Judoka. Ins San Siro beispielsweise, auch wenn ihr aus dem Tessin stammender Freund eher der spanischen als der italienischen Liga zugeneigt ist. Deshalb schaut sie sich gerne Partien beispielsweise von Real Madrid an – «da fane ich schon auch mit» – oder verfolgt die Champions League.
Vor allem aber verfolgt sie Grossanlässe, wo es ihr nicht nur um den Sport allein geht. «Mir gefällt die ganze Dynamik und Atmosphäre. Solche Ereignisse verbinden auch Menschen.» Darum wird sie die EM-Partien nicht ausschliesslich daheim mit dem Freund verfolgen, sondern verbindet dies gerne mit einer Grillparty oder dem Besuch eines Public Viewings.
Und was traut sie den Schweizern zu? «Ich hoffe auf eine Viertelfinalqualifikation. Gegen starke Teams sind sie ja oft besser als gegen vermeintlich schwächere Gegner. Es ist viel möglich, mit Spielern wie Sommer, Akanji oder Shaqiri, die liefern, wenn es ernst gilt.»
Ungarn - Schweiz 0:1
Schottland - Schweiz 1:2
Schweiz - Deutschland 1:1
Fabienne Schlumpf, Läuferin
Die beste Langstrecken-Läuferin der Schweiz schaut gerne Sport im Fernsehen. Auf ihrer Favoritenliste stehen dabei Ausdauersportarten. «Langlauf und Biathlon liebe ich», schwärmt Fabienne Schlumpf. Wenig verwunderlich: die 33-Jährige ist generell sehr sportinteressiert. Im Prinzip eine gute Ausgangslage also, um sich auf den Grossanlass in Deutschland zu freuen. Und wie sehr bewegt sie die Fussball-EM?
Die Wetzikerin winkt lachend ab. «Null», gibt sie ohne Umschweife zu. «Mich interessiert Fussball überhaupt nicht und ich komme auch nicht draus.» Immerhin: Schafft die Schweiz den Sprung in den Final, würde die Marathonspezialistin eine Ausnahme machen und den Fernseher einschalten.
Nicht immer stand die Sportart bei Schlumpf so klar im Abseits. Als Mädchen war sie häufig am «tschutten». Sie sei zwar nicht die Beste gewesen, «aber ich machte es gerne.» Schlumpf sagt allerdings auch: «Das ist verjährt. Jetzt kann ich es nicht mehr mit den Bällen.» Sie tippt trotzdem. Und prognostiziert der Schweiz das Aus im Viertelfinal, was sie mit dem Kommentar verziert: «Der Klassiker halt.»
Ungarn - Schweiz 0:2
Schottland - Schweiz 1:1
Schweiz - Deutschland 0:1
Anja Weber, Langläuferin und Triathletin
Die Hinwilerin ist ein polysportives Talent und hat in ihrer Jugend alle möglichen Sportarten ausprobiert. Eine Karriere als Fussballerin stand aber nie zur Debatte für die 22-Jährige, die sowohl im Langlauf und im Triathlon Kaderstatus geniesst. «Für mehr als Grümpelturniere reichte es nicht», sagt Weber. Und wenn sie Fussballspiele schaut, dann nicht etwa im Letzigrund, sondern auf dem Hüssenbüel – ihr Bruder kickt beim FC Hinwil.
Einmal war sie in Valencia im Stadion – als Freizeitbeschäftigung nach einem Wettkampf. «Die Stimmung in so einem grossen Stadion zu erleben, ist schon cool», sagt Weber. Darum beneidet sie die Fussballer auch. «Das ist bei uns schon ein wenig anders. Wie auch die Verdienstmöglichkeiten», sagt sie lachend.
Fussball-Grossanlässe verfolgt sie – «die kann man ja fast nicht nicht verfolgen». Dabei interessiert sie vor allem das Abschneiden der Schweiz, wenn es entscheidend wird. «Je weiter sie kommen, desto mehr schaue ich», sagt die Hinwilerin. Und wie weit kann es für das Nationalteam gehen? Webers Prognose: «Der Viertelfinal ist möglich, danach wirds ziemlich hart.»
