Aus dem Nichts in die Bundesliga
Fussballerin aus Volketswil
Aus dem GC-Nachwuchs zu einem der renommiertesten Adressen im europäischen Frauenfussball: Die Volketswilerin Mia Schmid hat sich bei Turbine Potsdam schnell zu einer festen Grösse entwickelt.
Elf Schweizer Fussballerinnen spielten in der letzten Saison in der Bundesliga. Jede davon zählt zum Kreis des Nationalteams. Etwas aus der Reihe tanzt da Mia Schmid. Die junge Volketswilerin läuft ebenso bald in der höchsten deutschen Spielklasse auf – selbst wenn sie noch nie das Schweizer Trikot getragen hat.
Zum 1. FFC Turbine Potsdam hat es Schmid auch so gereicht – und mit dem Traditionsklub eben erst den Sprung in die Bundesliga geschafft. Ihre Vorfreude ist gross – sie sagt: «Es geht ein Traum in Erfüllung.»
Es ist ein beachtlicher Erfolg. Nicht wegen des eigentlichen Aufstiegs, der war Turbine zuzutrauen – dem sechsfachen Meister (zuletzt 2012) und zweimaligen Champions-League-Sieger.

Sondern vor allem, weil Schmid mit knapp 19 in ihrem ersten Jahr im Ausland bereits zu einer festen Grösse im Team gewachsen ist – und in 21 von 26 Partien zum Einsatz kam. Im Endspurt der Meisterschaft bestritt sie als Innenverteidigerin sogar sämtliche Spiele über die gesamte Distanz. So auch beim entscheidenden letzten Spiel in Ingolstadt, wo nach Rückstand noch ein 2:1-Sieg resultierte.
Via Probetraining zum Vertrag
Dass Schmid eine solche Entwicklung durchmachen würde, war nicht zu erwarten. Via Probetraining konnte die damalige U19-Spielerin der GC Frauen sich im Mai 2023 für einen Vertrag empfehlen. Im Training sollte sie aufgebaut werden. Um Wettspielpraxis zu erlangen, waren vorerst Einsätze in der zweiten Potsdamer Mannschaft in der Regionalliga Nordost vorgesehen. Der eigentliche Plan ist schnell überholt. Und Schmid spielt im zweiten Team keine Minute.
Nur wie kam es überhaupt zum Wechsel ins Ausland? «Den habe ich eigentlich nicht so früh gesucht. Doch ich habe für mich keine Zukunft mehr bei GC gesehen. Und dann hat sich durch meinen Berater diese Möglichkeit ergeben», sagt sie.
Tatsächlich war Schmid zwar Captain in der U19 von GC. Im ersten Team trainierte sie allerdings nur einmal in der Woche. Ihre Einsätze auf höchster Stufe sind an einer Hand aufzuzählen.
Für André Moita Saraiva, dem Betreiber des Frauenfussball-Blogs «abseits.ch», hat das seine Gründe. Durch die hohe Investition in auswärtige Spielerinnen von GC sei es für die Spielerinnen aus dem eigenen Nachwuchs schwer, ins erste Team nachzurücken, meint er.
Als möglicher nächster Schritt hätte er deshalb bei Schmid einen Wechsel zu Rapperswil-Jona, Aarau – zwei schwächeren Teams aus der Women’s Super League – oder in die zweitklassige NLB erwartet. «Potsdam kam insofern überraschend», findet er.
Gefordert auf allen Ebenen
Es sei dann alles so schnell gegangen, sagt auch Schmid. Etwas Zeit brauchte sie deshalb, um sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden. Die frühere Juniorin des FC Volketswil lebt zuerst in einer WG, zieht aber schon bald in eine eigene kleine Wohnung.
Ihre kaufmännische Ausbildung setzt sie zunächst in Deutschland fort, kommt dann aber zum Schluss, diese abzubrechen. «Es war mir nicht mehr möglich, so alles unter einen Hut zu bringen», sagt Schmid.
Eine flexible Alternativlösung wurde gefunden. Seit Anfang Jahr lernt sie nun online fürs deutsche Abitur. Die rare Freizeit verbringt die 1,73 Meter grosse Volketswilerin meistens mit Teamkolleginnen. Oder der Familie – wenn die Eltern und ihre Geschwister zu Besuch kommen.
Und in eine ganz andere Welt ist Schmid auf dem Fussballplatz eingetaucht. Tempo und Intensität brachten sie im Alltag mit sechs Trainings pro Woche zunächst an die Grenzen. «Das war nicht einfach», sagt Schmid.
Mit voller Kraft zurück in die Bundesliga. Das war nämlich das Ziel des einstigen Leuchtturms des deutschen Frauenfussballs – nach dem erstmaligen Abstieg aus der Bundesliga. Die Liste von echten Grössen in der Geschichte von Turbine Potsdam ist lang.
Lia Wälti dient als Vorbild
Zu diesen zählt auch Lia Wälti, die von 2013 bis 2018 das Trikot des Vereins trug. Es war für den Captain des Schweizer Nationalteams die erste Station im Ausland. Schmid bezeichnet Wälti sogar als Inspirationsquelle.
«Mir gefällt ihr souveräner Spielstil und die Art, wie sie ihre Führungsrolle wahrnimmt», sagt Schmid über ihr Vorbild. Während die Bernerin längst bei Arsenal, einem der aktuell besten Adressen unter Vertrag steht, ist Turbine Potsdam in der Zwischenzeit in Deutschland sportlich überholt worden.

Eine besondere Stellung hat der reine Frauenfussball-Verein allerdings noch immer inne. Zu sehen ist er nur schon am hohen Zuschauerschnitt. Fast 800 Besucherinnen und Besucher kamen selbst auf zweithöchster Stufe zu den Heimspielen. «Auch auswärts sind unsere Fans in der Überzahl», sagt Schmid.
Entsprechend gross ist die Freude und Erleichterung nach dem sofortigen Wiederaufstieg auch im Umfeld. Eine der ersten Gratulationen kam sogar von ganz hoher Stelle. «Es zeigt, dass sich Hartnäckigkeit und harte Arbeit auszahlen», sagt die deutsche Aussenministerin Annalena Baerbock. Es sind Worte, die auch für Mia Schmid gelten.
