Wo bitte gehts hier zu den WM-Punkten?
Saubers Durststrecke im Vergleich
8 Rennen, 0 Punkte – das Hinwiler Sauber-Team ist WM-Letzter. Ein Blick in die jüngere Geschichte zeigt: Da unten kommt man kaum wieder heraus.
Ein Drittel der Formel-1-Saison ist vorbei, und das Hinwiler Sauber-Team steht als einziger Rennstall noch ohne WM-Punkte da. Acht Rennen dauert die Durststrecke in diesem Jahr schon an, 13 Nuller sind es saisonübergreifend.
Aussergewöhnlich ist es nicht, dass ein Team zu diesem Zeitpunkt noch punktlos ist. Erst seit 2010 gibt es Zähler für die Top Ten – und seither gab es nur vier Saisons, in denen nach acht Rennen schon alle Teams gepunktet hatten.
Sauber ist nicht zum ersten Mal in dieser Situation. Und ein Rückblick zeigt: Zur grossen Aufholjagd aus dem Tabellenkeller setzte fast niemand an.
2010 bis 2012: Lotus, HRT und Virgin
2010 war ganz viel neu in der Formel 1. Peter Sauber hatte seinen Rennstall nach dem BMW-Ausstieg zurückgekauft, neu gab es für die Top Ten Punkte statt nur für die ersten acht Plätze – und neu waren auch drei Teams: Lotus (ab 2012 Caterham), HRT (für Hispania Racing Team) und Virgin (ab 2012 Marussia). Gelockt wurden sie mit der Aussicht auf eine Budgetobergrenze – doch die kam nicht respektive nur in einer sehr abgeschwächten Form.
Konkurrenzfähig waren die Neulinge nicht, sie fuhren in einer eigenen Liga hinter dem Feld her. Nach drei Saisons strich HRT als erstes der drei Hinterbänklerteams die Segel – ohne je einen Zähler geholt zu haben.
Lotus, HRT und Virgin: 0 Punkte nach den Saisons 2010 (19 Rennen), 2011 (19), 2012 (20)
2013: Williams, Marussia und Caterham
Zu den beiden verbliebenen Hinterbänklern gesellte sich 2013 Williams mit Formel-1-Debütant Valtteri Bottas und Pastor Maldonado. Seit 1977 war der britische Rennstall nie mehr so schlecht in eine Saison gestartet. Neun Rennen lang blieb Williams punktlos, ehe Maldonado, der das Auto zu Saisonbeginn als «unfahrbar» bezeichnet hatte, in Ungarn Zehnter wurde.
Bottas holte im zweitletzten GP der Saison in Austin (USA) als Achter noch vier Punkte. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich das Team längst vom technischen Direktor Mike Coughlan getrennt – und auf die nächste Saison hin wechselte man auch den Motorenlieferanten von Renault zu Mercedes.
Williams: 5 Punkte (19 Rennen)
Marussia und Caterham: 0 Punkte (19 Rennen)
2014: Sauber und Caterham
Es war die bisher einzige punktlose Saison der Sauber-Geschichte. Zwei elfte Ränge von Adrian Sutil in Australien und Ungarn waren die besten Resultate. Der Deutsche und sein mexikanischer Teamkollege Esteban Gutiérrez kämpften sich mit dem zu schweren und zu langsamen C33-Ferrari herum, den Sutil als «Diva» bezeichnete. Gut, dass es da noch Caterham gab – so war Sauber immerhin nicht WM-Letzter.
Die eigentliche Sensation war 2014, dass Marussia nicht punktlos blieb, sondern mit zwei Punkten den 9. WM-Rang belegte – nach acht Runden sowie am Saisonende. Verantwortlich dafür war als 9. in Monaco Jules Bianchi, der im selben Jahr im GP von Japan tragisch verunfallte und sich so schwere Verletzungen zuzog, dass er neun Monate später starb.