Ungarn - Schweiz 1:2
Schottland - Schweiz 0:1
Schweiz - Deutschland 0:2
Antonio Djakovic, Schwimmer
Als Doppelbürger hat Antonio Djakovic an der EM gleich zwei Eisen im Feuer: die Schweiz und Kroatien. Gerne würde der Ustermer sich alle Spiele dieser zwei Teams anschauen. «Doch es dürfte schwierig werden», vermutet der Spitzenschwimmer. Der Grund dafür: Djakovic bereitet sich momentan im kroatischen Rjeka auf die EM in Belgrad vor, an der er ab Montag im Einsatz steht. Der Freistil-Spezialist hat sein Olympiaticket bereits im Sack – die EM in Serbien ist für ihn darum ein reiner Trainingswettkampf.
Dass Djakovic so viel von der Fussball-EM wie möglich aufsaugen möchte, kommt nicht von ungefähr. Bis zum Alter von 10 spielte er selber Fussball, ehe er sich fürs Schwimmen entschied. Die Erfolge im Bassin geben dem WM-und EM-Medaillengewinner recht. Fussball zählt neben Tennis aber auch heute noch zu jenen zwei Sportarten, die den 21-Jährigen abseits des Wassers am meisten interessieren.
Die Gruppeneinteilung der Schweizer in Deutschland kann der Fan von Real Madrid jedenfalls problemlos runterrattern. Und findet zugleich: «Das ist keine einfache Gruppe.» Doch Djakovic ist überzeugt von den Qualitäten der Schweizer. «Sie haben ein sehr gutes Team» sagt er und glaubt: «Die Schweiz kommt ins Viertelfinal.» Ist da Endstation oder gehts gar noch weiter? Der Schwimmer lässt sich bei dieser Frage nicht auf die Äste hinaus und sagt: «Je nachdem wie sie sich im Viertelfinal schlagen. Es entscheidet sich im Kopf.»
Ungarn - Schweiz 1:2
Schottland - Schweiz 1:3
Schweiz - Deutschland 2:2
Natalie Maag, Rodlerin
Die Leichtathletik-EM hat Natalie Maag fasziniert verfolgt. In jeder Mittagspause und auch am Abend sass sie darum jeweils vor dem Fernseher und fieberte mit den Schweizerinnen und Schweizern mit. «Ich bin mega sportbegeistert», sagt die Wernetshauser Rodlerin über sich. «Die Olympischen Spiele schaue ich mir wohl komplett an.» Den ursprünglichen Plan, nach Paris zu reisen, liess Maag allerdings wieder fallen. Zu kompliziert war ihr die Ticketsuche, zu teuer die Eintritte.
Präsent ist auch Fussball in ihrem Leben. Die im deutschen Team integrierte Weltcup-Athletin kickt regelmässig. «Standard vor jedem Krafttraining ist, eine Stunde Hallenfussball zu spielen», sagt Maag. Ihre Fähigkeiten mit dem Ball sind ihr aber keine Schwärmerei wert. «Es gibt gute Tage, es gibt aber auch schlechte Tage», sagt die 26-Jährige und lacht herzhaft. «Hauptsache ist doch, dass man sich bemüht.»
Die Fussball-EM interessiert sie indes kaum. Dabei hat die Oberländerin sogar einen Bezug zum Schweizer Nationalteam, dem sie «mit Dusel» den Vorstoss ins Viertelfinal zutraut. Manuel Akanji war an der United School of Sports mit ihr in der Klasse. Kontakt hat sie mit dem Innenverteidiger von Manchester City aber längst keinen mehr. «Aber es ist schon noch cool zu wissen, der war mal mit mir in der Schule.»
Ungarn - Schweiz 0:2
Schottland - Schweiz 1:1
Schweiz - Deutschland 0:2
