So war die Saison der Oberländer Auslandsprofis
Von Freuler bis Pinthus
Sechs Fussballprofis mit Wurzeln in der Region waren in dieser Saison im Ausland engagiert. Eine Rundschau von Deutschland über Polen bis nach Indonesien.
Remo Freuler: Die Rückkehr und die schöne Perspektive
Der Wechsel von Nottingham Forest zurück nach Italien im letzten Herbst lohnte sich für Remo Freuler. In England hatte er in der Saison 2022/2023 zwar lange einen Stammplatz, verlor diesen aber im Frühling und strebte deshalb einen Wechsel an, der just zum Ende der Transferfrist leihweise noch zustande kam.
In Bologna dauerte es nicht lange, bis er wieder in seine angestrebte Rolle fand: Freuler stand schon bei zweiter Gelegenheit in der Startformation. 30 von 36 möglichen Serie-A-Partien bestritt er von Beginn weg – die letzten fünf gar als Captain. Auch dank ihm spielte Bologna unter Trainer Thiago Motta die beste Saison seit Jahrzehnten und qualifizierte sich als Fünfter gar für die Champions League. Der Erfolg hat auch für Freuler Folgen – Bologna hat die Kaufoption gezogen, der Hinwiler bleibt mit einem Vertrag bis Sommer 2026 in Italien.
Es ist eine schöne Perspektive für den 66-fachen Nationalspieler. Schliesslich hat er vor dem einjährigen Abstecher nach England 260 Partien in sechseinhalb Saisons für Atalanta Bergamo absolviert. Und als er im März mit Bologna nach Bergamo zurückkehrte und 2:1 gewann, wurde Freuler von den Atalanta-Fans nicht ausgepfiffen, sondern gefeiert.
Nico Elvedi: Geblieben, um zu gehen
Auch Nico Elvedi liebäugelte im Herbst 2023 mit einem Wechsel – es klappte allerdings nicht mit dem nächsten Karriereschritt nach acht Jahren bei Borussia Mönchengladbach. Stattdessen verlängerte er seinen Vertrag bis Sommer 2027. Die ersten beiden Spiele der Saison verpasste er wegen der Transfergespräche – doch in den weiteren 32 Bundesliga-Spielen stand er 28-mal von Beginn weg auf dem Platz. Bestnoten verdiente sich der 27-Jährige dabei allerdings keine.
Und die Frage ist: Bleibt er auch über diese Saison hinaus in Mönchengladbach? Die von Gerardo Seoane trainierten «Fohlen» enttäuschten mit dem 14. Rang in der Liga und dürften den Kader wohl umbauen. Laut dem «Kicker» soll der Klub bei Angeboten für Elvedi gesprächsbereit sein. Und in einem Onlinevoting der «Bild»-Zeitung, das von 24’000 Usern beantwortet wurde, war Elvedi mit 23 Prozent der am zweitmeisten genannte Spieler bei der Frage, wen Gladbach unbedingt verkaufen sollte.
Im Nationalteam hingegen ist Elvedi gesetzt – 53 Länderspiele hat er unterdessen auf dem Buckel. Die EM dürfte für ihn also auch ein Schaufenster werden.
Jan Elvedi: Dauerläufer und Cup-Finalist
Jan Elvedi blieb nach dem Abstieg von Jahn Regensburg in der 2. Bundesliga und wechselte zum 1. FC Kaiserslautern. Er hatte die erfolgreichere Saison als sein Zwillingsbruder Nico eine Liga höher. Nicht wegen des Abschneidens in der Meisterschaft. Die «Roten Teufel», die im Schnitt vor über 40’000 Zuschauern spielen, schwebten lange in Abstiegsgefahr, retteten sich aber dank drei Siegen in den letzten vier Spielen noch.
Schlagzeilen schrieb die Equipe von Friedhelm Funkel aber vor allem mit dem Finaleinzug im DFB-Pokal. Das Spezielle an diesem Erfolg: Den Lauterern stellte sich auf dem Weg ins Endspiel lediglich ein Oberklassiger in die Quere – der 1. FC Köln in der 2. Runde. Im Final war dann Bayer Leverkusen eine Nummer zu gross – obwohl Kaiserslautern ab der 44. Minute in Überzahl spielte.
Um die Bedeutung von Jan Elvedi für sein Team zu illustrieren, reicht ein Blick auf die Einsatzstatistik. In 39 von wettbewerbsübergreifend 40 möglichen Spielen stand er in der Startformation, lediglich einmal wurde er ausgewechselt. Und das (bedeutungslose) letzte Meisterschaftsspiel verpasste er wegen muskulärer Probleme. 3489 Minuten stand er auf dem Platz – das sind über 300 mehr als alle anderen Teamkollegen.
Cédric Brunner: Vom Leistungsträger zum Auslaufmodell
Der Maurmer Cédric Brunner blieb bei Schalke 04 nach dem Abstieg aus der Bundesliga. Das kam bei den Fans sehr gut an – und davon haben die Schalker bekanntlich nicht wenige. 61’000 Zuschauer waren auch in der 2. Bundesliga im Schnitt im Stadion – ziemlich genau gleich viele wie im Oberhaus.
«Du könntest locker Bundesliga spielen, aber bleibst, man weiss das gar nicht genug wertzuschätzen», kommentierte ein Supporter auf Instagram ein Bild von Brunner aus der Saisonvorbereitung. Da war die Hoffnung noch gross, dass Schalke an der Spitze mittun und im Idealfall gar den direkten Wiederaufstieg schaffen würde. Natürlich mit Rechtsverteidiger Brunner in der Stammformation.