Sauber und Caterham: 0 Punkte (19 Rennen)
2015: Manor
Nachdem Caterham Ende 2014 aus finanziellen Gründen aufgegeben hatte, verblieb 2015 Manor als einziges der drei «neuen» Teams von 2010 im Feld. Aber auch nur knapp. Ende 2014 war das Team insolvent und nahm an den letzten drei Rennen gar nicht mehr teil. Dank einem neuen Besitzer kehrte der Rennstall aber 2015 doch zurück – mit einem notdürftig modifizierten Vorjahresauto, das zwar zuverlässig war, aber auch viel zu langsam.
0 Punkte (19 Rennen)
2016: Sauber und Manor
Es war ein Duell der Habenichtse – und Sauber sah lange wie der Verlierer aus: Weil Pascal Wehrlein in Österreich für Manor einen Punkt holte, drohte den Hinwilern die Peinlichkeit des zweiten Nullers der Teamgeschichte und des 11. WM-Rangs, der keine Preisgelder mehr abgeworfen hätte. Um geschätzte 30 Millionen Euro ging es dabei.
Sauber kämpfte nicht nur um diese lukrative goldene Ananas, sondern auch ums Überleben – über mehrere Monate hinweg bekamen nicht alle Mitarbeiter ihren Lohn pünktlich. Es nahm aber alles ein gutes Ende: Im Juli wurde das Team verkauft – und im November fuhr der Brasilianer Felipe Nasr in seinem Heimrennen als Neunter jene zwei Punkte ein, die Sauber brauchte, um nicht WM-Letzter zu werden.
Für Manor war das der Todesstoss – das Team meldete Insolvenz an und fand keinen Käufer mehr.
Sauber: 2 Punkte (21 Rennen)
Manor: 1 Punkt (21 Rennen)
2019 und 2020: Williams
Fehlt das Geld, bleiben auch die Resultate aus. Das gilt auch für ein traditionsreiches ehemaliges Weltmeisterteam wie Williams. 2019 wurde das Auto nicht rechtzeitig auf die Vorsaisontests fertig – und Technikchef Paddy Lowe gab seinen Posten noch vor dem ersten Rennen ab. Nach zehn Nullern resultierte immerhin ein Punkt. In Hockenheim kam Robert Kubica zwar nur als Zwölfter ins Ziel – weil die beiden Sauber-Piloten Kimi Räikkönen und Antonio Giovinazzi aber Zeitstrafen kassierten, rückte der Pole auf den zehnten Rang vor.
Es blieb der einzige WM-Punkt des Jahrs und der letzte, bevor der Familienbetrieb im August 2020 an eine amerikanische Investmentgesellschaft verkauft wurde. Im selben Jahr blieb das Team erstmals in seiner Geschichte punktlos.
2019: 1 Punkt (21 Rennen)
2020: 0 Punkte (17 Rennen)
2021: Williams und Haas
Das Beispiel Williams könnte Sauber aber eigentlich auch Mut machen. Vor drei Jahren stand der Rennstall nach acht Rennen ohne Punkte da – und verbesserte sich bis Saisonende immerhin noch auf 23 Zähler und den 8. WM-Rang. Dafür brauchte er aber gleich zwei sehr aussergewöhnliche Rennen.
Erst warfen in Ungarn die Ränge 7 von Nicholas Latifi und 8 von George Russell zehn Punkte ab – nur 13 Autos wurden damals klassiert. Es waren im zehnten Saisonrennen die ersten Punkte für Williams. Und gleich in der nächsten Runde in Belgien wurde George Russell Zweiter – da gab es zwar keine Ausfälle, aber auch gar kein Rennen.
Wegen sehr starker Regenfälle wurde der Start erst rund dreieinhalb Stunden hinausgeschoben – und das «Rennen» dann nach wenigen Runden hinter dem Safety-Car beendet. Belohnt wurden die Piloten mit halb so vielen Punkten wie üblich. Immerhin: Russells Exploit im verregneten Qualifying brachte Williams damit neun Zähler ein. Unter normalen Umständen wäre er im Rennen wohl nach hinten durchgereicht worden.
Sowohl nach acht als auch nach allen 22 Rennen punktlos war das Haas-Team mit den beiden Piloten Mick Schumacher und Nikita Mazepin – zum ersten und bisher einzigen Mal seit dem Debüt 2016.
Williams: 23 Punkte (22 Rennen)
Haas: 0 Punkte (22 Rennen)