Doch der Aufschwung blieb aus, der Klub rutschte gleich in die nächste sportliche Krise. Im Herbst lag Schalke lange nur knapp über den direkten Abstiegsplätzen – ein Sturz in die 3. Liga hätte den mit finanziellen Problemen kämpfenden Verein womöglich in existenzgefährdende Not gebracht. Das Schreckgespenst Abstieg vertrieb die Mannschaft in der Rückrunde – der Anteil von Brunner am Ligaerhalt war aber nicht gross. Er fehlte oft verletzt (Fuss, Leiste, Knie). Und wenn er spielte, war er laut dem «Westen» nicht derselbe Brunner. «Aus dem Leistungsträger ist ein Problemfall geworden», schrieb das Regionalmedium. Zum Einsatz kam er in nur 17 Spielen. 14 davon bestritt er von Beginn weg, wobei er zehnmal ausgewechselt wurde. Zweimal sogar schon zur Pause.
Die Konsequenz: Der Klub verlängerte Brunners Vertrag nach zwei Jahren nicht mehr. Und der 30-Jährige verabschiedete sich nach der Saison mit einem emotionalen Text auf Instagram. «Auch wenn ich die Mannschaft in der letzten Saison nicht so unterstützen konnte, wie ich es mir gewünscht hätte, bin ich dennoch sehr dankbar, Teil dieses einzigartigen Clubs gewesen zu sein», schrieb Brunner etwa. Und: «Der Zusammenhalt hat mich geprägt und mein Verständnis von Leidenschaft und Treue verändert. Mit solchen Fans im Rücken kann es nur bergauf gehen.»
Roberto Alves: Nur Zuschauer beim grossen Absturz
Es war eine Saison zum Vergessen für den Gossauer, der 2022 den FC Winterthur in die Super League schoss und danach sein Glück in Polen suchte. Im zweiten von drei Vertragsjahren bei Radomiak Radom stand er in lediglich sieben Spielen auf dem Platz. Zu Beginn war er noch Stammspieler, fiel dann aber schon im August letzten Jahrs wegen einer Schambeinverletzung aus. Es wurde eine langwierige Geschichte. 26 Spiele verpasste der 26-Jährige und gab sein Comeback erst am 13. Mai im drittletzten Saisonspiel. «Nach 261 Tagen mit Blut, Schweiss, Schmerzen und Tränen kann ich wieder das tun, was ich am liebsten tue: Fussball spielen», kommentierte er auf Instagram.
Es kann also fast nur besser werden – für Alves, aber auch für seinen Klub. Radomiak Radom entging dem Abstieg aus der polnischen Extraklasa nur um einen Zähler. Zu tun hat das vor allem mit einer grauenhaften Rückrundenbilanz. Vom 8. Tabellenrang aus bei Hälfte des Pensums folgte der Absturz – Radom war mit 16 Punkten aus 17 Spielen in der zweiten Saisonhälfte das schlechteste Team der Liga. Nach der zweitletzten Runde und der 0:2-Niederlage gegen Spitzenteam Slask Wroclaw wechselte Radom den Trainer – schon zum zweiten Mal in der Saison. Nach einem Rumänen und einem Polen ist nun der Portugiese Bruno Baltazar am Werk. Sprachliche Nachteile dürfte Alves also schon einmal keine haben.
Anthony Pinthus: Eine Geste und ihre Folgen
«Das wird riesig», hatte Anthony Pinthus nach seinem Wechsel nach Indonesien vor rund einem Jahr gesagt. In der Schweiz reichte es dem Hinwiler nicht zu einem Profivertrag. Im Heimatland seiner Mutter, den Philippinen, lancierte er seine Karriere dann doch. Der Wechsel zu PSS Sleman in die höchste Liga Indonesiens war der nächste Karriereschritt. Und der Klub, dessen Zuschauerzahlen sich bisweilen im fünfstelligen Bereich bewegen, hatte nach dem Fast-Abstieg das Team umgekrempelt. Vorne mitspielen wollte man.
Doch der Plan misslang gründlich – und riesig war vor allem das Frustpotenzial. Es begann zwar gut – Pinthus war von Beginn weg Stammgoalie, und nach neun Runden war das Team in der 18er-Liga Fünfter. Doch danach ging es nur noch bergab. Das Bild prägten nicht die erhofften Erfolge, sondern eine Serie von zehn Spielen ohne Sieg, mehrere Trainerwechsel – und aufgebrachte Fans.
Deren Zorn richtete sich auch gegen den Hinwiler, als dieser am 14. März im Heimspiel gegen den Leader Borneo an einer Freistossflanke vorbeisegelte, die zum einzigen Tor der Partie führte.
Die Meinung der Fans war gemacht. «Pinthus raus!», war im Stadion zu hören, der Hashtag #pinthusout geisterte durch Social Media. Nicht zum ersten Mal in der Saison. Pinthus’ Reaktion sorgte nicht eben für Entspannung: Mit dem Zeigefinger vor dem Mund deutete er den Fans an, ruhig zu sein. Und er verzichtete als einziger Spieler auf den Gang zur Fankurve nach dem Spiel.
Tags darauf entschuldigte sich Pinthus zwar per Videobotschaft, der Schaden war aber angerichtet. Er sass nicht einmal mehr auf der Ersatzbank in den verbleibenden fünf Partien, von denen PSS Sleman nur noch eine verlor und damit den Ligaerhalt schaffte.
Wie es mit Pinthus nach Ablauf des Einjahresvertrags weitergeht, ist nicht bekannt. Eine Trennung würde nach dieser Episode allerdings nicht überraschen.